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Die vier Jahreszeiten Mit Anmerkungen versehen von Ernö Zeltner von Márai, Sándor (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.01.2013
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Die vier Jahreszeiten

Sonntage in Paris, der Duft einer Orange oder die Vergeblichkeit des Schreibens: Nirgendwo ist der große ungarische Romancier Sándor Márai wahrhaftiger und unmittelbarer als in seinen tagebuchartigen Miniaturen und den Gedanken über das Glück und die Vergänglichkeit, das Reisen und sein Leben mit den Büchern...

Sándor Márai, 1900 bis 1989, gehörte zu den gefeierten Autoren Europas, bis er 1948 mit seiner Emigration nach Italien und in die USA in Vergessenheit geriet. Mit der Wiederentdeckung des Romans "Die Glut" wurde er 1998 weltweit gelesen und als einer der bedeutendsten Schriftstellers des 20. Jahrhunderts erkannt. Der Niedergang des europäischen Bürgertums zählt zu seinen wichtigsten Motiven.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 15.01.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492960038
    Verlag: Piper
    Originaltitel: A negy evszak, koltmenyek prozaban
    Größe: 1731 kBytes
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Die vier Jahreszeiten

MIT DEM GEHEIMNIS LEBEN

Mit einem Geheimnis leben wie Menschen vergangener Zeiten, die alles erzählten, niederschrieben oder gestanden, nur das eine nicht, das in ihrem Herzen brannte; leben wie einst die Dichter oder die Gardeoffiziere, die sich wegen eines Missverständnisses duellierten, diesen einen Namen aber nicht einmal auf der Folterbank preisgaben – und Folterbänke gibt es viele! –, leben mit einem Siegel auf Herz und Mund, zum Himmel aufschauen, über alles reden, nur über das eine schweigen, bis in den Tod. Schweigen, wie Puschkin es tat. Ein Gedicht, einen Roman darüber schreiben? Ja. Sich der Psychoanalyse anvertrauen? Niemals.

DEM SCHICKSAL ENTGEGEN

Oh, die Schwachköpfe, die nicht ans Schicksal glauben! Sie wissen nicht, dass jeder Vorsatz, jegliche Kabale und Kniffe vergeblich sind, eines Abends im Dämmerlicht wird sich ein Schattenüber die besonnte Szenerie des Lebens legen; was gestern unter deiner Hand noch tadellos und akkurat zusammenstand, kann heute schon zu Schutt zerfallen, was gestern tiefe Empfindung, eine innige Verbundenheit war, ist heute zähflüssiger Brei und Last, was gestern noch voll Schwung daherkam, rafft sich am Morgen danach gerade noch zu müdem Schlurfen auf! Dem Schicksal ins Auge sehen, das dem Rhythmus des Lebens ausgleichend entgegenwirkt. Der furchtbare, verwirrende Augenblick, wenn ganz ohne "Grund", ohne einen "Fehler" die Balance des Lebens kippt, rund um deine Person nichts bleibt als ein rauchender Trümmerhaufen und über dir der graue Himmel und stumme Götter! Wohin strebst du so anmaßend und stolz, du Tor? Verneige dich und antworte ruhig: "Dem Schicksal entgegen, dem Schicksal entgegen."

DOPING

Soll ich mit dir gehen, abends um sieben, die Drei-kleinenFerkel ansehen? Gut, ich komme mit. Und überhaupt, wie du siehst, bin ich schon ganz ergeben.

Doch glaube nur nicht, dass diese Ergebenheit dir gilt. Ich füge mich, weil du mir leid tust. Du tust mir leid, weil auch du – wie die ganze Welt, wie die Zypressen und der Vesuv, wie die Betäubung oder das Aspirin, wie die Sterbenden oder der Regen, wie all das – nur Doping bist für mich, künstliche Droge, mit der ich mich zu meinem ewigen Wettstreit rüste.

SOUVENIR

Durchgefroren kam ich heim in der Nacht und verlangte vor dem Schlafengehen ein heißes Bad. Während sich das dampfende Wasser in die Wanne ergoss, ging mir durch den Kopf, dass immer jenseits der gezähmten Natur auch eine andere noch ihre Zähne zeigt, die echte, die wir schon fast vergessen haben – in diesem frostigen nächtlichen Augenblick schwimmen Walrosse und Wale unter den Eisschollen des Nordmeers, auf den Schneefeldern gehen im Mondschein mächtige Eisbären auf Jagd. All das ist zeitlos, ohne Kalender, ohne Weihnachten, und es gibt keinen Grund und auch keine Anzeichen dafür, dass sich daran etwas ändern wird. Irgendwo ist noch die Unendlichkeit mit wirklicher Kälte, wirklicher Hitze und vielleicht sogar den passenden Menschen dazu. Plötzlich empfand ich Heimweh.

NIZZA

Nach Nizza sollte man im Winter reisen, erst nachdem man Großvater und beruflich etabliert ist. Man muss dann auf der Englischen Promenade sitzen, über den Liberalismus nachsinnen und redlichen Geschäftspartnern Ansichtskarten schreiben. Nizza ist die schönste Winterkulisse bürgerlicher Arriviertheit. Das Meer gibt sich hier sanft; ganz so, wie die Ansichtskarten von Nizza es zeigen. In den Kartenzimmern wird Whist gespielt. Ältere Damen mit Sonnenschirmen aus lilafarbener Seide, ein Aktienpäckchen irgendeiner Southamptoner Werft für Kriegsschiffe im Ridicule, watscheln gemessen unter den ve

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