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Die wundersame Reise einer finnischen Gebetsmühle Roman von Paasilinna, Arto (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.08.2013
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die wundersame Reise einer finnischen Gebetsmühle

Frisch gekündigt und in durchnässtem Anzug steht Lauri Lonkonen auf einem Felsen mitten im Meer. Hilfe kommt von seinem Freund Kalle, der den Verunglückten rettet und ihm auch gleich einen neuen Job verschafft. Lauri soll Kalle bei der Vermarktung seiner neusten Erfindung unterstützen: einer mehrsprachigen Gebetsmühle, ausgestattet mit modernster Elektronik. Die beiden Finnen machen sich auf den Weg, um die großen Märkte im Fernen Osten zu erobern. Eine aberwitzige Verkaufsreise beginnt ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 219
    Erscheinungsdatum: 16.08.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838748061
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Riekas rukousmylly
    Größe: 1560 kBytes
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Die wundersame Reise einer finnischen Gebetsmühle

1

Am Horizont des in Nebel getauchten Inselarchipels konnte man undeutlich eine seltsame Boje ausmachen, die nicht auf der Seekarte verzeichnet war. Über ihr schwebte kreischend ein Schwarm neugieriger Möwen. Für ein Seezeichen war das Gebilde allerdings zu kompakt und zu kurz, wie ein stumpfer Brocken ragte es aus einer Untiefe im Meer empor. Und so entpuppte es sich aus der Nähe betrachtet denn auch als Mensch. Tatsächlich stand dort ein Mann bis zur Taille im windstillen Meer. Ab und zu entrangen sich seiner Kehle dumpfe Hilferufe, die niemand hörte.

Der Mann im Meer war Entwicklungschef in einer Immobilienfirma und hieß Lauri Lonkonen. Er trug einen durchnässten hellgrauen Sommeranzug, eine blaue Seidenkrawatte und in der Brusttasche ein gleichfarbiges Einstecktuch. Er war kräftig gebaut und um die vierzig. Der Mann versuchte, die Möwen, die ihn bedrängten, zu verscheuchen. Von Zeit zu Zeit landete eines der Tiere frech auf seinem Kopf, um sich die Federn zu putzen und anschließend in seinem Haar einen Klacks zu hinterlassen.

Lauri Lonkonen balancierte vorsichtig auf dem Felsen, der unter dem Wasser aufragte. Dessen mit Algen bedeckte Oberfläche war so glatt, dass er keinen Schritt zu machen wagte aus Angst, er könnte ins Meer stürzen. Und Lauri wusste, dass das nichts Gutes zur Folge hätte. Zurzeit, Anfang Juni, blieben die Abende lange hell, aber das Meerwasser war kalt, die Bedingungen schwierig. Wegen des Nebels konnte man weder eine der Inseln noch das Festland sehen. So blieb Lauri nur die Hoffnung, dass das Wetter aufklarte, dennoch schickte er auch ein hilfloses Stoßgebet zum Himmel: Möge das ruhige Wetter anhalten und kein Seegang aufkommen. Die gelegentlich von fern her eintreffende, lautlose Dünung durchnässte seine ohnehin feuchte Kleidung schon jetzt bis zu den Schultern, manchmal sogar bis zum Kinn. Lauri sagte sich, dass nun also das Ende seines Lebens ganz nahe wäre. Es würde ein einsamer Tod durch Ertrinken im offenen Meer sein. Die rabiaten Möwen machten ihm mit ihrer Anwesenheit sein schweres Schicksal auch nicht leichter.

Lauri Lonkonen nahm sich vor, nicht klein beizugeben. Er hatte Familie - eine einigermaßen nette Ehefrau und zwei heranwachsende Söhne, die er in dieser harten Welt noch nicht sich selbst überlassen konnte. Lauri hatte von Beginn an nach besten Kräften für sie gesorgt. Er war ein anständiger Mann, wohnte in Espoo und kümmerte sich mit Freuden um den kleinen Vorgarten seines Reihenhauses und die vielen Hobbys seiner Familie. Lauri war auch kein besonders eifriger Trinker, nein, obwohl er im Laufe seines Berufslebens sogar zeitweise als Journalist gearbeitet hatte. Und soeben hatte sich ihm wieder eine neue Lebensphase eröffnet, denn seine Arbeit als Entwicklungschef in der Immobilienfirma war am Vortag zu Ende gegangen. Genau deshalb stand Lauri Lonkonen mit klatschnassem Ausgehanzug im frühjahrskalten Meer. Eigentlich war es geradezu ein Wunder, dass nicht längst sein Leichnam im Finnischen Meerbusen umhertrieb oder, auch das hätte passieren können, geradewegs auf den Meeresgrund gesunken war, denn Lauri war vor ein paar Stunden von der Leiter eines Swimmingpools auf einem schnellen Ausflugsboot ins Wasser gefallen. Auf der Welt passieren bedauerlich oft Unglücksfälle, große und kleine, das nimmt nie ein Ende.

Lauri hatte an einer Klausurtagung seiner Firma teilgenommen, die im Kasino von Hanko stattgefunden hatte. Die zwanzig Mitarbeiter der Immobilienfirma Wohnwelt waren mit einem Charterbus von Helsinki nach Hanko chauffiert worden, dort hatten sie sich zurückgezogen, um über die weiteren Entwicklungen in der Firma und die daraus resultierenden Herausforderungen zu beraten. Man hatte sachlich diskutiert und sich für die Firma ins Zeug gelegt. Lauri Lonkonen hatte einen gut vorbereiteten Vortrag gehalten und neue Ideen präsentiert, deren Verwirklichung der kleinen Immobilienfirma auf dem umkämpften Wohnungsmarkt zum

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