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Die verlorene Frau Roman von Gunnis, Emily (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.05.2020
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Die verlorene Frau

1960, Seaview Cottage: Die dreizehnjährige Rebecca und ihre Mutter leiden unter dem gewalttätigen Vater. In einer stürmischen Nacht pocht jemand an die Tür des abgelegenen Cottages. Wenig später sterben beide Eltern, doch die Umstände ihres Todes werden nie aufgeklärt. 2014, Chichester: Eine junge Mutter verschwindet spurlos mit ihrem todkranken Baby. Ihre Schwester Iris, eine Journalistin, soll sie so schnell wie möglich finden. Sie bittet ihre Mutter Rebecca um Hilfe - die ihr nie von der schicksalhaften Nacht vor über fünfzig Jahren erzählt hat. Doch nur mit dieser erschütternden Wahrheit kann es Iris gelingen, das Baby zu retten ... Emily Gunnis arbeitete lange beim Fernsehen, unter anderem als erfolgreiche Drehbuchautorin. "Das Haus der Verlassenen" ist ihr Debutroman. Die Tochter der internationalen Bestsellerautorin Penny Vincenzi lebt mit ihrer Familie im südenglischen Sussex.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 11.05.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641260729
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: The Lost Child
    Größe: 1696 kBytes
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Die verlorene Frau

Kapitel eins

HARVEY

Mittwoch, 19. November 2014, 9 Uhr

Harvey Roberts ging zum Küchenfenster seines Bauernhauses und blickte über den eisbedeckten Hof auf die Hügel von South Downs. Er war erst seit ein paar Stunden auf den Beinen, doch er konnte vor Erschöpfung kaum laufen, nachdem er zwei Tage lang die Hand seiner in den Wehen liegenden Tochter gehalten hatte. Als er endlich zu Hause in seinem Bett gelegen hatte, hatte er vor Sorge um Jessie kaum schlafen können. Er nahm einen Schluck Kaffee und beschloss, Kraft für eine weitere lange Schicht im St. Dunstan's Hospital zu sammeln.

Es waren ungemein anstrengende Tage gewesen. Die Wehen hatten bei seiner Tochter drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin eingesetzt, und da Jessies Freund Adam in Nigeria auf einem Fotoshooting war, war es Harveys Telefon, das an einem Sonntag um zwei Uhr morgens klingelte. Er kleidete sich schnell an und fuhr nach Chichester, wo in den Straßen noch die letzten Samstagabend-Kneipenbesucher auf dem Nachhauseweg waren. Als Jessie ihm die Tür zu der schicken viktorianischen Dreizimmerwohnung öffnete, war sie bereits angezogen.

"Ich glaube, die Wehen haben begonnen, Dad", sagte sie und sah dabei weniger wie eine neununddreißigjährige Feuilletonistin aus denn wie das kleine Mädchen, das er trösten musste, weil es schlecht geträumt hatte. Ihr schulterlanges Haar mit den hellen Strähnchen, normalerweise zu einem glatten Bob geföhnt, war zum Pferdeschwanz zusammengebunden, ihre porzellanzarte Haut war ungeschminkt, und eine Schildpattbrille rahmte ihre Augen.

Sie standen neben den großen Schiebefenstern in Jessies Wohnzimmer und blickten einander erschrocken an. "Ich habe noch nicht aufgehört zu arbeiten", sagte Jessie schließlich. "Das Kinderzimmer ist nicht fertig, und es ist kein Essen im Haus." Ihre Augen füllten sich langsam mit Tränen. "Adam wird erst in einer Woche wieder zurück sein. Ich kann ihn nicht erreichen. Ich schaffe das nicht ohne ihn."

"Alles in Ordnung, Liebling", sagte Harvey. "Ich werde ihn ausfindig machen. Er wird in null Komma nichts hier sein - vielleicht ist es nur falscher Alarm." Instinktiv hatte er die Worte ausgesprochen, die sie hören wollte, auch wenn sie vielleicht nicht der Wahrheit entsprachen. "Ich denke, wir sollten dich ins Krankenhaus bringen, damit du dich untersuchen lassen kannst. Hast du eine Tasche gepackt?"

"Es ist alles schiefgegangen, Dad. Wir haben noch nicht einmal den Geburtspool aufgestellt." Jessie sah zu dem großen Karton im Flur. "Ich habe gerade meine Hebamme angerufen. Sie hat gesagt, weil die Wehen so früh eingesetzt haben, muss ich in die Klinik. Wir hatten alles geplant - wir wollten eine Hausgeburt, wir wollten nicht ins Krankenhaus."

Von dem Moment an schien sie sich in einem Zustand großer Angst zu befinden, aus dem sie sich nicht mehr befreien konnte. Er legte den Arm um ihre Schulter und versprach ihr, dass alles gut werde, sie solle sich einfach aufs Bett setzen und ihm mit dem Finger zeigen, wo sich ihre Sachen befänden, dann würde er alles zusammenpacken.

Doch alles, was er anpackte, war falsch: Er holte Kleider und Strickjacken hervor statt Schlafanzüge und Jogginghosen, griff nach dem iPad statt nach dem Geburtsplan, den Adam und sie in stundenlanger Arbeit erstellt hatten und den Harvey nun nicht finden konnte. Jessie hatte starke Schmerzen und konnte nicht still sitzen. Sie lief unruhig hin und her und antwortete schroff auf seine Fragen, bis sie schließlich alles beisammenhatten, was Jessie benötigte.

"Was ist mit deiner Zahnbürste?"

"Nimm sie", brachte sie gerade noch heraus, bevor sie sich mit einer Hand an der Wand abstützte und laute Schmerzensschreie ausstieß. Schnell lief Harvey ins Badezimmer und griff nach der Zahnbürste. Das Schränkchen stand offen, und sein Blick fiel auf die Schachtel Citalopram, ein Antidepressivum, das Jessie seit dem Tod ihrer S

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