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Die Unsterblichen Roman von Bjørnstad, Ketil (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.10.2011
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Die Unsterblichen

Eigentlich führt Thomas Brenner ein gutes Leben. Er ist ein erfolgreicher Arzt, glücklich verheiratet, hat zwei Kinder. Mit Ende Fünfzig freut er sich auf den Ruhestand, auf Reisen mit seiner Frau, auf eine Zeit der Entspannung. Aber plötzlich fühlt er sich alt und überfordert. Sein geordnetes Leben gerät aus den Fugen. Verantwortung abgeben, das ist es, was er sich wünscht; statt dessen bekommt er immer mehr aufgebürdet. Hier die beiden Töchter, die mit Mitte Zwanzig noch nicht auf eigenen Füßen stehen, dort die alten Eltern, die pflegebedürftig werden. Und auch Brenner selbst bleibt von Krankheiten nicht verschont. Die lange geplante Familienreise nach Chicago soll zum ersten Schritt in ein unbeschwerteres Leben werden, doch es kommt alles ganz anders .... Nach dem Erfolg mit seiner Romantrilogie um den jungen Pianisten Aksel Vinding ist 'Die Unsterblichen' Ketil Bjørnstads persönlichstes Buch. Es ist eine Bestandsaufnahme, nicht nur eines Lebens, sondern einer ganzen Generation. Die Menschen scheinen alterslos, nahezu unsterblich - doch zu welchem Preis? Ketil Bjørnstad, geboren 1952, studierte in Oslo, London und Paris klassisches Klavier. Sein musikalisches Debüt gab er im Alter von 16 Jahren mit dem Philharmonischen Orchester Oslo, wandte sich dann aber der Jazzmusik und dem Schreiben zu. Sein erster Gedichtband erschien 1972. Heute lebt Bjørnstad als Schriftsteller und Musiker mit seiner Familie in Oslo. Zu seinen erfolgreichsten Büchern zählen Villa Europa und Oda sowie die Trilogie um den jungen Pianisten Aksel Vinding: Vindings Spiel , Der Fluß und Die Frau im Tal .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 303
    Erscheinungsdatum: 15.10.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458752103
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: De udødelige
    Größe: 1265 kBytes
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Die Unsterblichen

1

Der Gedanke kam erst, lange nachdem sie eingeschlafen war. Da hatte er sich schon mindestens eine Stunde im Bett hin und her gewälzt. Seine alte Mutter mußte ins Pflegeheim, diese Entscheidung war nun endgültig, und damit war die Trennung von ihrem Mann unausweichlich. Der Pflegedienst sah sich nicht mehr in der Lage, die prekäre Situation im Brenner-Haus zu verantworten, zu viele Stürze hatte es gegeben, zu viele Auseinandersetzungen, zu viel Streit und Zank; eine solche Verantwortung konnte man nicht länger übernehmen.

Aber es war nicht nur der Gedanke an die Situation von Mutter und Vater, der Thomas wach hielt. Es war eine Sache, die etwas früher passiert war, als er neben Elisabeth im Bett gelegen hatte und sie miteinander redeten. Das machten sie nun öfter, seit sie nicht mehr arbeitete und mehr Zeit für solche Gespräche blieb, obwohl sich an seiner Arbeitssituation als Arzt nichts verändert hatte und er genauso zeitig wie immer aufstehen mußte. Durch diese Gespräche fühlte er sich ihr wieder näher, das war neu. All die Jahre hatten Annika und Line sie voll und ganz beansprucht, und sie hatten sich damit klaglos abgefunden.

Sie bemühten sich, dem anderen zu zeigen, daß zwischen ihnen nach wie vor eine starke Bindung existierte. Kleine Zärtlichkeiten, freundliche Worte. Und seit kurzem hatten sie begonnen, wieder andere Seiten voneinander zuzulassen. Sie entdeckten die alten Bedürfnisse, physische wie psychische, die für ihre Beziehung wichtig waren. Eine Beziehung, die jetzt fast vierzig Jahre dauerte und wahrscheinlich noch viele Jahre dauern würde, wenn sie zu den Glücklichen zählten, die zusammen alt wurden. Auch daran hatte Thomas Brenner in dieser Nacht gedacht, obwohl er wußte, daß die Zeitdimension nicht unbedingt Glück bedeutete, wie er bei seinen Eltern sah, mit all den oft grotesken Schwierigkeiten für die Alten ebenso wie für die Angehörigen.

Aber an all das zu denken war für sie beide längst zur Gewohnheit geworden, das war es also nicht, was Thomas Brenner an diesem Herbstabend des Jahres 2009 nicht einschlafen ließ, als er das Rauschen in den Rohren hörte und wußte, daß die altmodische Zentralheizung ansprang, weil es draußen kälter geworden war. Zuerst war der Gedanke gar nicht klar, war gleichsam noch nicht ins Bewußtsein gedrungen, so als hätte ihn das Unterbewußtsein gedacht. Er verspürte nur ein Unbehagen, die Art von Unbehagen, wie es manchmal bei der Behandlung eines Patienten auftauchte, daß da etwas nicht stimmte, daß den Laborwerten nicht zu trauen war, daß ein Grund bestehen mußte, warum ihn der Patient aufgesucht hatte und beunruhigt war. Und wenn ihn diese Unruhe ansteckte, war das für ihn ein Anlaß zur Sorge. Und jetzt empfand er diese Unruhe, und deshalb wälzte er sich im Bett hin und her.

Aber wer hatte ihn angesteckt? An wen hatte er an diesem Abend gedacht außer an Elisabeth? Er hatte ihre Brust gestreichelt. Mehrmals. Und plötzlich war ihm, als hätte er unter der Haut etwas gespürt, von dem sie anscheinend nichts wußte oder nichts wissen wollte. Einen Knoten. Fest und unverkennbar.

In dem Moment schob sie seine Hand weg. Das konnte zufällig sein. Das konnte auch mit Absicht geschehen sein. Daß sie gemerkt hatte, daß er etwas getastet hatte, von dem sie nicht wollte, daß er sich darum kümmerte. Denn so war es üblich zwischen ihnen, dachte er. Diese Rücksichtnahme war die Stärke ihrer Beziehung. Was aber ganz plötzlich zu einer Schwäche werden konnte. Er dachte wieder an den Knoten. Sie muß da etwas unternehmen, dachte er und schlief ein.

Es war am nächsten Tag, nach

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