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Die Zuckerbäckerin von Durst-Benning, Petra (eBook)

  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Die Zuckerbäckerin

Stuttgart 1816: Die verwaisten und ungleichen Schwestern Eleanore und Sonia leben in ärmlichen Verhältnissen. Doch das Glück scheint auf ihrer Seite zu stehen, selbst nach einem Diebstahl, denn Königin Katharina holt die beiden Mädchen aus Mitleid als Küchengehilfinnen an ihren Hof. Von nun an verknüpfen Liebe, Verrat und Intrigen das Schicksal der drei Frauen ... Petra Durst-Benning ist eine internationale Bestsellerautorin. Seit ihrem Debütroman begeistern ihre mutigen Frauenfiguren die Leserinnen und laden sie zu großen Abenteuern ein. Viele ihrer Romane werden verfilmt. Petra Durst-Benning lebt mit ihrem Mann bei Stuttgart.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843704144
    Verlag: Ullstein
    Serie: Die Zarentochter Bd.1
    Größe: 3189 kBytes
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Die Zuckerbäckerin

1

V erstohlen schaute Eleonore sich um. Sie hatte das Gefühl, als sei ihr Herzschlag über das ganze Marktgetümmel hinweg für jedermann zu hören. Sie atmete tief durch, doch nichts auf der Welt hätte es in diesem Augenblick vermocht, die Spannung in ihrer Brust zu lösen.

"Was wir vorhaben, ist der blanke Wahnsinn! Sonia! Ich flehe dich ein letztes Mal an: Laß uns verschwinden! Noch haben wir Zeit!"

Mit angezogenen Knien, den Rücken an die alte Friedhofsmauer gelehnt, kauerte Sonia neben ihr, den Kopf in scheinbarer Erschöpfung auf den Knien abgestützt.

Als keine Antwort kam, rüttelte Eleonore am Arm ihrer Schwester. Wie konnte sie nur hier und jetzt eindösen?

Nach außen hin immer noch den Anschein schläfriger Gleichmütigkeit erweckend, drehte Sonia ihr endlich den Kopf zu. Ein Blick in ihre Augen verriet Eleonore, daß sie hellwach war.

"Halt endlich deinen Mund, du feige Nuß", zischte sie Eleonore zu. "Wenn's nach dir ginge, würden wir heute wieder mit knurrendem Bauch schlafen gehen! Dazu habe ich jedoch keine Lust! Mir ist schon ganz schwindlig vor lauter Hunger." Voller Selbstmitleid blickte Sonia an ihren viel zu weiten Röcken hinab, durch die sich ihre mageren Knie wie zwei spitze Keile bohrten.

Für einen Augenblick war Eleonore versucht, ihren Widerstand aufzugeben. Auch sie hatte Hunger. Beinahe unerträglichen Hunger. Doch den ganzen Tag darüber zu jammern wie Sonia nutzte niemandem etwas. Jeder hatte Hunger. Das ganze Land hungerte. Doch niemand tat dies so laut und heftig wie Sonia. Eleonore seufzte. Vielleicht konnte Sonia das beißende Gefühl in ihrem Körper wirklich schlechter ertragen als andere. Hilflos suchte sie nach ein paar tröstenden Worten, als die Schwester sie erneut anfauchte:

"Außerdem - wo hast du deinen Schneid gelassen? Denk an unsere Mutter! Die hätte nie gekniffen!" Ihre dunkelbraunen Augen funkelten kalt wie zwei Sterne am winterlichen Himmel.

Wer die beiden Schwestern nicht näher kannte, staunte oft darüber, wie ähnlich sie sich äußerlich waren, und murmelte etwas von "aus dem gleichen Holz geschnitzt". Wer sich aber die Mühe machte, genauer hinzuschauen, mußte dieses Urteil zwangsläufig revidieren. Es stimmte, Eleonore und Sonia hatten beide das gleiche kastanienbraune Haar, die gleichen dunkelbraunen Augen. Nur, daß Sonias Haar eine Spur störrischer zu sein schien als Eleonores. Dafür glänzten deren Augen eher wie warmer Milchkaffee, während die Augen ihrer Schwester einen kühlen Schimmer ausstrahlten. Und obwohl beide den gleichen rostroten Mund hatten, wirkten Sonias Lippen fleischiger, fester, ihre gewagte Wölbung auf eine seltsame Art herausfordernder als bei Eleonore.

"Mutter!" gab diese müde zurück. "Die hätte sich nie an eine solche Tollheit gewagt!" Eleonore schüttelte den Kopf. Sie war zwar nur ein Jahr älter als Sonia, doch manchmal hatte sie das Gefühl, als habe die Schwester ihre Mutter nicht wirklich gekannt, sondern immer nur mit den Augen einer Fremden betrachtet. Die große Räuberin Columbina, "die schwäbische Sackgreiferin", wie sie genannt wurde. Selbst die rauhesten Burschen hatten Respekt vor ihr, das stimmte schon! Aber wies drinnen in Columbina aussah, davon hatte Sonia nie etwas gewußt. Sie war von der Mutter immer geschont worden. Wenns darum ging, über die immer schärferen Verordnungen gegen die Vaganten zu lamentieren, dann war es Eleonore, der sie die Ohren vollheulte. Wenn sie im Rausch ihre drei Ehemänner beklagte, die sie durch den Strick oder das Fallbeil verlorenen hatte, dann war es Eleonore, die ihr zuhören mußte. Sonia wurden immer nur aufregende Geschichten von Columbinas früheren Taten erzählt, bei denen sie stets mit fetter Beute und höchstens einem blauen Auge davongekommen war. Oftmals hätte Eleonore ihr dann ins Gesicht schreien mögen: "Sei still, Mutter, hör endlich auf, uns mit deinen Märchen einzulullen!" Doch gesagt hatte sie n

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