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Drei Häuser von Althof, Paul (eBook)

  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Drei Häuser

Fiorenza Bálint, das begabte Kind einer urmusikalischen, aber armen ungarischen Zigeunerfamilie, wird von Baron Amadé gefördert. In Wien wird sie zur Opernsängerin ausgebildet und steht bald am Beginn einer glänzenden Karriere. Der junge Adelige Falco Casalanza wirbt um sie, will sie heiraten, macht aber zur Bedingung, dass sie ihrer Laufbahn als Sängerin entsagt. Und das ist nicht die einzige Enttäuschung, die sie erleben muss. Falco liebte und liebt immer noch die Postwirtin Rosanna, die bald die Macht, die sie über Falco besitzt, zu gebrauchen weiß. Zur Autorin: Die österr. Schriftstellerin u. Journalistin Alice Gurschner (1869-1944) wandte sich nach dem Studium der bildenden Künste in Italien und Paris dem Journalismus zu und schrieb unter dem Pseudonym Paul Althof für verschiedene in- und ausländische Zeitungen (u.a. 'Wiener Tageblatt', 'Wiener Fremdenblatt', 'Neue Freie Presse', 'Wiener Journal', 'Deutsche Zeitung', 'Berliner Börsenkurier'). Daneben veröffentlichte sie Romane, Novellen und dramatische Gedichte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 256
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711446256
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1308 kBytes
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Drei Häuser

I.

Zu Franz Schuberts Zeiten grünte und blühte neben dem alten Wirtshaus ein Wiesenabhang. Gegenüber klapperte eine Mühle und auf den Ulmen versammelten sich jeden Abend die Krähen, sie krächzten und saßen dort ungestört, bis endlich Taglöhner mit Hacke und Spaten kamen, um auf der Wiesenlehne den Grund für ein Haus zu graben.

Der Fuhrwerkbesitzer Mathias Knöll ließ es für seine Frau Maria, die schöne Bauerntochter aus dem Etschtal, errichten, weil sie sich in der engen Wienerstadt, nach ihren heimatlichen Gebirgsmatten und Lärchenwäldern sehnte.

Hier heraußen "in der Brühl", wo ein Bächlein durch die Felsenklause rauschte, wo die Hügel mit dunklem Nadelwald bewachsen waren, konnte sich die Frau so halbwegs einbilden, in ihrer Tiroler Heimat zu sein.

Besonders eilig war es dem Mathias Knöll mit dem Bauen zwar nicht, weil das Lohnfuhrwerk gerade während der Schrecken der Revolution von 1848 in Wien viel Nutzen abwarf. Da gab es Fuhren bis St. Pölten, ja sogar bis nach Linz oder Graz, wenn der hohe Adel zuweilen inkognito reiste. Auch flohen viele Wiener Bürger vor der Cholera, die sich allmählich in den niedriger gelegenen Stadtteilen an der Donau ausbreitete.

Maria fürchtete sich ihrer drei Kinder wegen, vor der Seuche, und als das Landhaus im Sommer noch immer nicht ganz vollendet war, beschwor sie ihren Mann, sie mit den Kleinen nach Bozen fahren zu lassen, wo sie bei ihren Eltern eine bessere Zeit abwarten wollte. Das war aber nicht nach seinem Sinn und als sie ihm wieder einmal damit in den Ohren lag, sagte er: "Gut. Fahre weg. Aber du brauchst nicht zurückzukommen." Da gab sie diese Hoffnung auf.

Mathias Knöll war ein richtiger Mann: stark und gesund. Und so war ihm auch Maria erschienen, als er sie im Stall und Weingarten ihrer Eltern bei der Arbeit gesehen hatte. Aber reißet einen einfachen Menschen aus dem Heimatboden, den er bearbeitet hat und dessen Früchte ihn genährt haben, versucht es, ihn in einer fremden, fernen Gegend einzupflanzen, wo eine bleichere Sonne scheint und seht zu, ob er nicht langsam verkümmert an Körper, Seele und Geist.

Ja, Mathias Knöll war ein richtiger Mann, ganz ahnungslos, ob Maria litt, und doch gutmütig gegen Mensch und Tier, zwar nicht aus Mitleid, sondern aus Gerechtigkeit. Wenn ihm eine Fuhre gut bezahlt worden war, mochten auch seine müden Rösser eine Extraportion guten Hafer fressen. Und da Maria ihm drei Kinder geboren und auch sonst alle häuslichen Pflichten zur Zufriedenheit erfüllt hatte, mochte sie ein Landhaus bei Mödling haben und dort in ihrem Garten Blumen und Gemüse ziehen. Einen Stall und Wagenschuppen an der seitlichen Gartenmauer hatte er für sein Geschäft schon vorgesehen.

Äußerlich ließ sich Mathias nicht anmerken, daß er von nun an den Bau vorwärts trieb, aber Ende August sagte er plötzlich: "Kannst du dich fertig machen, Mariedl? Morgen früh führ ich dich mit den Kindern und dem ganzen Graffel in die Brühl."

"Jesus Maria! So schnell?" rief sie aus. Er hatte sie um die Vorfreude gebracht. Sie verpackte eiligst Bettzeug, Kochgeschirr und anderen Hausrat. Um Mitternacht war sie damit fertig und um fünf Uhr morgens stand der Leiterwagen vor dem Tore. Die zwei starken Eisenschimmel scharrten und stampften, daß es in der Gasse widerhallte. Mathias Knöll und Nazl, sein junger Fuhrknecht, trugen die Kisten aus dem Hause und hoben sie umständlich auf den Wagen. Zuletzt brachten sie die Betten. Maria ging hinterher. Ihre Stirne war wie von einer quälenden Sorge zusammengezogen. "Ich wär' eigentlich noch gern mit der Mena zum Doktor gegangen", sagte sie, auf ihr Töchterlein zeigend.

"Komm nur!" beruhigte sie der Mann. "Draußen, in der guten Luft, wird sie schon wieder rote Wangerln kriegen." Die Wagenplache wurde befestigt. Mit einem Zungenschlag ermunterte Mathias seine Pferde, die wacker anzogen. Neben ihm hockte der Knecht Nazl. Maria saß am anderen Ende des Wagens und hielt den acht Mo

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