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Die Wilden - Brüder und Feinde Roman von Louatah, Sabri (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.08.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Die Wilden - Brüder und Feinde

Modern, politisch und knallhart - ein Roman für unsere Zeit
Nach dem Anschlag auf Präsidentschaftskandidat Idder Chaouch steht Frankreich Kopf. Der Kandidat hat knapp überlebt, doch es ist nicht sicher, ob er sein Amt jemals ausüben wird. Währenddessen erklären die Behörden Nazir Nerrouche zum Staatsfeind Nr. 1, wohl wissend, dass er nicht allein hinter dem Attentat stecken kann. Die Familie Nerrouche steht vor einer Zerreißprobe und wird von allen Seiten angefeindet. Bis Nazir, der seinen Häschern stets einen Schritt voraus ist, unvermittelt anbietet, sich zu stellen und die Hintermänner zu benennen. Er hat nur eine einzige Bedingung: ein persönliches Treffen mit Idder Chaouch.

Sabri Louatah, 1983 in Saint-Étienne als Sohn eines Holzfällers und einer Hausfrau geboren, lebt heute mit seiner Frau in den USA. Die Unruhen in der Pariser Banlieu Anfang der 2000er Jahre inspirierten ihn zu seinem Roman-Zyklus "Die Wilden", der in Frankreich von Publikum und Kritik gefeiert wurde. Zurzeit arbeitet Louatah an der TV-Adaption der Serie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 13.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641207700
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Les Sauvages III
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Die Wilden - Brüder und Feinde

Was vorher geschah

Es schneite bereits seit dem Vortag. Der Raureif malte Eisblumen auf die beschlagenen Fensterscheiben. Es war Weihnachten, Heiligabend. Krim rauchte im Innenhof zwischen seinem Wohnblock und demjenigen gegenüber, der gerade erst renoviert worden war. Der Schnee bedeckte schon den gesamten Boden und fiel weiterhin in dicken Flocken vom Himmel. Zwischen den Mülltonnen stand ein aufgeplatztes Sofa. Die Armlehnen waren weiß, doch die Flocken, die in die Wunde des zerrissenen Polsters fielen, schmolzen dort sofort wie heilsame Blütenblätter.

An die verglaste Eingangstür gelehnt, beschützt vom Schirm seiner Kappe, sah Krim zum Himmel hinauf. Schnee war eine Belohnung, Regen eine Strafe. Regen wurde stets von einem grollenden Hämmern angekündigt. Schnee hingegen löste sich mit einem gedämpften und wohlwollenden Zittern aus den Wolken.

Krim zog, ohne es richtig zu merken, ein paar letzte Male an dem großen Joint, den er sich in weiser Voraussicht auf den Abend, der ihn erwartete, aus drei extralangen Papers gebaut hatte. Weihnachten bei den Nerrouches. Heiligabend bei den Kameltreibern. Auf jeden Fall würde irgendetwas dem Abend eine katastrophale Wendung geben. Ihnen würde es sogar gelingen, Weihnachten zu verderben.

Ein Hubschrauber durchschnitt den Himmel; er flog so nah an den Dächern vorbei, dass die Fenster erzitterten. Sein Motor stieß ein Gebrüll wie die Bestie Mensch aus; in seiner Bugwelle bildete sich ein Zickzackmuster auf der Schneeschicht, die Krim vom Windfang des gegenüberliegenden Gebäudes trennte. Und dann war da ein schwarzer Schatten, der sich ihm nicht in gerader Linie näherte. Ein Mensch. Er senkte den Regenschirm.

"Aaaach? Nazir?"

Zehn Sekunden nachdem dieser monströse Apparat knapp über den Dächern aufgetaucht war, hing noch ein Brummen in der perlmuttschimmernden Luft, ein Geräusch wie Pulverdampf.

"In Los Angeles heißen die Dinger Ghetto Birds . Sie kreisen über den gefährlichen Stadtvierteln. Tag und Nacht. Gehen wir nach oben?"

Krim hatte seinen Joint fallen lassen. Als er sich bückte, um ihn auszutreten und die Kippe unter die Fußmatte zu schieben, bemerkte er, dass Nazir keine Spuren auf der schönen weißen Decke des Innenhofs hinterlassen hatte. Die dicken Flocken, die noch immer herniederrieselten, hatten sie wohl schon wieder zugedeckt.

Sein Lächeln war auf Autopilot, Kinn und Mund zeigten identische Fältchen. Mit finsterem Blick musterte er das Wohnzimmer und hinterließ in jedem Eckchen das stumme Gift seines Sarkasmus: auf den Regalen voller albernem Nippes, den schwarz-weißen Familienfotos, Krims Kinderzeichnungen und Lunas Lieblingskuscheltier, das inmitten der wenigen Bücher auf dem Regalbrett thronte.

Bei den Büchern handelte es sich um eine mehrbändige Enzyklopädie mit weinrotem Einband, die allerdings nur bis Band acht vorhanden war, so fanden sich hier die Erklärungen aller Begriffe von A bis Aphyllisch (Band 1), von Aphytikum bis Baronisieren (Band 2), von Barothermograf bis Bulbös (Band 3), von Bulbus bis Chelat (Band 4), von Chelcický bis Contradictio in adjecto (Band 5), von Contra legem bis Denier (Band 6), von Denim bis Elektromyogramm (Band 7) und von Elektron bis Fair Play (Band 8) - aber von keinem Wort mehr.

Nach einer Weile wurde Rabia wegen Nazirs Schweigen unruhig. Schließlich war er es, der Heiligabend hier hatte verbringen wollen. Wahrscheinlich hatte er sich ein großes Familientreffen vorgestellt, spontan und chaotisch, so wie früher. Er hatte ihr heimlich fünf Hunderteuroscheine zugesteckt, damit sie nach Herzenslust einkaufen und ein Festessen wie die Franzosen vorbereiten konnte: Lachs und Gänsestopfleber, Pute mit Kastanienfüllung, Schnecken - und sogar Kaviar.

Während die Kinder mit Rabia die Toasts butterten und dabei ganz aufgeregt über den Preis dieser kleinen schwarzen Eier diskutierten, rauchte Dounia am Fenster der Wohnung ihrer S

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