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Dornen am Weg von Ernst, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.06.2016
  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Dornen am Weg

Die leidenschaftliche Florina Almander hat es nicht leicht mit ihrem trunk- und spielsüchtigen Vater. Hart muss sie arbeiten, um auf dem Hof die Arbeit der verstorbenen Mutter und des verbitterten Witwers zu schaffen. Da tritt eines Tages Heinz Stanzer in ihr Leben, und sie schöpft neue Hoffnung. Doch ist der windige junge Mann wirklich der Richtige für sie? Hans Ernst wurde 1904 in München geboren. Seine Mutter starb früh, und als sein Vater in den Ersten Weltkrieg ziehen musste, wurde er zu einer Bauernfamilie gegeben - eine Zeit, die prägend für ihn werden sollte. Zurück in München, begann er auf Wunsch des Vaters eine Schreinerlehre, hielt diese aber nicht durch. Seine Liebe zum Bauernleben, die in der Zeit bei der Pflegefamilie erwacht war, wurde übermächtig. Er trat auf einem Gut eine Stelle als Rossknecht an, war dann bei mehreren Bauern im Dienst. Entscheidend für sein späteres Leben war dann sein Entschluss, sich einer Bauernbühne anzuschließen - einer jener fahrenden Theatertruppen, wie es in der Zeit zwischen den Weltkriegen noch etliche gab. Über das Theaterspielen fand er schließlich zum Schreiben, seiner eigentlichen Berufung. 1932 erschien sein erster Roman, 'Jakob Voggtreuter'. Rasch folgten weitere Werke dieser Art: Alle spielen sie auf dem Land, oft in den Bergen, immer sind die Hauptfiguren bäuerliche Menschen. Ihr Leben wird anschaulich und liebevoll geschildert, aus jedem Wort kann man ablesen, dass Hans Ernst die Welt, über die er erzählt, kennt. Bald waren diese Heimatromane so erfolgreich, dass Hans Ernst vom Schreiben leben konnte. Er verfasste insgesamt 112 Bücher, die bis heute einen großen, begeisterten Leserkreis finden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 243
    Erscheinungsdatum: 06.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475544811
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 2175 kBytes
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Dornen am Weg

Heiß brannte die Sonne auf den Roggenacker nieder, und manchmal schrie ein Stein unter der Sense auf. Dann schrak Dominik Almander jedesmal zusammen, als verursache ihm der schrille Klang einen körperlichen Schmerz. Sein Körper war straff und sehnig gebaut. Das blonde Haar zeigte bei ihm noch keine Lichte und keine graue Strähne. Struppig wuchs es in die Stirn herein und hob sich wie eine helle Flamme von seinem dunkelgebräunten Gesicht ab, in dem der Mund schmal und streng, die Nase ein kleines bißchen gebogen war.

Das Korn stand dünn, mit schmalen Ähren. Auf der steinigen Lehne gedieh es nicht üppiger. Auch die Mohnblumen darin waren dürftig und von einer ganz hellen Farbe. Schwermütig stand der Bergwald über dem Acker. Um diese dritte Nachmittagstunde warfen die Fichten schon ihren Schatten über das halbe Feld hin.

Hinter dem Mäher raffte die achtzehnjährige Florina die Halme auf. Für ihr Alter war sie ziemlich groß gewachsen. Das schwarze Haar schimmerte bläulich in der Sonne. Sie trug es offen, und nur wegen des Bückens bei der Arbeit hatte sie es hinten mit einem Bindfaden zusammengebunden. Ihre Augen dagegen waren hell wie ein Septemberhimmel und leuchteten unter langen Wimpern manchmal traurig oder in einem wilden Feuer, wie es sich gerade gab. Als heranwachsendes Mädchen hatte man sie die "wilde Henn" genannt, die sich mit den Buben raufte und zu jedem Streich zu haben war. Sie war mit Abstand die schlechteste Schülerin, machte nie eine Hausaufgabe und ergab sich nur unwillig dem Schicksal, das mit der Schule über sie gekommen war. Der alte Lehrer Holling in der kleinen Schule zu St. Ambros wußte nie, ob sie die Grunddinge überhaupt begriff, die zu lehren er sich Mühe gab. Sie gab auf Fragen so ungefähr die richtigen Antworten und dachte während des Rechnens an die Schmetterlinge, die vor dem Schulhausfenster flatterten, oder an die herbstlichen Kartoffelfeuer, und wenn sie dann mittendrin aufgerufen wurde, stand sie jedesmal gleich von selbst auf, ging zum Pult vor und streckte ihre Hände unbewegt hin, einmal die linke, dann die rechte, um hernach doch wieder eine verkehrte Antwort zu geben. Dabei lächelte sie stets, als täte ihr der alte Mann leid, der solche Mühe mit ihr hatte und sie manchmal sogar wieder zurückschickte, ohne ihr das übliche Maß von Schlägen mit dem Rohrstock über die dargereichten Hände gezogen zu haben.

Das war Florina Almander, die einzige Tochter des Kleinbauern Dominik Almander und seiner Ehefrau Claudia, geborene Röttler.

Später dann, als sie fünfzehnjährig aus der Schule kam, weil sie ein Jahr hatte nachsitzen müssen, kam insofern in ihr Leben eine Wende, als sie sich ganz bedenkenlos in den jungen Kaplan verliebte, der zur Stütze des alten Pfarrers nach St. Ambros gekommen war. Diese Liebe war für sie etwas Wunderbares. Da nichts, aber auch gar nichts von ihrem innigen Begehren beantwortet wurde, erlebte Florina an sich das herrliche Unglück ihrer ersten Liebe. Sie wurde merkwürdig still, in sich gekehrt und fromm, geriet in dem Wirrwarr ihrer Gefühle so durcheinander, daß sie nicht mehr zu unterscheiden vermochte, ob sie in diesem engelhaft schönen, jungen Priester den Mann, oder den Stellvertreter Gottes auf Erden liebte. Als er dann nach seiner Aushilfszeit wieder von St. Ambros fortging, erteilte er auch ihr den Segen. Florina senkte dabei ganz tief und demütig den Nacken und sagte laut und vernehmbar: "Vielen herzlichen Dank."

Hernach wollte sie ins Kloster gehen und Nonne werden.

Aber der Bauernalltag griff schnell wieder mit seinen derben Händen nach ihr und zog sie aus ihren Wunschbildern heraus in die Wirklichkeit. "Ich werde nie mehr in meinem Leben einen Mann lieben können", sagte sie sich und nahm den Kaplan noch eine ganze Weile mit hinein in ihre glühenden Wunschträume.

Ja, so war Florina Almander. Heftig in ihren Gefühlen und hernach wieder ganz traumversponnen, mit einer Stimme, die so dunkel war wi

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