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Die Verbrechen des van Gogh Kriminalroman von Feinmann, José Pablo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.11.2015
  • Verlag: Edition día
eBook (ePUB)
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Die Verbrechen des van Gogh

Fernando Castelli, Filmfreak aus Buenos Aires, hat's nicht leicht. Um sich und seine despotische Mutter über Wasser zu halten, schuftet er als Angestellter in einem Videoladen und kocht in seiner freien Zeit in einer Filmproduktionsfirma den Kaffee für die eiskalte Chefin. Kein Wunder, dass er Träume hat. Und ein Über-Ich namens Jack the Ripper, das ihm dabei hilft, sie zu verwirklichen: Fernando soll sich in einen Serienkiller verwandeln und den grausigen Plot für das oscarverdächtige, millionenschwere Drehbuch selbst besorgen. Und schon geht sie los, José Pablo Feinmanns Romanparodie auf die blutrünstige Massenkultur. Leichen pflastern Fernandos Weg zum Ruhm, und ein paar Ohren dienen als Trophäen. Wenn das letzte abgeschnitten ist, ist das Drehbuch fertig, Fernandos Chefin reich und die schöne Ana Espinosa als Märtyrerin des Privatfernsehens gen Himmel gefahren. Inspektor Colombres hingegen muss einsehen, dass die Tage des argentinischen Machos gezählt sind, und geht zum Showdown ins Kino. Das frivole Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit ist hier Motor des Geschehens. Im Fadenkreuz dieses großartigen Schriftstellers steht der unersättliche Hunger der modernen Spaßgesellschaft auf Dramen und Sensationen, die ebenso schnell verwurstet wie vergessen werden. Von José Pablo Feinmann außerdem in der Edition diá: Die unmögliche Leiche. Kriminalroman Aus dem argentinischen Spanisch von Thomas Brovot ISBN 9783860345484

José Pablo Feinmann wurde 1943 in Buenos Aires geboren. Der Romancier, Journalist, Drehbuchautor und Philosoph ist Leitfigur einer Generation jüngerer argentinischer Schriftsteller. Neben zwölf Romanen schrieb er zahlreiche Essays und philosophische Abhandlungen, er ist Kolumnist der Tageszeitung "Página 12" und moderiert seit 2010 die vielbeachtete Fernsehsendung "Filosofía aquí y ahora". Er hat mit prominenten Regisseuren zusammengearbeitet, darunter Eduardo de Gregorio und Hector Oliveira; zwei seiner Romane wurden verfilmt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 27.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783860345481
    Verlag: Edition día
    Größe: 806 kBytes
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Die Verbrechen des van Gogh

Kapitel II
Zweites Ohr

1. Mary Ann Nichols

Er ging bis zur Ecke Lafinur und Las Heras. Dort gab es eine Bar. Jemand erwartete ihn. Er trat ein.

Die Bar war fast leer.

Ein Kellner kam auf ihn zu.

"Ich hätte gern einen Tisch am Fenster", sagte Fernando.

"Selbstverständlich, der Herr", sagte der Kellner. "Wäre dieser Ihnen recht?"

Am Tisch saß Jack the Ripper. Fernando setzte sich ihm gegenüber. Jack rauchte seine Pfeife und betrachtete ein wenig zerstreut die mächtigen Bäume auf dem Bürgersteig vor dem Botanischen Garten.

"Einen Milchkaffee", bestellte Fernando. "Und einen Gin, bitte."

Der Kellner verschwand.

Fernando schaute Jack an. Er sagte:

"Das war's." Er machte eine Pause. Er wollte seinem Satz Gewicht verleihen. Nicht jeder kann einen Mord planen und nach der Tat eiskalt sagen: 'Das war's.' Er setzte hinzu: "Wenn der Anfang das Schwerste ist, habe ich das Schwerste hinter mir."

Jack hörte auf, sich für das schattige Blattwerk der Bäume auf dem Bürgersteig vor dem Botanischen Garten zu interessieren. Er schaute Fernando an und fragte:

"Was hast du mit ihr gemacht?"

"Ich habe ihr die Kehle durchgeschnitten. Wie ich es von Ihnen gelernt habe, Jack. Mit einer einzigen, schnellen Bewegung. Dann habe ich ihr ein Ohr abgeschnitten. Es ist in meiner Tasche. Wollen Sie es sehen?"

"Nein, Fernando. Das sind doch Kinkerlitzchen. Außerdem, vermute ich, würdest du den Kellner überraschen. Sieh mal, da ist er schon."

Der Kellner stellte den Milchkaffee und ein Gläschen Gin auf den Tisch. Er hatte die Bestellung prompt erledigt.

"Wollen Sie vielleicht einen Whisky, Jack?", fragte Fernando.

"Nein danke", winkte Jack ab.

Etwas überrascht fragte der Kellner:

"Warten Sie noch auf jemanden?"

"Nein", sagte Fernando, "ich bin in bester Gesellschaft."

Der Kellner lächelte verständnisvoll.

"Manchmal ist man sich selbst die beste Gesellschaft, nicht wahr?", war sein Kommentar.

Fernando betrachtete ihn halb gleichgültig, halb verächtlich.

"Ich bin nicht allein", sagte er.

"Natürlich", pflichtete ihm der Kellner bei. "Ganz wie Sie meinen."

Und er ging zum Tresen, wo er dem Barmann zuraunte, der Typ am Tisch vor dem Fenster sei nicht ganz richtig im Kopf.

"Wollen Sie das Ohr wirklich nicht sehen, Jack?" Fernando ließ nicht locker.

"Es wird dir nicht gelingen, mich zu beeindrucken, Fernando", sagte Jack. Dann setzte er hinzu: "Erinnerst du dich? Mein erstes Opfer hieß Mary Ann Nichols. Eine Prostituierte natürlich. Ich ermordete sie am 31. August 1888. Ich ermordete sie in Whitechapel, einem von käuflichen Frauen und arbeitslosen Arbeitern bevölkerten Vorort Londons." Gemächlich stieß er den Rauch seiner Pfeife aus. Seine grauen Augen starrten in die Fernandos, so als schauten sie durch ihn hindurch, als besäßen sie die Macht, in die Vergangenheit zu schauen. Er hob wieder an: "Aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich ihr ein Ohr abgeschnitten hätte. Ich habe ihren Leib vom Brustbein bis zum Schambein aufgeschlitzt. Habe den linken Leberflügel entfernt. Und, ganz vorsichtig, die rechte Niere. Was die Gebärmutter betrifft ..."

"Genug, Jack", fiel Fernando ihm ins Wort. "Ich habe keine Lust, mich über solche Dinge zu unterhalten."

Jack the Ripper lächelte. Ein väterliches Lächeln. Und sagte:

"Gute Güte, Fernando. Über solche Dinge unterhalten sich Mörder. Wie ich. Und ... wie du."

Fernando leerte sein Glas Gin in einem Zug.
2. Kommissar Pietri

Bruno De Santis, der Besitzer des Annie Malone, ein dickes, pockennarbiges Männchen, das seine Glatze unter einem üppigen Toupet versteckte, betrat die Garderobe von Lupe Quintana. Man hatte ihm bereits gesagt, was ihn erwartete: Lupe war tot, lag auf dem Boden, in ihrem eigenen, reich

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