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Die wahre Geschichte des Max Mustermann Kurzgeschichten

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die wahre Geschichte des Max Mustermann

Alltagshelden, Beziehungskünstler, Traumtänzer und Überflieger verraten in "Die wahre Geschichte des Max Mustermann" nicht nur, wie man Luftschlösser baut, wie man sich endlich seiner heimlichen Liebe nähert oder ganz einfach mit dem Rauchen aufhört; wie man den Kampf gegen eine Socken vertilgende Waschmaschine gewinnt, und warum ein salatgurkengrünes Faschingskostüm auf dem Ball der Jungköche Berechtigung hat. Sie geben auch die lang ersehnte Antwort auf die Fragen: Ist die Schwiegermutter kompostierbar? Und wer ist eigentlich dieser Max Mustermann?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 188
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739264196
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1223kBytes
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Die wahre Geschichte des Max Mustermann

Herbert hebt Geld ab

Klaus Höfle

Herbert sitzt im Bushäuschen und friert. Wirsch blättert er vom Lokal- zum Wirtschaftsteil. Dass er sich freitags, statt mittwochs auf dem Weg zur Bank befindet, ist wirklich nicht seine Schuld. Schließlich wird man nicht alle Tage neunzig. Der Gedanke an die Geburtstagsfeierlichkeiten zaubert kurz Entspannung in sein Gesicht. Aber dass ihn Egon oder Eugen ..., egal, dass ihn sein Jugendfreund, den er alle heilige Zeiten einmal trifft, mit seiner Neugier über sein Jubiläum derart aufhält, dass ihm doch glatt der Bus vor der Nase davon fährt. Das ist Herbert, der inzwischen seit einer geschlagenen halben Stunde auf den Bus wartet, jetzt doch zu viel. Denn wenn er eines nicht ausstehen kann, dann eben dieses, dass seine jahrzehntelang bewährten, strategisch aufbereiteten Zeit- und Ablaufpläne durcheinander geraten. Nicht umsonst geht er jeden zweiten Mittwoch im Monat, genau um neun Uhr fünfzehn, seine Pension abheben. An diesem Tag, exakt zu dieser Zeit, ist die Bankfiliale am wenigsten frequentiert. Das hat Herbert, Oberstleutnant im Ruhestand und Träger des Silbernen Verdienstzeichens der Republik Österreichs, akribisch genau recherchiert. Aber heute ist alle Ordnung, und mit ihr sämtliche Busanschlusszeiten, dahin.

Herbert blättert zum Sportteil und zieht die Stirn in Falten. Hoffentlich muss er beim Nachhauseweg nicht wieder derart lange auf den Bus warten.

Aber wer weiß schon was kommt? Und wer weiß, wie alles gekommen wäre, hätte Herbert an seinem üblichen Mittwoch, anstatt heute am Freitag, seine Pension abgehoben.

Wie auch immer! Herbert betritt also mit exakt zwei Tagen und dreiundvierzig Minuten Verspätung den Vorraum der Bankfiliale und ist perplex. Kaum zu glauben: Neun Uhr achtundfünfzig und die Schalterhalle ist vollkommen leer. Sein Blick fällt auf den ebenfalls unbesetzten Serviceschalter und den dahinter befindlichen Schreibtisch, an welchem Frau Bösch gebannt auf ihren Bildschirm starrt.

Herbert lüftet seine Schirmmütze, was er immer tut, wenn er angestrengt überlegt. Und mit einem zweiten Blick zum Schalter kombiniert er blitzschnell. Was ohne Zweifel seinem Berufsstand und der damit verbundenen Gabe der Improvisation anzurechnen ist.

Schalterhalle leer - Frau Lösch in Arbeit vertieft - Pensionsauszahlung direkt am Kassenschalter erledigen - Zeit gewonnen - Abfahrt mit Anschlussbus in guter Viertelstunde gesichert.

Herbert zieht seine Schirmmütze tief in die Stirn. Na dann los, bevor ihn Frau Rösch doch noch entdeckt. Er kann sie nicht leiden, diese Frau Hösch ... oder Lösch ... oder etwa doch Rösch? Egal, diese ihm unsympathische Serviceangestellte, die ihn allmonatlich abfängt, überfreundlich die Quittung ausstellt und währenddessen in ihrer zuckersüßen Art bemuttert, als sei er ihr pflegebedürftiger Vater in Person.

Gedacht, getan. Herbert nutzt die Gunst des Augenblicks und betritt die Schalterhalle, während sich Frau Hösch noch immer hinter ihrem Bildschirm versteckt.

In Wirklichkeit aber versteckt sich Frau Bösch nicht. Nein, sie nutzt lediglich die Abwesenheit des Filialleiters und kümmert sich in aller Heimlichkeit um ihre Internetkontaktanzeige.

Herbert seinerseits macht sich ihre geistige Abwesenheit zunutze. Dabei ist er sorgfältig darauf bedacht, das Klacken seines Gehstocks auf dem Marmorboden weitgehend zu minimieren. Dieser Spazierstock bereitet ihm viel Freude, war es doch das Geburtstagsgeschenk seines Urenkels. Das Originellste, wie Herbert findet. Und laut Severin, der modernste und raffiniertest ausgearbeitete Spazierstock, den das Internet hergegeben hat. Ein Teleskopgehstock, der dank seines ergonomisch geformten Kunststoffgriffs gut in der Hand liegt und sich zusammenschieben lässt, sodass er in jede Tasche passt.

Am Kassaschalter angelangt, schiebt Herbert den Hightechstock in sich zusammen. Die Gleitstücke rasten mit metallischem

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