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Drei Klausuren und ein Todesfall Roman von Marten, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.01.2014
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Drei Klausuren und ein Todesfall

Schwamm drüber! Das beschauliche Lehrerdasein von Philipp Willms gerät ins Wanken, als seine Beförderung scheitert. Ausgerechnet sein Intimfeind bekommt die Stelle - und darf nun auch die bildhübsche Referendarin Miriam ausbilden, auf die doch Willms ein Auge geworfen hat. Plötzlich erwachen in Willms verletzter Beamtenseele lang vergessene Jagdinstinkte: Rivale! Frau! Beute! Und so entwickelt er einen perfiden Plan, um den Kollegen in die Pfanne zu hauen und doch noch ans Ziel zu gelangen. Doch was als kleine Intrige beginnt, verselbstständigt sich auf ungeahnte Weise. Denn in diesem Kollegium kann kein Lehrer dem anderen über den Weg trauen - und erst recht nicht seinen Schülern. Nie wurde scharfzüngiger über das Abenteuer Schule geschrieben. 'Eine bitterböse Satire.' Berliner Morgenpost 'Locker und witzig geschrieben.' Ruhr Nachrichten Michael Marten, geboren im Ruhrgebiet, lebt und arbeitet seit 1995 in Berlin und weiß, wovon er schreibt, denn natürlich ist er Lehrer.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 205
    Erscheinungsdatum: 16.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841207821
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Größe: 1323 kBytes
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Drei Klausuren und ein Todesfall

1. TEIL
1. Kapitel
Philipp Willms trat in die dunkle Küche und ging zum Fenster.
Es hatte den Morgen über ein, zwei Stunden heftig geschneit und schon am frühen Nachmittag hatte die Straßenreinigung ihr Werk getan. Links und rechts der nunmehr freigeräumten Fahrbahn erhoben sich weiße, gleichmäßig geformte Hügel, als hätte ein ordnungsliebender Riesenmaulwurf hier seine Bahnen gezogen. Zwei Jugendliche mit riesigen Fellmützen zogen grölend, stolpernd und bisweilen stürzend, aber bester Stimmung, unter seinem Fenster vorbei. Im Mietshaus gegenüber war nur ein Fenster erleuchtet. Ein Paar, er mit Kochschürze, sie im Bademantel, stand in der Küche, erledigte gemeinsam den Abwasch, küsste sich, trocknete Geschirr, küsste sich wieder, löschte das Licht.
Philipp ließ den Rotwein im Glas kreisen. Er funkelte im schwachen Licht der Straßenlaterne.
Saint-Émilion Grand Cru 2005.
Philipp wog die Flasche in der Hand. Man konnte über ihn sagen, was man wollte, dem Alkohol gegenüber hatte er sich stets als tolerant erwiesen. In welcher Form dieser ihm auch begegnete, Philipp trat ihm offen und aufnahmebereit gegenüber. Selbst in der kurzen, aber dennoch äußerst intensiven Phase, in der er zum Bier konvertiert war, hatte er niemals einen Wein wegen dessen Aroma, Rebsorte oder Anbaugebiet diskriminiert, beleidigt oder benachteiligt.
Oder missachtet.
Oder etwa nicht getrunken.
Ganz im Gegenteil - er hatte sie allesamt vorurteilsfrei in sich hineingeschüttet.
Später war er dann, erschöpft und müde der Vielfalt, reumütig zum Rotwein zurückgekehrt, und dabei war es geblieben. (Abgesehen von den doch recht seltenen Situationen, in denen lediglich Bier zur Verfügung stand.)
Er ging ins Wohnzimmer und fiel fast in den Sessel. Wie immer nach Weihnachtsfeiertagen und Jahreswechsel war er vollkommen erschöpft. Die stundenlange Zugfahrt zu den Eltern, nicht enden wollende Mahlzeiten, viel Verwandtschaft, viel Alkohol.
Wie immer hatte ihm sein Bruder Thomas, mit fünfundfünfzig exakt neun Jahre älter als er, vom Familienleben mit seiner Ehefrau Marianne und ihren drei Töchtern vorgeschwärmt. Wie immer hatte Philipp gesagt, er sei eigentlich zu jung und fühle sich noch nicht reif für langfristige Bindungen.
Bereits am zweiten Weihnachtstag hatte er sich davongemacht und sich am nächsten Tag mit Maria getroffen, die er im November bei einer Ausstellungseröffnung kennengelernt hatte. Ein Bild hatte es beiden angetan, sie fanden sich zum gleichen Zeitpunkt davor und gerieten ins Gespräch über Perspektive und Farbgestaltung. Danach trafen sie sich an mehreren Wochenenden, da Maria in einer gut einhundertundfünfzig Kilometer entfernten Kleinstadt wohnte. Sie war einunddreißig, Krankengymnastin und kerngesund. Maria, beziehungsweise ihre Eltern, besaßen eine Hütte auf dem Land, und Maria tat es nun einmal liebend gern an der frischen Luft. Sie hatte vorgeschlagen, die Tage zwischen Weihnachten und Silvester dort zu verbringen. Die Hütte hatte sich als ein besserer Holzverschlag entpuppt. Am ersten Tag waren sie Hand in Hand vom Morgen bis zum Abend durch eine eisige Mondlandschaft gestolpert.
"Atme gut durch, Liebster", riet sie besorgt, als sie nach ihm die unbeheizte Hütte betrat, kichernd ihren grauen Mantel aufknöpfte und sich ihrer wollenen Unterwäsche entledigte. Es war der 27. Dezember, ein eisiger Wind fegte durch die Bretterritzen. Draußen hingen Eiszapfen vom Vordach. Nach zwei durchzitterten Tagen und Nächten gab er auf. Er ließ seine Sachen einfach zurück, lief blindlings drauflos und geriet prompt in ein Schneeges

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