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Die Tränen der Königin Roman von Gortner, C. W. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2009
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Tränen der Königin

Opulent und ergreifend: ein Roman über Johanna, die letzte Königin Spaniens
Mit 13 Jahren erlebt Johanna von Kastilien die Vereinigung des Königreichs Spaniens unter ihren Eltern Isabella und Fernando mit. Intelligent, schön, und stolz auf ihre Herkunft kämpft Johanna gegen ihr Schicksal an, als sie als zukünftige Braut des Habsburgers Philip des Schönen auserwählt wird. Aber als sie in Flandern dem attraktiven und sympathischen Prinzen gegenübersteht schlagen ihre Gefühle um. Doch weiß sie noch nicht, dass dieser Mann, nicht nur die größte Liebe ihres Lebens sein wird, sondern auch ihre bitterste Enttäuschung ...

Christopher W. Gortner arbeitete als Redakteur für Geschichtsfachzeitschriften und unterrichtete an der Universität, bevor er Schriftsteller wurde. Mit seinen historischen Romanen feiert Gortner international große Erfolge. Heute lebt und arbeitet er in San Francisco, Kalifornien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 01.07.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641025854
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The Last Queen
    Größe: 703 kBytes
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Die Tränen der Königin

1 Ich war dreizehn Jahre alt, als meine Eltern Granada eroberten. Das geschah 1492, im Jahr der Wunder, als dreihundert Jahre maurischer Herrschaft der Macht unserer Armeen erlagen und die zerschlagenen Königreiche Spaniens endlich wieder vereinigt wurden. Seit meiner Geburt war ich auf Kreuzzug gewesen. Oft war mir erzählt worden, wie die Geburtswehen meine Mutter ausgerechnet in dem Moment niederwarfen, als sie sich anschickte, mit ihrer Streitmacht zu den Belagerungstruppen meines Vaters zu stoßen, und sie aufs Kindbett zwangen - eine Störung, die ihr überhaupt nicht behagte. Schon binnen weniger Stunden vertraute sie mich einem Kindermädchen an, damit sie sich aufs Neue in ihre Schlachten stürzen konnte. Zusammen mit meinem Bruder Johann und meinen vier Schwestern hatte ich von Anfang an nur das Chaos eines umherziehenden Königshofs gekannt, der sich in allem nach den Erfordernissen der Rückeroberung, des Kreuzzugs gegen die Mauren, gerichtet hatte. Eingeschlafen und aufgewacht war ich stets bei ohrenbetäubendem Getöse, veranstaltet von Tausenden Seelen in Rüstung; von Lasttieren, die Katapulte, Belagerungstürme und primitive Kanonen schleppten; von endlosen Wagenkolonnen, beladen mit Kleidern, Ausrüstungsgegenständen, Vorräten und Werkzeugen. Selten hatte ich Marmor unter den Füßen oder ein Dach über dem Kopf genießen dürfen. Das Leben bestand aus einer Serie von Pavillons, errichtet auf steinigem Gelände, und aus ängstlichen Lehrern, die beim Herunterleiern ihrer Lektionen zusammenzuckten, sobald brennende Pfeile über sie hinwegzischten oder Steingeschosse in der Ferne eine Festung zertrümmerten. Mit der Eroberung von Granada änderte sich alles - für mich und für Spanien. Die hochbegehrte Bergzitadelle war das prächtigste Juwel in der versinkenden Welt der Mauren, und meine Eltern, Isabella und Ferdinand, Ihre Katholischen Majestäten von Kastilien und Aragonien, schworen, sie eher bis auf die Grundmauern niederzureißen, bevor sie sich noch länger den Trotz der Frevler bieten ließen. Ich habe das Bild noch vor Augen, als stünde ich im Eingang zu unserem Pavillon: längs der Wegesränder die Reihen von Soldaten, in deren zerbeulten Brustharnischen und Lanzen die Wintersonne glitzerte. Sie warteten, die eingefallenen Gesichter vorgereckt, als hätten sie Not und Elend nie kennengelernt und die zahllosen Entbehrungen und Toten in zehn langen, von Schlachten geprägten Jahren in diesem Moment völlig vergessen. Mich durchlief ein Schauer. Von der sicheren Hügelkuppe aus, auf der unsere Zelte standen, hatte ich beobachtet, wie Granada fiel. Ich verfolgte die Flugbahn der brennenden Steine, die in Pech getränkt, angezündet und gegen die Stadtmauern katapultiert worden waren, und sah, wie Gräben ausgehoben und mit vergiftetem Wasser gefüllt wurden, damit niemand sie durchqueren konnte. Wenn der Wind aus der richtigen Richtung wehte, vernahm ich bisweilen sogar das Stöhnen der Verwundeten und Sterbenden. Solange die Stadt schwelte, flackerte in der Nacht auf den Stoffplanen unseres Zelts ein gespenstisches Wechselspiel aus Licht und Schatten, und jeden Morgen waren unsere Gesichter und sämtliche Kissen von Asche bedeckt, wie auch unsere Teller und überhaupt alles, was wir aßen oder anfassten. Ich konnte kaum glauben, dass es wirklich vorbei war. Ich kehrte ins Zelt zurück und stellte verdrießlich fest, dass meine Schwestern sich immer noch mit ihren Kleidern abmühten. Ich war als Erste aufgewacht und hatte sogleich meinen neuen karmesinroten Brokatumhang angelegt, nachdem meine Mutter für jede von uns einen angefordert hatte. Ungeduldig mit den Füßen stampfend, schaute ich zu, wie unsere Kinderfrau Doña Ana die mit Spitzen besetzten Schleier ausschüttelte, die wir immer in der Öffentlichkeit tragen mussten. "Dieser verfluchte Staub!", stöhnte sie. "Er ist sogar in die schöne weiße Bettwäsche eingedrungen! Ach, ich kann die Stunde gar nicht erwarten

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