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Dornenjahre Dritter Teil der Jahrhundert-Saga von Bast, Eva-Maria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.07.2016
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Dornenjahre

Eine Generation, die nie zur Ruhe kommt: Sophie, Johanna und Luise kämpfen während der Zeit des Nationalsozialismus für unterschiedliche Ziele. Sophie, die bei ihrem Mann in Frankreich lebt, wird zur Widerstandskämpferin. Luise, die gerade das elterliche Gut in Ostpreußen wiederaufgebaut hat, muss erneut alles zurücklassen und vor dem Feind fliehen. Und Johanna profitiert als Firmenchefin von den Nazis, doch ihre Tochter liebt einen Juden und gerät in Gefahr. Um sie zu retten, trifft Johanna eine folgenschwere Entscheidung.

Eva-Maria Bast, Jahrgang 1978, ist Journalistin, Autorin und Leiterin des "Bast Medien Service". 2012 begann sie sich auch der Belletristik zu widmen. Nach zwei Krimis, die beim Gmeiner-Verlag erschienen sind, legt sie nun den dritten Teil ihrer "Mondjahre-Jahrhundertsaga" vor. Seit 2015 ist Eva-Maria Bast Gastdozentin an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Für ihre Arbeiten erhielt sie mehrere Auszeichnungen, u.a. mit dem Südkurier den Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (Kategorie Geschichte) für die Geheimnisse der Heimat. Eva-Maria Bast lebt mit ihrer Familie am Bodensee.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 376
    Erscheinungsdatum: 06.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839252048
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Serie: Gmeiner Spannung Bd.3
    Größe: 2598kBytes
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Dornenjahre

3. Kapitel

Paris, Frankreich, Anfang November 1938

Sophie lächelte still in sich hinein, als sie auf der Champs Élysées in Richtung Arc de Triomphe eilte. Seit 13 Jahren lebte sie nun schon mit ihrem Pierre in Frankreich. Und sie dachte, dass ihr dieses Land inzwischen viel mehr Heimat geworden war als ihr ursprüngliches Zuhause, Deutschland, es je gewesen war - wenn das Leben in der Pariser Gesellschaft auch manchmal alles andere als einfach war. Das dachte sie nicht zum ersten Mal, sondern dieser Gedanke war allgegenwärtig, seit fünf Jahren, seit die Nationalsozialisten in jener kalten Januarnacht 1933 die Macht ergriffen hatten und wenige Wochen später der Reichstag brannte. Und sie dachte es jedes Mal aufs Neue, wenn sie wieder jemanden traf, der aus der Heimat geflohen war. Immer mehr Menschen aus Deutschland kamen an, immer größer wurde der Kreis. Juden, Intellektuelle, Künstler, Schriftsteller.

Anfangs war es besonders schwer für sie gewesen, hier in Frankreich. Pierres Familie war ihr mit offener Feindseligkeit begegnet und hatte dafür gesorgt, dass man sie aus den Kreisen, zu denen sie durch ihre Heirat nun mal gehörte, ausschloss. Nicht offiziell, versteht sich. Nach außen hin war man Sophie mit ausgesuchter, aber eiskalter Höflichkeit begegnet. Aber sie hatte die hämischen Blicke und das Getuschel sehr wohl bemerkt und auch, dass man sie zu wichtigen Ereignissen einzuladen vergaß. Pierre hatte immer versucht, sie aufzuheitern. Ihr weismachen wollen, dass es gewiss keine Absicht gewesen sei. Beide wussten, dass es leere Worte waren. Um seiner und ihrer Ohnmacht etwas entgegenzusetzen, hatte er ihr schließlich empfohlen, selbst eine Gesellschaft zu geben.

Sie hatte die Idee begeistert aufgegriffen, es war ihr Rettungsanker gewesen, sie hatte sich enorm angestrengt, Wochen mit der Planung verbracht. Dann war der große Tag angebrochen - und mit ihm eine Absage nach der anderen ins Haus geflattert. Die Gründe waren allesamt fadenscheinig, manchmal waren gar keine genannt worden. Es war eine offene Provokation.

Sophie hatte stundenlang in Pierres Armen geweint, dann kam der Trotz. Sie werde diesen arroganten Personen nicht länger hinterherlaufen, hatte sie erklärt und Pierre mit blitzenden, zornigen Augen angesehen. Er hatte gelächelt, denn das war Sophie, seine Sophie. Dieses zarte, zähe Wesen, diese liebliche, widerspenstige Frau. Sophie war ins Schreiben geflohen, wie sie das früher schon getan hatte. Damals wie heute trug sie immer ein kleines silbernes Notizbüchlein um den Hals, in dem sich in den Zeiten, als sie von Pierre getrennt war, auch dessen Foto befunden hatte. Ihrem Notizbuch vertraute sie alles an. Das Glück, trotz aller Ablehnung eine neue Heimat gefunden, und den Schmerz, die alte verloren zu haben.

Es tat noch immer weh, so weit entfernt von ihren Lieben zu sein - und sie sorgte sich auch um sie, denn das, was dieser Tage in Deutschland passierte, gefiel ihr ganz und gar nicht.

Auch darüber schrieb sie, und lang schon war ihr das Schreiben viel mehr als nur eine Flucht geworden. Die Welten, die sie auf dem Papier erschaffen konnte, zogen sie mehr und mehr in ihren Bann. Bessere Welten. Friedlichere Welten. Aber auch Welten voller Gegensätze. Auf dem Papier, fand sie, erklärte sich vieles, das im Leben eigentlich nicht erklärbar war, wie von selbst.

Sophie schrieb Gedichte, Erzählungen, schließlich sogar einen Roman. Als 1933 die ersten Flüchtlinge aus ihrer alten Heimat in Frankreich angekommen waren und sich die deutschenfeindliche Stimmung noch verstärkt hatte - man wahrte Sophie gegenüber inzwischen nicht einmal mehr den Schein der Höflichkeit, ließ sie die Verachtung offen spüren -, hatte sie auch diesen Schmerz ihrem Tagebuch anvertraut. Die nationalistische Presse schürte den Hass gegen die Deutschen nun ganz offen, und Pierre, ebenfalls Journalist, wurde nahegelegt, zu kündigen, da m

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