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Dolfi und Marilyn Roman von Saintonge, François (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.09.2014
  • Verlag: carl's books
eBook (ePUB)
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Dolfi und Marilyn

Paris im Jahr 2060. Der geschiedene, alleinerziehende Geschichtsprofessor Tycho Mercier gerät durch einen Tombolagewinn in den Besitz eines Klons. Doch er bekommt nicht irgendeinen Klon vom Supermarkt geliefert: Es ist A.H.6, der sechste existierende, eigentlich verbotene Klon von Adolf Hitler. Dieser ist allerdings ganz anders als der Lieferant seines genetischen Materials: Er ist sanftmütig, bescheiden, unterwürfig und für Tychos Sohn ein willkommener Spielkamerad bei Computerkriegsspielen. Zu diesem merkwürdigen Hausgast gesellt sich bald noch ein Klon von Marilyn Monroe, den Tycho Mercier von seinem Nachbarn erbt. Sie verkörpert den Schwarm seiner Jugendjahre, aber auch sie riecht nach Ärger, denn es handelt sich um eine Raubkopie aus Südostasien ...
Ein herrlich überdrehtes Spiel mit den Auswüchsen unserer modernen Welt und den langen Schatten der Geschichte, das uns zu einem waghalsigen Gedankenspiel verführt und uns augenzwinkernd den Spiegel vorhält.

François Saintonge ist das Pseudonym eines erfahrenen französischen Schriftstellers. Der Urheber selbst bezeichnet sich als Klon eines Autors, der entschlossen ist, im Hintergrund zu bleiben, um zu verhindern, dass seine physische Präsenz sich vor sein Werk und die faktische Wahrnehmung seiner Worte schiebt. Wer glücklich schreiben will, schreibe im Verborgenen!

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 08.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641139711
    Verlag: carl's books
    Originaltitel: Dolfi et Marilyn
    Größe: 702 kBytes
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Dolfi und Marilyn

Ich heiße Mercier. Tycho Mercier. Mein Nachname ist ziemlich gewöhnlich, der Vorname weniger. Als Kind wurde ich damit immer aufgezogen. In der Schule nannten mich alle Psycho. Wenn ich protestierte, nannten sie mich Schizo. Ein Lehrer fand es witzig, wiederholt darauf hinzuweisen, dass ich mit solch einem Vornamen wohl hinter dem Mond leben würde und den Kopf in den Wolken hätte. Der Hintersinn dieser Bemerkung entging meinen Klassenkameraden. Die meisten von ihnen hatten noch nie von Tycho Brahe gehört, dem Astronomen mit der goldenen Nase. So ganz abwegig war die Anspielung meines Lehrers übrigens gar nicht: Ich war als Kind tatsächlich immer ein wenig zerstreut und weltfremd.

Mein Vater begeisterte sich für Astronomie. Er hatte nicht wie ich das Glück gehabt, sein Hobby zum Broterwerb machen zu können. Während seines gesamten Berufslebens war er Schleusenwärter gewesen, und direkt bei der Schleuse wuchs ich auch auf. "Sie ist mir treu geblieben", pflegte er auf seine alten Tage zu scherzen. Ich vernahm in seiner Stimme ein Bedauern, das durch ein kleines Fernrohr gelindert wurde. In klaren Sommernächten richtete er es gen Himmel. Vielleicht hoffte er, indem er mir diesen seltenen Vornamen gab, dass er mich gewissermaßen auf die richtige Umlaufbahn bringen und ich mich zur Astronomie hin orientieren würde. Seine Hoffnungen wurden enttäuscht. Ich war schon von klein auf in Geschichte vernarrt.

Ich folgte meiner Neigung. Nie habe ich versucht, den Gang der Geschichte zu beeinflussen, weiß Gott nicht! "Geschichte machen", das überließ ich den Staatsmännern. Oder den Massen, die, so sehen das ja einige Leute, ihr eigentlicher Motor sind. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mir da noch keine Meinung gebildet. Jedenfalls habe ich mich schon als Kind leidenschaftlich der Geschichte hingegeben. Es hätte ja genügt, sie zu studieren. Am liebsten las ich Bücher, die mit Geschichte zu tun hatten. Davon kann man allerdings seinen Lebensunterhalt kaum bestreiten. Um von der Geschichte leben zu können, gibt es leider keine sechsunddreißig verschiedenen Möglichkeiten, sondern nur drei. Die erste besteht darin, sie zu machen (die Politiker, die behaupten, dies zu tun, arrangieren sich in der Regel mit ihr, um komfortabel leben zu können). Die zweite besteht darin, sie aufzuschreiben. Das habe ich versucht ... Und schließlich kann man sie unterrichten. Mein Studium berechtigte mich dazu. Ich hatte die entsprechenden Examensprüfungen gleich beim ersten Mal mit bestem Ergebnis bestanden, das darf ich wohl sagen, ohne damit anzugeben. Nach meiner Doktorarbeit bekleidete ich den Posten eines Dozenten für Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. Allerdings war ich als Lehrer alles andere als ein Naturtalent. Wenn ich mit meinen Studenten einigermaßen zurechtkam, so deshalb, weil ich, wie ich gerne betonte, die Geschichte am liebsten vor ihnen ausbreitete. Das ist vielleicht nicht die beste, aber auch nicht die schlechteste Motivation, um diesen Beruf auszuüben.

Wenn ich es rückblickend betrachte, haben meine Exfrau Phoebé und ich eigentlich eher durch Zufall geheiratet. Wir hatten uns an der Universität kennengelernt, ich war damals Assistent, und sie studierte noch. Ich war gut fünfzehn Jahre älter als sie. Nach unserer Hochzeit kehrte Phoebé der Uni schon bald den Rücken. Bruno wurde geboren, und Phoebé hegte nicht dieselbe Leidenschaft für die Muse Clio wie ich. Sie fühlte sich eher von der Muse Terpsichore angezogen und liebte es, sich zu bewegen und zu tanzen ... Sportlich, wie sie war, hatte sie ein Fitnessstudio eröffnet. Sie blühte auf, wenn sie ein Grüppchen Frauen mit Body, Turnschuhen und Stirnband herumscheuchen durfte, die den

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