text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Wunder von Little No Horse Roman von Erdrich, Louise (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.11.2019
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Wunder von Little No Horse

Mehr als ein halbes Jahrhundert hat Vater Damien Modeste sich ganz in den Dienst seines geliebten Stammes der Ojibwe im abgelegenen Reservat Little No Horse gestellt. Nun da sein Leben zu Ende geht, muss er fürchten, dass das große Geheimnis seines Lebens doch noch ans Licht kommen könnte: er ist in Wahrheit eine Frau. In ihrem bislang nichts ins Deutsche übertragenen Meisterwerk erkundet Louise Erdrich das Wesen der Zeit und den Geist einer Frau, die sich gezwungen fühlte, sich selbst zu verleugnen, um ihrem Glauben dienen zu können. Ein Buch mit Herz, großartig erzählt. "Lustig und elegisch, absurd und tragisch." New York Times Louise Erdrich, geboren 1954 als Tochter einer Ojibwe und eines Deutsch-Amerikaners, ist eine der erfolgreichsten amerikanischen Gegenwartsautorinnen. Sie erhielt den National Book Award, den PEN/Saul Bellow Award und den Library of Congress Prize. Louise Erdrich lebt in Minnesota und ist Inhaberin der Buchhandlung Birchbark Books. Im Aufbau Verlag ist zuletzt ihr Roman "Der Gott am Ende der Straße" erschienen, und im Aufbau Taschenbuch sind ihre Romane "Liebeszauber", "Die Rübenkönigin", "Der Club der singenden Metzger", "Der Klang der Trommel", "Solange du lebst", "Das Haus des Windes" und "Ein Lied für die Geister" lieferbar.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 08.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841218346
    Verlag: Aufbau Verlag
    Originaltitel: The Last Report on the Miracles at Little No Horse (AT)
    Größe: 2523 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die Wunder von Little No Horse

Prolog
Der alte Priester
1996

Auf den Schattenseiten der Hügel und Senken des Reservats lag Raureif, doch die Morgenluft war von milden südlichen Winden beinahe warm. Father Damien erlebte seine besten Stunden spätabends oder kurz nach dem Erwachen, wenn er nur einen Becher heißes Wasser zu sich genommen hatte. Er war alt, sehr alt, aber geistig rege, solange er nichts essen musste. In der museumsreifen Soutane saß er in seinem Lieblingssessel und schaute auf den Friedhof hinaus, der sich gleich hinter dem verwilderten Garten seines Altersruhesitzes über einen flachen Hügel erstreckte. Seine Gedanken durchdrangen die klare Luft, das Gewirr der Äste, die über den Grabsteinen wogten, die Wolken, den Himmel, ja sogar die Zeit - straff und flink sprangen sie aus ihm hervor, einer nach dem anderen, bis er sein winziges Frühstück aus Toastbrot und Kaffee einnahm. Danach erschlaffte sein Verstand. Er pflegte dann wieder ein wenig zu dösen, oft bis in seinen Mittagsschlaf hinein.

In letzter Zeit wurde er oft von Schlaftrunkenheit befallen, meist vor dem Abendessen und manchmal, was am peinlichsten war, während er samstags die Nachmittagsmesse las. Wenn er wieder ganz wach war, zog er sich den Abend über an seinen Schreibtisch zurück und verbat sich dort jegliche Störung. Dann verfasste er glühende politische Streitschriften, strenge geistliche Sendschreiben, Beobachtungen über das Leben im Reservat für Geschichtszeitschriften sowie Gedichte. Zudem brachte er lange Texte zu Papier, die er als Berichte bezeichnete und an den Papst verschickte - seit 1912, seit Beginn seiner Amtszeit im Reservat, hatte er jeden einzelnen Heiligen Vater angeschrieben. Bei dieser Arbeit trank Father Damien stets ein paar Schlückchen Wein, und bis es Zeit wurde, sich schlafen zu legen, war er meist "befriedet", wie er es nannte. Diesmal allerdings zeigte der Wein die gegensätzliche Wirkung - er verschärfte seinen Eifer noch, statt ihn zu dämpfen, trieb die Spitze seines billigen Füllfederhalters schneller über das Papier und bündelte seine Gedanken.

An Seine Heiligkeit den Papst

Vatikan, Rom, Italien

Letzter Bericht von den Wundern in Little No Horse

Niedergeschrieben von

Father Damien Modeste

Eure Heiligkeit, ich spreche aus unerhörter Ferne zu Ihnen. Ich habe so viel zu erzählen und so wenig Zeit. Mich hat in der letzten Zeit eine entsetzliche Schwere befallen. Das muss wohl bedeuten, dass nun doch noch die Stunde meines Todes naht; deshalb diese Vertraulichkeit und diese Hast. Ich hoffe, Sie können mir meine Unbeholfenheit vergeben, denn zum Korrigieren bleibt mir keine Zeit!

Meine Handschrift ist zum Verzweifeln zittrig, aber hoffentlich dennoch lesbar.

Ich weiß nicht einmal, ob meine bisherigen Berichte bei Ihnen angekommen sind - die Korrespondenz reicht insgesamt bis zum Beginn dieses Jahrhunderts zurück, doch die neuesten gingen naturgemäß an Sie. In meine Briefe sind Zeugnisse aus verschiedensten Quellen eingeflossen, unter anderem aus Beichten. Einmal habe ich die Identität einer Mörderin geheim gehalten, eine Seelenqual, die mich noch heute peinigt. Aeternus Pater, es muss genug Material in Ihrem Besitz sein, um mehrere Tresorräume voller Aktenschränke zu füllen. Darf ich, da dies der letzte meiner Berichte sein wird, diesmal endlich auf Ihre Antwort hoffen?

Hier unterbrach sich Father Damien und rückte gereizt seinen hölzernen Bürostuhl zurecht. In seinem Kopf pulsierten Lichter. Er warf den Füllfederhalter hin, dass es klapperte, und starrte geistesabwesend auf die säuberlich sortierten Umschläge und Karteikarten, das Briefpapier, die Briefmarken und die Akten in den Fächern seines Sekretärs. Er fand es oft tröstlich, Kleinigkeiten zu ordnen, und jetzt, wo er mit seinen Ausführungen unzufrieden war, begann er Papierstapel zu begradigen und Sch

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen