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Die Verbrechen meiner Freunde Roman von Simenon, Georges (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.11.2019
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Die Verbrechen meiner Freunde

Lüttich, nach dem Ersten Weltkrieg. Georges Simenon, junger Reporter der Gazette de Liège, freundet sich mit einigen Gleichaltrigen an. Leidenschaftlich debattieren die Männer in den Cafés der Stadt bis tief in die Nacht über Politik, die Welt und das Leben. Von den dunklen Machenschaften seiner Freunde weiß Simenon da allerdings noch nichts. Erst Jahre später erfährt er von ihren grausamen Taten und verarbeitet sie in diesem autobiographischen Roman. "Ich ahnte nichts, dabei waren meine Freunde Mörder! Auch einige Jahre später ahnte ich nichts, als ich Kriminalromane zu schreiben begann, das heißt Geschichten von erfundenen Verbrechen, während jene, mit denen ich gelebt, dieselbe Luft geatmet, dieselben Freuden geteilt, dieselben Vergnügungen genossen und über dieselben Dinge diskutiert hatte, auf einmal richtige Morde begingen." Georges Simenon, geboren am 13. Februar 1903 im belgischen Lüttich, gestorben am 4. September 1989 in Lausanne, gilt als der "meistgelesene, meistübersetzte, meistverfilmte, in einem Wort: der erfolgreichste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts" ( Die Zeit ). Seine erstaunliche literarische Produktivität (75 Maigret-Romane, 117 weitere Romane und mehr als 150 Erzählungen), viele Ortswechsel und unzählige Frauen bestimmten sein Leben. Rastlos bereiste er die Welt, immer auf der Suche nach dem, "was bei allen Menschen gleich ist". Das macht seine Bücher bis heute so zeitlos.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 04.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455007107
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 506 kBytes
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Die Verbrechen meiner Freunde

1

E s ist verwirrend! Ursprünglich - was sage ich? Jetzt eben noch, als ich meinen Titel schrieb - wollte ich meine Erzählung wie einen Roman beginnen lassen, mit dem Unterschied, dass er diesmal auf Tatsachen beruhen sollte.

Da entdeckte ich plötzlich, wie lebensfremd der Roman im Grunde ist, dass er das Leben nie wirklich wiedergeben kann, und zwar deshalb, weil er an einem Punkt anfängt und an einem anderen aufhört.

Hyacinthe Danse hat am 10 . Mai 1933 seine Geliebte und seine Mutter umgebracht. Aber was war der eigentliche Anfang dieses Verbrechens? War es damals, als er in Lüttich die erste Nummer seiner Zeitschrift La Nanesse herausbrachte, deren Mitbegründer ich, trotz meiner noch nicht mal siebzehn Jahre, aufgrund eines unwahrscheinlichen Zufalls geworden war? Oder fing es da an, als wir in Begleitung Deblauwes durch die Straßen der Stadt schlenderten? War es nicht viel früher, während des Krieges, als uns die Mädchen hinter vorgehaltener Hand zuflüsterten, dass in einer gewissen Buchhandlung hinter verschlossenen Läden ...?

Und Deblauwe? Wann fing er an, ein Mörder zu sein? Und der Fakir? Warum habe ich ausgerechnet gestern erfahren, dass er in einem Pariser Krankenhaus vor Armut, an der Trunksucht, an allen möglichen Krankheiten, Lastern und schändlichen Gebrechen einen jener Tode gestorben sei, die sich schon Tage im Voraus durch ihren Gestank ankündigen?

Warum? Wieso? Wo sollte ich anfangen, da es zwischen den drei Verbrechen, den fünf oder sechs Toten, den wenigen Überlebenden zeitlich und räumlich keine andere Verbindung gibt als mich?

Ich höre noch Danses hämmernde Stimme im Saal des Lütticher Schwurgerichts:

"Als ich vier Jahre alt war, hat mich meine Mutter mit aufs Land genommen, und da sah ich, wie der Bauer auf dem Hof eine Sau schlachtete; zuerst schlug er mit einem Hammer auf sie ein, und dann schlitzte er ihr mit einem Messer die Kehle auf ..."

Den vierjährigen Danse konnte ich nicht kennen, denn damals war ich noch nicht geboren. Und ich war auch nicht dabei, als er vierzig Jahre später in einem französischen Landhäuschen seine Mutter und seine Geliebte auf genau dieselbe Art abstach wie damals der Bauer die Sau.

Und wer vermöchte zu sagen, an welchem Tag der kleine K. mit seinen durchnässten Stiefeln beschloss, sich am Portal der Kirche von Saint-Pholien zu erhängen? Hatte ich ihn denn nicht wenige Stunden vorher, nachdem er sich alles aus dem Leibe gekotzt, bis zur Bewusstlosigkeit betrunken und immer noch sabbernd, auf meinem Rücken in sein Kabuff getragen?

Drei Verbrechen! Das ist schnell gesagt. Aber was war vorher?

Ich erinnere mich, dass ich damals täglich mindestens drei Romane verschlang, aber befriedigt haben sie mich alle nicht. "Und dann?", seufzte ich immer nach der letzten Seite. Warum hörte es plötzlich auf, obgleich die Personen der Handlung noch längst nicht tot waren? Warum beschloss der Autor einfach so, nach eigenem Gutdünken und ohne Grund, dass es von einem gegebenen Augenblick an nur noch eine leere Seite mit dem Namen des Druckers gab?

Heute ist es nicht mehr das Ende, das mich stört, sondern der Anfang. Mit welchem Recht werde ich plötzlich einen fünfunddreißigjährigen Deblauwe zeigen, als ob es ihn bis zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben hätte? Und die andern, die ich auch nur eine gewisse Zeit ihres Lebens gekannt habe?

Und die Verbindung, von der ich eben sprach? ... Eine Szene im Jahre 1915 , an die ich mich erinnere ... Eine andere, zwei Jahre später, als ich meine ersten langen Hosen bekam ... Danse ... Deblauwe ... Dann der Fakir und der kleine K.

Ich ahnte nichts, dabei waren meine Freunde Mörder! Auch einige Jahre später ahnte ich nichts, als ich Kriminalromane zu schreiben begann, das heißt Geschichten von erfundenen Verbrechen, wä

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