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Die Verlängerung Ein Leben in der Cloud von Beck, Theo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.07.2016
  • Verlag: Engelsdorfer Verlag
eBook (ePUB)
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Die Verlängerung

Ein ganzes erfülltes Menschenleben passt in eine absichtsvolle Verlängerung. Wer dieses Buch liest, erlebt die aktuelle Geschichte eines Menschen, in der er, gleich den Hoffmannschen Erzählungen, dreimal auftritt und, wie dort auch, viele andere ihm begegnen. Und das, obwohl er nach medizinischer Definition tot ist. Wie das sein kann? "Die Wirklichkeit ist ein zufälliges Gemisch aus Sichtbarem und Unsichtbarem", sagt Gerhard Roth, weltbekannter Neurologe und Hirnforscher. Vergleichbar mit den spezifischen Mikrobenwolken in und um uns, die sich ohne unser Zutun mit denen der Umgebung austauschen, ist es hier das Bewusstsein des Protagonisten, das den Leser Anteil nehmen lässt, so lange, bis seine Seele zu Licht wird. Hans, der Held dieses Romans, darf nicht aufhören zu sein. Man lässt ihn nicht. Auch wenn ihm im Leben oft das Glück zur Seite stand, ähnelt er letztlich eher dem Hans im Glück, dem in der Verlängerung nur das Füllhorn der Erinnerung bleibt. Es präsentiert dem Leser ein buntes, bewegendes Erlebnis mit den Freuden des Alterns.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 356
    Erscheinungsdatum: 19.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960086086
    Verlag: Engelsdorfer Verlag
    Größe: 707kBytes
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Die Verlängerung

IM BLICK

1. Es war einmal

Ganz langsam, schleichend langsam kriecht Licht in das Bild. Nicht vom Rand zur Mitte oder sich von der Mitte aus verteilend, sondern ganzflächig durchdringt es die Dunkelheit im Schneckentempo.
2. Schulzeit

Den Raum, in dem ich hier liege, sehe ich genau. Alles in Weiß. Der Fußboden ist mit hellbraunem Linoleum bekleidet, nur ein Fenster gibt es und einen kleinen quadratischen Tisch an der Wand, auf dem nichts als die Vase steht. Wie ein Sanitärraum oder etwas Ähnliches, wenn die Blumen nicht wären. Oder wie beim Toilettenwärter. Er könnte auch Teil einer Küche sein. Ja, genau, das sieht aus wie eine Küche.

Und in den anderen Schulen? Ja, ich weiß, auch in der Schule, in der er vorher gewesen ist, in Neugraben, gab es den Rohrstock. Aber Hans erinnerte sich später nur noch an einen einzigen Fall. Eigentlich hat er seine Zeit dort in guter Erinnerung behalten. Besonders die mit Monika.

Viel deutlicher aber bleibt ihm das Bild von Monika im Gedächtnis, seiner ersten Erfahrung mit dem anderen Geschlecht und dem tragischen Ende dieser Freundschaft.

"Da siehst du es. Der Hans hat sich schon im zarten Alter eines Viertklässlers nicht im Griff. Ein Träumer, dessen Dominanz bereits jetzt nicht zu übersehen ist."
3. In der Heide

Zugegeben, die Begrüßung in diesem sorgfältigen Haus ist professionell gewesen, da konnte man nicht meckern. Man hatte mich auf der Trage in die Notaufnahme geschoben und zunächst auf dem Flur abgestellt. Die Mitarbeiter dort hatten viel zu tun, wie immer am Samstag, nachts, wenn die Penner kommen. Aber schon bald kam eine Pflegerin zu mir, um die Ersteinschätzung vorzunehmen. Schließlich musste man zunächst feststellen, ob ich ein dringender oder ein unwichtiger Fall war. Und das war schwierig. Ich war ein Problemfall, da man nicht mit mir reden konnte. Ich hörte zwar die mehrfach wiederholten Fragen, aber leider war ich nicht in der Verfassung, sie zu beantworten. Der junge Mann von der Administration, der normalerweise den Empfang tätigt, fand das auch problematisch. Wichtige Fragen zur Person, wie etwa die nach dem Kostenträger oder Adressen von Kontaktpersonen, blieben unbeantwortet. Aber immerhin konnten die Rettungsassistenten ihm meinen Namen und meine Anschrift mitteilen. Damit musste er nun weitersuchen. Der Pflegerin hatten sie auch keine Hilfestellung geben können. Nur, dass ich nicht mehr ansprechbar gewesen sei, hatten sie ihr gesagt. Als sie der Rettungsleitstelle mein baldiges Eintreffen in der Notaufnahme anmeldeten, konnten sie nur "unklare Bewusstseinslage" angeben. Dabei hatte ich für solchen Fall doch vorher schriftlich das Wichtigste festgehalten. Dass man im Ernstfall die Mappe vom Nachttisch mitnehmen soll zum Beispiel. Und meinen Haustürschlüssel? Den hatten sie wohl vom Pflegedienst, denke ich.

Ach, da kommt wieder der Junge ins Bild. Da war er noch kleiner, gerade sechsjährig, denke ich, wie er in das Haus rennt. Ein kleines, einfaches Haus aus roten Ziegeln mit Spitzdach. Das Maschinengewehr eines Tieffliegers knattert mit kurzen Unterbrechungen, immer lauter knallt es, wirbelt Dreck auf. Da steht der Hans, zitternd vor Angst, in der Haustür. Was ist es damals gewesen, das mit dem Jungen geschah?

Fast das ganze Bein hatte der dem Heizer abgeschossen. Die Lok hatte noch versucht den Zug in das Waldstück zu ziehen. Aber der Tiefflieger war schneller gewesen. Mit ungeheuerlichem Lärm war er über den Kopf des Jungen hinweggedonnert, hatte schon lange vorher sein MG spucken lassen, die Munition erst in die Erde gerammt und dann in der Lok versenkt, war hochgezogen und hatte, um ganz sicher zu sein, nach einem scharfen, kurzen Kreis das Ganze noch einmal gemacht. Aber da war Hans schon ins Haus gelaufen. Zitternd hatte er gesehen, wie der Flieger wieder angerast kam, aufheulend vor

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