text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Zeichenkünstlerin von Wien Historischer Roman von Maly, Beate (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.06.2015
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Zeichenkünstlerin von Wien

Wien 1421. Die junge Jüdin Sarah Isserlein soll einen strengen Rabbi heiraten, dabei würde sie viel lieber den ganzen Tag zeichnen und malen. Da sieht der Steinmetz Mathias Rock, der am Bau des Stephansdoms mitarbeitet, eine ihrer Zeichnungen und bittet sie heimlich um Hilfe bei einem Entwurf. Trotz der Gefahr, sowohl Juden als auch Christen gegen sich aufzubringen, kann Sarah nicht widerstehen. Beate Maly, geboren in Wien, ist Autorin zahlreicher Kinderbücher, Sachbücher und historischer Romane. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 08.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843711326
    Verlag: Ullstein
    Größe: 1697 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die Zeichenkünstlerin von Wien

1

Januar 1421

M ÜDE BETRAT D AVID I SSERLEIN , der Geldverleiher, sein Haus und warf geräuschvoll die schwere Eingangstür hinter sich ins Schloss.

"Schalom, Vater!" Die Stimme seiner Tochter Sarah klang ihm aus der Küche entgegen, und ihr hektischer Tonfall verhieß nichts Gutes.

"Schalom", brummte er zurück, nahm seinen schweren Wintermantel ab, schüttelte ihn aus und hängte ihn auf den Haken neben der Tür. Dann schlurfte er über den gefliesten Boden Richtung Küche. Im Türrahmen prallte er entsetzt zurück. Der Küchentisch war mit Gewürzen, Mehl und weiteren Zutaten aller Art bedeckt, auf dem Boden türmten sich schmutzige Putzlumpen und leere Gewürzsäckchen. Seine Tochter hielt ein gerupftes Huhn in der Hand und betrachtete es ratlos.

"Sarah, in weniger als einer Stunde geht die Sonne unter, und der Schabbat beginnt", rief David und hatte alle Mühe, seine Stimme unter Kontrolle zu halten.

"Ich weiß, Vater", erwiderte Sarah schnell. Sie wischte sich mit dem Handrücken eine ihrer kastanienfarbenen Haarsträhnen aus der Stirn und versuchte ungeduldig, sie zurück unter den Stoffkranz zu schieben. Leider löste sich dadurch eine weitere Strähne und fiel ihr in die Stirn. Verärgert blies sie die Haare weg.

David versuchte, die unschickliche Frisur seiner Tochter zu ignorieren. "Kannst du mir erklären, was du den ganzen Nachmittag über gemacht hast?", fragte er. Hinter seiner scheinbar ruhigen Stimme verbarg sich eine riesige Portion Ärger.

"Äh ..." verlegen trat Sarah von einem Fuß auf den anderen. Sie überlegte kurz, sah aber dann, wie der Blick ihres Vaters auf die teure Wachskerze am Küchentisch fiel, und entschied sich für die Wahrheit.

"Ich habe gezeichnet", sagte sie schuldbewusst.

Mit Zorn in den Augen drehte David sich zu ihr: "Sarah, wie oft muss ich dir noch sagen, dass du deine Zeit nicht mit dem Zeichnen vergeuden sollst!"

"Aber du selbst hast mir die teuren Silberstifte und das kostbare handgeschöpfte Papier aus Nürnberg gekauft", antwortete Sarah trotzig. Sie war diese Diskussionen leid. Einerseits bewunderte ihr Vater ihr Talent, Dinge mit dem Silberstift so festzuhalten, wie sie tatsächlich aussahen, andererseits ließ er keine Gelegenheit aus, ihr klarzumachen, wie unschicklich und unpassend es für eine jüdische Frau war, ihre Zeit mit solchen Tätigkeiten zu füllen.

Sarah stemmte beide Hände in die Hüften und biss sich auf die Unterlippe. David erkannte, dass seine Tochter nicht bereit war einzulenken, sondern störrisch versuchen würde, ihren Willen durchzusetzen. Genau dieselbe Haltung hatte Sarahs Mutter immer eingenommen, wenn sie geglaubt hatte, im Recht zu sein. Beim Gedanken an seine verstorbene Frau durchströmte David eine Welle der Trauer. Er drängte sie zurück und wandte sich wieder Sarah zu. Ja, es stimmte. Er hatte Stifte und Papier gekauft, in der Hoffnung, Sarah damit eine dunkle Zeit zu erhellen. Hätte er auch nur ansatzweise geahnt, was er damit anrichtete, hätte er dem venezianischen Kaufmann am Hohen Markt niemals die unerhört hohe Summe dafür bezahlt.

"Sarah, du wirst am Dienstag nach Schawuot Aaron heiraten, und du weißt, dass er als zukünftiger Rabbiner der Gemeinde eine Frau, die weder kochen noch nähen kann, dafür aber ihre Zeit mit dem Zeichnen von Obst, Gemüse und Tieren verbringt, nicht dulden kann."

"Am Dienstag nach Schawuot?", fragte Sarah. Eines der gefüllten und mit Öl bestrichenen Hühner landete unsanft im Tontopf.

"Ja, Rabbi Blümlein und ich haben uns geeinigt."

"Wann habt ihr den Hochzeitstermin festgelegt?", fragte Sarah. Schon vor Jahren hatten David Isserlein und der Rabbiner Simon Blümlein vereinbart, ihre beiden Familien durch eine Ehe zu verbinden, um auf diese Weise die beiden größten und bedeutendsten Geldverleihunternehmen zu vereinen. Aber bis jetzt hatte es keinen konkreten Tag für die Heirat gegeben

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen