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Die Zigarette danach von Laurain, Antoine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.01.2019
  • Verlag: Atlantik Verlag
eBook (ePUB)
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Die Zigarette danach

Wie weit würde ein Raucher gehen, um eine Zigarette genießen zu können? Für Fabrice Valantine, erfolgreicher Headhunter, ist die Antwort klar: weit, sehr weit. Als in seinem Unternehmen ein Rauchverbot in Kraft tritt, lässt er sich von seiner Frau überreden, einen Hypnotiseur aufzusuchen, der ihn von seinem Laster heilen soll. Die Behandlung ist ein voller Erfolg: Fabrice vergeht jede Lust am Rauchen. Doch als Fabrice die versprochene Beförderung nicht erhält, wird er rückfällig. Zu seinem großen Entsetzen bleibt jede Wirkung aus: Die Zigarette schmeckt nicht mehr. Fabrice ist verzweifelt - bis er durch einen Zufall entdeckt, dass die Lust am Rauchen zurückkehrt, wenn er einen Menschen umgebracht hat ... Antoine Laurain arbeitete als Drehbuchautor und Antiquitätenhändler in Paris. Er ist in Frankreich ein gefeierter Bestsellerautor. Mit Liebe mit zwei Unbekannten gelang ihm der internationale Durchbruch. Auch seine Romane Der Hut des Präsidenten , Die Melodie meines Lebens und Das Bild aus meinem Traum wurden weltweite Erfolge.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 07.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455004755
    Verlag: Atlantik Verlag
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Die Zigarette danach

A m Abend der Eröffnung von Voluten und Fluxion , achtzehn Jahre nach dem Vorfall im Centre Pompidou, wanderte ich zum hundertsten oder, noch wahrscheinlicher, zum zweihundertsten Mal zwischen mir vollständig unverständlichen Kunstwerken hindurch, ohne etwas zu sagen. Bei diesem Anlass begegnete ich Damon Bricker, der trotz seines angelsächsischen Pseudonyms, das eher zum Sänger einer Rockband gepasst hätte, ein junger französischer Künstler war. Dieses aufstrebende Wunderkind der zeitgenössischen Kunst war durch seine ärgerliche Angewohnheit bekannt geworden, die Fauna der Gegend abzufackeln: Als Schüler eines verrückten Engländers, der sich auf Formalin spezialisiert hatte und darin ganze, in Scheiben geschnittene Kühe konservierte, verbrannte Bricker, der blonde golden boy , nach Lust und Laune Tiere und benutzte dabei Flammenwerfer wie andere Pinsel. Auf der letzten FIAC , der internationalen Messe für zeitgenössische Kunst in Paris, hatte er mit einem komplett abgefackelten Hühnerstall in Naturgröße, Hühner, Hahn und Fuchs inbegriffen, für Aufsehen gesorgt.

Bei Voluten und Fluxion präsentierte er eine Reihe von ebenfalls verkohlten Stadttauben unter einem Dutzend Glashauben.

"Warum machen Sie das?", fragte ich ihn.

Er warf mir einen irritierten Blick zu - offensichtlich war ihm diese Frage nie in den Sinn gekommen.

"Warum?", murmelte er und musterte mich verächtlich. "Das ist die ganze Frage ..."

Es missfiel mir außerordentlich, die Tauben so zusammengeschrumpft, wie von einer atomaren Schockwelle erfasst, zu sehen.

"Mögen Sie keine Tauben?", hakte ich nach.

Er betrachtete mich weiterhin mit ironischem Interesse, als stellte er sich den naiven Fragen eines Kindes.

"Nichts gegen Tauben", sagte er. "Damien Hirst hat nichts gegen Kühe, auch wenn er aus einer ein Kunstwerk gemacht hat."

Er spielte auf die mit einer Kettensäge vollständig zerlegte Kuh an, die in mehrere Aquarien getaucht im Palazzo Grassi in Venedig ausgestellt war. Meine Frau hatte mich zur Ausstellungseröffnung mitgenommen, und mein Kommentar im Gästebuch hatte zu einem handfesten Ehekrach geführt, an den sich die Wände des ehrbaren Hotels Danieli sicher noch heute erinnern. "Einfach zum Kotzen", hatte ich geschrieben, bevor ich äußerst leserlich meinen Namen darunter gesetzt hatte. Anscheinend war die Geschichte dem großen Verkohler zu Ohren gekommen, denn er ließ es sich nicht nehmen, mich daran zu erinnern.

"Einfach zum Kotzen ...", sagte er mit einem charmanten Lächeln. "Und Sie sind der große Fachmann für zeitgenössische Kunst?"

"Keine Probleme mit dem Tierschutzverband?", konterte ich, um von dem Vorfall in Venedig abzulenken.

"Nicht, dass ich wüsste. Sofern Sie keinen Taubenverein gründen, Monsieur Valantine."

"Warum nicht?"

Wir starrten uns mit gegenseitiger Verachtung schweigend an.

"Ah, Ihr habt Euch bereits miteinander bekanntgemacht!", rief Sidonie hinter mir. "Deine Tauben sind einzigartig", sagte sie zu Bricker. "Nicht wahr, Fabrice?", fuhr sie in Erwartung meiner Zustimmung fort.

"Einzigartig. Ein großer Künstler", antwortete ich, drehte mich weg und ging davon. Als ich einen Saal im Erdgeschoss durchquert hatte, fand ich mich vor der Buchhandlung wieder, die zu dieser späten Uhrzeit geschlossen war. Mein Blick fiel auf einen Buchumschlag im Schaufenster, auf dem das Ladenschild eines Tabakgeschäfts aus dem 18 . Jahrhundert zu sehen war. Ich kam nicht umhin zu denken, dass die vergangenen Jahrhunderte, trotz aller Kriege und Aufstände, unendlich viel zivilisierter gewesen waren als das unsere, in dem man Tauben verbrannte und Kühe zerstückelte, um sie in Museen auszustellen. In meiner Tasche vibrierte das Handy, meine Frau versuchte mich zu erreichen, damit wir mit Freunden zum Essen gehen konnten.

Wir waren zu fünft, der St

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