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Die Tränen der Hexen Historischer Roman aus dem Harz von Grießmann, Uwe (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.11.2015
  • Verlag: Prolibris Verlag
eBook (ePUB)
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Die Tränen der Hexen

Goslar 1499. In einer Mine am Rammelsberg stürzt ein Stollen ein und begräbt viele Bergarbeiter unter sich. Die Wasserträgerin Gerlinde wird beschuldigt, durch Hexerei für den Einsturz verantwortlich zu sein. Sie wird in den Hexenturm gesperrt, und der Dominikanermönch Henricus Institoris wird zur Aufklärung des Falles nach Goslar bestellt. Er kennt sich aus mit Hexen, hat schon vielen den Prozess gemacht und ein Hexengesetzbuch geschrieben, den Hexenhammer, ein sehr begehrtes Buch. Der angesehene Goslarer Buchdruckermeister Wilhelm Wehrstett erhält von Henricus Institoris den Auftrag, den Hexenhammer nachzudrucken. Doch Wehrstett hadert, denn dieses Buch bringt nur Tod und Verderben. Wenn er es aber nicht druckt, muss er dann nicht befürchten, dass Institoris sich an Wehrstetts Frau rächt? In Goslar findet eine regelrechte Hexenjagd statt. Jede gefolterte "Hexe" beschuldigt andere der Teufelsbuhlschaft. Kann Wehrstett diesen Wahnsinn aufhalten, oder wird seine eigene Frau auf dem Scheiterhaufen hingerichtet?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 04.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954751228
    Verlag: Prolibris Verlag
    Größe: 639 kBytes
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Die Tränen der Hexen

Prolog: Der 3. Tag des Brachmanoth im Jahr des Herrn 1499, ein Montag

Im fahlen Licht der Grubenlampen klirrten unzählige Spitzhacken. Stauberfüllt, feuchtwarm und stickig war die Luft, kaum atembar, trotz der an der Decke hängenden nassen Lumpen. Schwitzende, fluchende Männer, nur mit knielangen Hosen bekleidet, schlugen mit Spitzhacken auf den Fels ein, um dem Berg das Erzgestein abzugewinnen.

"Bring das weg! Wird's bald?"

"Hierher, ihr Rotzlümmel!"

So schallten die Befehle aus allen Ecken. Die drahtigen, mit Staub bedeckten Knaben wussten allerdings selbst, was zu tun war. Die jüngeren klaubten die Brocken auf und schmissen sie auf die Kreuzkarren, die älteren zogen diese nach oben. Ein kleiner, schmächtiger Junge huschte hierhin, huschte dorthin, um den bereitstehenden Karren zu befüllen. Dabei streifte er den kräftigen Jüngling, der sich davor gespannt hatte und dem nun der breite, um das Kreuz gelegte Gurt herunterrutschte, bis auf die Füße, sodass er das volle Gewicht mit den Händen halten musste. "Pass doch auf!", schnauzte er und ging etwas in die Knie, damit der Kleinere ihm das Lederband wieder umlegen konnte. Alsdann schob er die Karre auf den Schiebeweg, über den das wertvolle Gestein wie auch der Abraum nach draußen befördert wurde.

Karl Rotbaum, einer der Bergarbeiter, gönnte sich eine kurze Pause. Mit dem Handrücken fuhr er sich über die mit schmutzigem Schweiß verklebte Stirn und blickte sich um. "Wasser!", schrie er, musste sich jedoch eine Zeit lang gedulden, bis eine dürre Frau mit strähnigem Haar erschien.

Gerlinde Wamst bückte sich und stellte die beiden Eimer auf dem Boden ab. "Du säufst, wie'n Ratz", beschwerte sie sich.

"Ein Humpen Bier wär mir eh lieber, der würd auch den Durst besser löschen", antwortete Rotbaum, spuckte aus, grinste die Wasserträgerin an und musterte sie. Er wusste, dass sich unter der starrenden Schmutzschicht ein leidlich hübsches Gesicht verbarg. Und da Rotbaum einer war, der abends im Gebüsch versteckt die Frauen beim Bad in der Gose beobachtete, kannte er ihren Körper. Der war freilich sehnig, dafür besaß Gerlinde die vollsten Brüste aller Weiber im Umkreis von ... nun ja, zumindest hier im Bergdorf.

Gerlinde schaute den Kerl vernichtend an. "Bier? Klar! Für dich brau ich im Nu besten Gerstensaft." Und zwar aus meiner Pisse , dachte sie sich dazu. Sie reichte dem Mann einen Becher. Gierig soff er ihn leer, und sie musste ihm noch zweimal nachschenken.

"Wie wär's, wenn du mich heut in der Nacht besuchen kommst?", fragte er mit einem schleimigen Grinsen, das ein paar schwärzliche Zahnstummel entblößte. Dabei nahm er das Werkzeug so zwischen die Beine, dass der Stil aus seinem Schritt einen guten Fuß nach vorne herausragte. "Ich könnt dann mit meiner anderen Spitzhacke dein Loch beackern. Du wirst auf deine Kosten kommen!"

Gerlinde verzog das Gesicht und zeigte ihm den erhobenen kleinen Finger. "Bei der Menge an Löchern, die du beackerst, hat's sich schnell rumgesprochen, dass dein Häkchen eher diese Größe hat. Geh du nur zu den Hübschlerinnen, aber lass mich zufrieden!"

"Hab dich nicht so! Für deine Kinder geb ich dir auch ein paar Münzen, wenn mir das Stündchen gefällt. Für die nutzlosen Gören brauchst du's doch. Ist ja schließlich nicht leicht, die beiden ohne Vater durchzufüttern. Außerdem ist's ja bekannt, dass du öfter der Hurerei nachgehst." Bei diesen Worten leckte sich der Bergarbeiter über die Lippen.

Gerlinde hängte die Kelle an die Schürze, riss dem Mann den Becher aus der Hand und bückte sich nach den Wassereimern. "Nur für die feinen Pinkel in Goslar hebe ich die Röcke gegen Geld. Dich lass ich nicht ran. Nie und ..."

Karl Rotbaum erg

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