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Die zweite Frau von Marlitt, Eugenie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.03.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die zweite Frau

Eugenie Marlitt (5.12.1825 - 22.6.1887) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie gilt als erste Bestsellerautorin der Welt, allerdings hat die Literaturkritik ihr Werk stets zwiespältig beurteilt. Marlitts Roman "Die zweite Frau" wurde 1874 veröffentlicht. Eugenie Marlitt (5.12.1825 - 22.6.1887) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie gilt als erste Bestsellerautorin der Welt, allerdings hat die Literaturkritik ihr Werk stets zwiespältig beurteilt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 363
    Erscheinungsdatum: 22.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783837082876
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 787kBytes
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Die zweite Frau

2.

Von der Residenz her rollte eine Hofequipage; ein Herr saß im Fond, und neben ihm auf dem blauen Seidenpolster lagen die Utensilien zum Krocketspiel. Eben bog der Wagen in die Fahrstraße ein, die am Teiche hinlief, als ein Fußgänger aus dem Dämmerdunkel eines Gehölzes trat. Der Herr im Wagen ließ sofort halten.

"Grüß Gott, Mainau!" rief er herüber. "Na, das nimm mir nicht übel; man hofft mit Schmerzen auf dich, und da kommst du flanieren auf dem größtmöglichen Umwege! ... Die Linde steht längst - hast dem Hause Mainau die stolze Tradition verwirkt, dass deine Hand es war, die den Stamm umspannte, während Friedrich der Einundzwanzigste Erde auf die Wurzeln schaufelte."

"Man wird dereinst einen Trauerflor über mein Bild hängen müssen."

Der Herr im Wagen lachte; er öffnete behände mit einer einladenden Handbewegung den Schlag.

"Plagt dich der Teufel, Rüdiger - im Fond?" wehrte der andere in komischer Entrüstung, "Gott sei Dank, noch weicht mir das Zipperlein aus! ... Fahre weiter im stolzen Bewusstsein deiner Mission - hast das vergessene Krocketspiel holen müssen? Beneidenswerter!"

Der Herr sprang auf den Boden, warf den Schlag zu, und während der Wagen weiterfuhr, schlugen die beiden den Fußpfad ein, der durch Buschwerk nach dem Fischerdörfchen lief ... Sie sahen seltsam nebeneinander aus - der im Wagen gekommene klein, beweglich und sehr wohlbeleibt, und sein Begleiter so hoch von Gestalt, dass sein Haupt häufig dem unteren Baumgeäst ausweichen musste. Der Mann hatte etwas überraschend Blendendes in seiner Erscheinung, in dem ausdrucksvollen Kopf und in allen Gebärden jenes dämonenhaft wirkende Feuer, das eben als sanfte Glut fast elegisch dem Auge entströmt und im nächsten Augenblicke die schlanke, scheinbar weiche Hand zur Faust ballt, um einen verhassten Gegner zu Boden zu schlagen. Der kleine jähzornige Knabe drüben beim Fischerdörfchen glich ihm Zug um Zug, fast bis zur Lächerlichkeit.

"Gehen wir denn!" sagte Herr von Rüdiger. "Zum Diner kommen wir leider heute nie spät genug ... Brr - Kinderbrei und Puddings in allen erdenklichen Auflagen! ... Eine Strafpredigt brauche ich auch nicht zu fürchten, ich bringe ja dich mit... Apropos, du warst für zwei Tage verreist, wie den Leo der Herzogin sagte?"

"Ich war verreist, Verehrtester."

Diese lakonische Bestätigung klang zu ironisch und abfertigend für den kleinen Beweglichen - das "Wohin" blieb ihm hinter den Lippen sitzen ... Sie kamen eben an einer Stelle vorüber, wo das Dickicht auseinander riss und einen Ausblick über den Teich hin gewährte. Man übersah das ganze Dörfchen. Unter den Linden standen weißgedeckte Tafeln; zwischen diesen und einem der Häuser, durch dessen Tür man den fürstlichen Koch in weißer Mütze am Herd beschäftigt sah, liefen Lakaien hin und her - das Diner war in Vorbereitung. Die aufregende Szene, die der kleine Leo veranlasst, war längst vergessen, man spielte; alles was laufen konnte, spielte mit - graziöse Hofdamen und schlanke Kammerjunker, aber auch alle Kavaliere mit steifen Beinen, ja selbst die dicke, asthmatische Oberhofmeisterexzellenz watschelte händeklatschend durch den Kindertumult.

Die Herzogin war so nahe an das seichte Teichufer getreten, dass man meinte, das Wasser spiele an ihre Füße heran. Wie ein Schwanengefieder schwamm ihr weißes Spiegelbild in der klaren Flut. Einige junge Damen hatten ihr einen Kranz von Waldreben und Blumenglocken gebracht; er lag über ihrer Stirn und ließ lange, grüngefiederte Ranken über die schöne Büste und den Nacken hinab hängen.

"Ophelia!" rief Baron Mainau halblaut mit einer pathetischen Gebärde - ein unbeschreiblicher Sarkasmus lag in seiner Stimme.

Sein Begleiter fuhr herum. "Nun bitte ich mir's aber aus - das ist doch wieder einmal die reine Komödie, Mainau!" rief er ganz empört. "Das verfängt wohl bei den Damen, die wie die Lämmer vor dir zittern, bei mir aber nicht." Er steckte die Händ

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