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Die Welt fällt in den Wald Familiengeschichten. von Süess-Morat, Isolde (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.05.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die Welt fällt in den Wald

Ein Zauber liegt in den Wäldern und Höhen des Hochschwarzwalds. Vor des Urgroßvaters Wäldern ist sie groß geworden, durchstreifte sie als Kind, erhielt zwischen Tannen den ersten Kuss. Immer wieder kehrt sie, die schon lange im Ausland lebt, zu ihren Wurzeln zurück. Auf vertrauten Wegen wandernd, denkt sie über jene Menschen nach, die vor ihr in der Einsamkeit und Wildheit ihrer Heimat lebten. Sie nimmt die Fäden der Vergangenheit auf und verknüpft sie mit der Gegenwart. Da sind der Urgroßvater Johann, der ein Bauernfürst ist; die Urgroßmutter Karoline, die in Dublin als Hausmädchen dient; die Mühle des Großvaters Alexander, die zum Grundstein eines bedeutenden Unternehmens wird; der Abschiedsbrief des Großvaters Rudolf an seine Buben, als er in den 1.Weltkrieg zieht. Einfühlsam erweckt die Autorin mündlich und schriftlich Überliefertes zum Leben und bewahrt so die Geschichte einer Familie vor dem Vergessen. Auch vom Abschied erzählt uns das Buch: vom Abschied von der Herkunftsfamilie, den Eltern Else und Josef Morat und vom Abschied von einer großartigen Landschaft.

Isolde Süess-Morat, geboren und groß geworden in der Nähe von Titisee-Neustadt, lebt heute mit ihrer Familie im Kanton St. Gallen/ Schweiz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 11.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783738661934
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 926kBytes
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Die Welt fällt in den Wald

Juni 2014

Aus dunklen Wäldern stamme ich, nicht anders als meine Eltern, Grosseltern, Urgrosseltern, Ururgrosseltern. Doch meine Vorfahren waren nicht immer hier.

Das Licht fällt in hellen Streifen in den Wald. Auf seinen Bahnen flimmern Staubkörnchen und verwischen die Konturen der Bäume; Sternenstaub, Kerosinteilchen, Saharasand.

Ich wähle vom Elternhaus aus den Pfad über den Eisenbacher Sportplatz zur Hochebene. Der Weg sei Wasserscheide, hat der Vater dem Kind erklärt. Das Wasser links des Weges fliesse zur Nordsee, das Wasser rechts ins Schwarze Meer. Der Vater verbrachte seine Kindheit und Jugend auf dem Hof im Talgrund. Dort, wo die Bächlein in die Donau fliessen. Ins Schwarze Meer! Ein Ausläufer der grossen weiten Welt reckt sich in die Wälder, berührt die Kinderseele.

Papa war Hirtenbube bei seinem Grossvater, Johann Tritschler, damals der Bauernfürst vom Ebenemoos. Seit dem 15. Jahrhundert ist auf dem Hof das gleiche Geschlecht beheimatet. Zuvor lebte dort ein Jeckly Swytzer. Vieles spricht dafür, dass er aus der Schweiz eingewandert ist. Durch die Verbindung der Klöster St. Gallen, St. Georgen und Friedenweiler gab es im 15. Jahrhundert im Hochschwarzwald Siedler aus der Schweiz. Irgendwann zwischen 1437 und 1529 muss der Familienname Tritschler entstanden sein. Tritscheller nannte man damals in der Nordschweiz einen Schwätzer, einen Wortführer. War es ein solcher Wortführer, der sprachlos geworden sein Glück im Schwarzwald suchte?

1490 Der Tritscheller

Sie hört das leise Pochen sofort. Seit Wochen schläft sie unruhig, denn heimlich wartet sie auf ein Zeichen von Jakob. Als sie ihn das letzte Mal sah, versprach er ihr, sie bald als seine Frau heim zu führen. Sie müsse sich noch ein wenig gedulden, solle noch schweigen gegenüber der Mutter und der Schwester. Bald werde er kommen und alles regeln, was zu regeln sei.

Seither wartet sie, hört ab und zu Ungereimtes, von Händel und Aufständen, Zuwiderhandlungen gegen die Obrigkeit des Abtes von St. Gallen, Plünderungen gar. Es sind Dinge, die sie nichts angehen und die sie nur aufschrecken lassen, wenn sein Name genannt wird, wenn vom Wortführer und Anführer, vom "Tritscheller" die Rede ist. Sie schweigt dazu und bangt, hofft, dass ein anderer der Tritscheller sei, der die rebellierende Gruppe anführt, und dass es andere Geschäfte sein mögen, die ihren Jakob so lange fernhalten.

Doch sie schläft nicht mehr so tief und sorglos wie früher. Sie wundert sich nicht, dass es mitten in der Nacht an die Tür pocht. Als hätte sie darauf gewartet. Sofort richtet sie sich auf, wirft ein Wolltuch über das grobe Nachtgewand, schaut rasch auf die Mutter und die kleine Schwester, die beide tief schlafen. Sie hastet zur Tür, presst das Ohr an die ungehobelten rauen Holzbretter und hört jetzt durch die Ritzen deutlich das Flüstern. Sie schiebt den Pfosten, der die Tür verriegelt, zur Seite, leise und vorsichtig, öffnet die Tür gerade so weit, dass sie durchschlüpfen kann. Mit blossen Füssen steht sie auf morastigem Grund, die kalte Luft trägt Tausende von Sternen und einen nicht ganz vollen Mond, der sein Licht über Bäume und Büsche giesst und sich spiegelt im nahen See. Sie prallt fast mit Jakob zusammen, der sie umfasst und an sich zieht.

"Du? Wo kommst du her?" Sie drückt ihn von sich weg, denn ein wenig ist sie beleidigt, hat er sie doch lange warten lassen. Und überhaupt, weshalb kommt er mitten in der Nacht zu einer Zeit, zu der ein ehrbarer Mensch zu Hause schläft? Und wie er aussieht! Sein rötliches Haar zaust ungekämmt in die Stirn, eine Schramme zieht sich quer über die linke Wange und die Lider hängen schwer über den Augen.

"Was willst du?", fragt sie ihn rau.

"Dorothea, ich muss gehen. Ich will mich von dir verabschieden." Als sie nicht antwortet, fährt er fort: "Du hast wahrscheinlich gehört von unserem Kampf gegen den Abt Ulrich..." Si

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