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Die Wa(h)re Lust Zuhälter, Prostituierte und Freier erzählen von Feige, Marcel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.11.2013
  • Verlag: dotbooks GmbH
eBook (ePUB)
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Die Wa(h)re Lust

"Ich will ein ehrbarer Mensch werden!" "Hetti, es sind die ehrbaren Menschen, die Nacht für Nacht auf dir liegen." Glaubt man offiziellen Schätzungen, nehmen 1,2 Millionen Freier täglich das Angebot von 400 000 Prostituierten in Anspruch. Zusammen setzen sie jährlich rund 6 Milliarden Euro um, so viel wie in so manchem Großkonzern. Dennoch wird dieser "Markt" totgeschwiegen, nach dem Motto: "Ich rede nicht darüber, aber ich mache es - und wissen darf es keiner!" In "Wa(h)re Lust" erzählen Menschen über ihr Leben in und mit der Prostitution: Bordellbetreiber, Nachtclubbesitzer, Prostituierte, und Callboys kommen ebenso zu Wort wie Sozialarbeiter und Streetworker. Erhalten Sie exklusive Einblicke und erfahren Sie jenseits von Schwarzweißmalerei und einseitiger Darstellung durch die Medien, was sich hinter den Kulissen abspielt. Beeindruckende und authentische Zeugnisse aus dem ältesten Gewerbe der Welt. Jetzt als eBook: 'Die Wa(h)re Lust' von Marcel Feige. dotbooks - der eBook-Verlag.

Marcel Feige, geboren 1971, lebt als Schriftsteller in Berlin. Er arbeitete viele Jahre als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften. Seit 1997 ist er als Schriftsteller tätig. Nach mehr als 30 Sachbüchern, darunter die Biografie über die Hamburger Kiez-Ikone Tattoo-Theo, über Sido und Kurt Cobain, schreibt er seit 2005 Krimis und Thriller, unter anderem unter dem Pseudonym Martin Krist. 2003 wurde er mit der "Corine Internationaler Buchpreis" ausgezeichnet. Bei dotbooks erschienen bereits Marcel Feiges eBook "Wa(h)re Lust" und "Lude! Ein Rotlicht-Leben".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 366
    Erscheinungsdatum: 26.11.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955204600
    Verlag: dotbooks GmbH
    Größe: 931kBytes
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Die Wa(h)re Lust

"Der Job hat nichts Göttliches an sich, höchstens etwas Mechanisches."

Bunny, 23 – Stripperin, Berlin

Ich strippe seit anderthalb Jahren, weil ich mir damit mein Studium finanziere. Es mag Leute, vor allem Frauen, geben, die das nicht verstehen können: "Wie kannst du bloß deinen Körper gegen Geld präsentieren?", fragen sie mich und gucken mich an, als wäre ich eine Aussätzige, die Lepra hätte oder Aids, frei nach dem Motto: "Wie hast ausgerechnet du dir das eingefangen?"

Aber so, wie die Leute nicht verstehen können, dass ich diesen Job ausübe, verstehe ich die Frauen nicht, die mir diese Frage stellen. Denn absurderweise sind ausgerechnet diese Frauen es, die im Sommer am Ostseestrand ihren Körper unverhüllt zeigen und sich nicht daran stören, dass die Männer sie und ihren Busen anstarren. Natürlich glotzen die Männer am Strand, darüber brauchen wir nicht diskutieren, zwar nicht so offen und eindeutig wie in einem Striplokal, aber sie tun es. Und wen interessiert's? An jedem Kiosk lachen mir die Titten von den Zeitungscovern entgegen, kein Kinofilm kommt heute ohne nackte Tatsachen aus. Warum also sollte ausgerechnet ich ein Problem damit haben, meine Brüste zu zeigen?

In welcher Zeit leben wir denn? Und überhaupt: Ich verkaufe doch meinen Körper nicht und lasse mich auch nicht ficken wie eine Hure. Das soll jetzt nicht abwertend klingen. Jeder soll für sich entscheiden, wie weit er geht und wie weit nicht. Anschaffen ist etwas, was ich nicht könnte, was ich von Anfang an für mich ausgeschlossen habe. Ich habe eine Freundin, die auch nebenher als Prostituierte arbeitet. Ich lernte sie im Stripclub kennen, wir verstanden uns auf Anhieb und sie gestand mir, dass sie neben der Tanzerei gelegentlich auch in einem Laufhaus arbeite. Sie ist deswegen aber kein schlechter Mensch geworden. Ich gebe allerdings zu: Auch wenn sie sich alle Mühe gibt, es sich nicht anmerken zu lassen, die Sexarbeit strengt sie an, belastet sie, macht sie fertig. Ein Grund mehr für mich, es nicht zu tun.

Ich bleibe dabei, ich zeige nur meine Titten, wenngleich ich nicht verstehen kann, dass Männer Geld in einem Stripclub lassen, obwohl sie für das gleiche Geld bei einer Prostituierten vögeln können. Doch ich glaube, ich muss das nicht verstehen. Männer sind so. Und ich bin froh, dass sie so sind, wie sie sind, denn deshalb habe ich die Chance, schnell und unkompliziert Geld zu verdienen. Ich arbeitete auch schon als Kellnerin. Mag sein, dass man damit an guten Tagen ebenso viel Geld verdienen kann wie mit der Stripperei. Aber das Tanzen macht auf jeden Fall mehr Spaß. Ich tanze für mein Leben gerne. Außerdem ist es weniger erniedrigend. In einem Buch habe ich mal gelesen: "Die Menschen betrachten Kellner als Automaten, als eine Verlängerung der Tische und Stühle, mit der man alles machen kann, vom übermäßig hohen Trinkgeld bis zum verbalen Missbrauch." Der Autor hatte Recht.

Meine Freundin meinte mal zu mir: "Tänzerinnen, besonders die gutaussehenden, werden oft wie Miniaturausgaben unerreichbarer Göttinnen behandelt." Dabei hat der Job nichts Göttliches an sich, höchstens etwas Mechanisches. Im Grunde ist es immer das Gleiche, nur die Männer jenseits der Bühne sind austauschbar. Das ist nicht in jeder Bar so. Ich habe mir sagen lassen, dass in vielen Clubs die Mädels nach spätestens drei Monaten ausgewechselt werden müssen, weil es sonst für die Stammkunden langweilig wird. Von Stammkundschaft lebt die Branche nun mal. Was im Umkehrschluss aber auch bedeutet, die Mädels erleben immer wieder Neues ...

Ich arbeite in einer Bar in Berlin, Ecke Stuttga

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