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Drei Mütter Roman von Neven DuMont, Alfred (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2013
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Drei Mütter

Alfred Neven DuMont hat einen großen Entwicklungsroman geschrieben, in dem der Protagonist durch die Schule der Liebe geht: 'Aber kann man jemandem vorwerfen, im Übermaß zu lieben?' Alwyn ist vom Glück begünstigt, er erfährt von Geburt an hingebungsvolle Liebe, zuerst von seiner Mutter, später von seiner Schwester und seiner Stiefmutter. Ausgestattet mit der Liebe der Frauen, kann Alwyn sich zu einem begabten jungen Mann entwickeln und hinausgehen in die Welt: nach Italien, dann nach Afrika zu seinem Großvater, um zurück in der Heimat schließlich Eva zu heiraten, seine Kindheitsliebe. Den Eindrücken und Impulsen um ihn herum hält er manchmal nicht stand, aber er wird den Spagat zwischen Außen- und Innenwelt zu meistern lernen und seinen Platz finden in einem oftmals verwirrenden Leben. Alfred Neven DuMont trat nach einer frühen Tätigkeit an den Münchner Kammerspielen und einem Studium in München und in Chicago 1953 in den Verlag M. DuMont Schauberg ein. Er ist seit 1960 Herausgeber des Kölner Stadt-Anzeigers, gründete kurz darauf die Boulevard-Zeitung Express, wurde 1990 Herausgeber der Mitteldeutschen Zeitung, 2006 der Frankfurter Rundschau und 2008 der Berliner Zeitung. Alfred Neven DuMont ist Ehrenbürger der Stadt Köln und Honorarprofessor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 2009 erschien sein Romandebüt "Reise zu Lena", das in verschiedene Sprachen übersetzt wurde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 14.03.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455810998
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 2069 kBytes
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Drei Mütter

E s gibt nichts, was mit der Geburt zu vergleichen ist. Die beiden: der Tod und der schmerzliche Abschied aus dem Mutterschoß. Deshalb erinnere ich mich auch an meinen Tod. Das liegt daran, dass meine frühe Kindheit eine nimmer endende Geburt war. Und dann der Engel! Es muss kurz nach meiner Geburt gewesen sein, da sah ich meinen Engel. Vielleicht nur wenige Augenblicke später. Ich wusste sofort, dass er mein Engel war. Obwohl mir das niemand sagte. Aber wer hätte es mir auch sagen können, wo ich doch der Einzige war, der ihn sah, und sonst noch gar nichts verstand. Dabei blickte er mich nicht einmal richtig an, sprach noch weniger. Er war einfach nur da, tauchte auf, für Augenblicke, und verschwand wieder. Er war ein richtiger Engel, da war ich mir gleich ganz sicher. Vielleicht mit langen blonden Haaren, die über sein weites Kleid bis zu den Kniekehlen reichten, mit Flügeln, so leicht, fast durchsichtig, federleicht. Ob er sich bewegte, schwebte, sogar flog, wie es Engel nun einmal so machen? All das weiß ich nicht. Spielt es eine Rolle? Wie lange er auch immer da war, wichtig war doch nur, dass ich ihn gesehen habe. Und dass ich ab dieser Stunde nicht allein sein würde und beschützt. Das glaubte ich. Mein Vertrauen war unerschütterlich. Ob Ma ihn auch wahrgenommen hatte – oder nicht? Vielleicht, sie ist das Erste, woran ich mich dann erinnern kann, ihre vollen, runden Brüste so nahe vor meinen Augen, dass meine kleinen Arme sie ganz leicht greifen konnten. Mein Entzücken fand ich in dem Ausdruck ihres Gesichtes, wenn sie mich stillte: Die halbgeschlossenen Augen, das von ihrem tiefen Atem getragene betörende Lächeln. Wieso glaube ich, mich genau erinnern zu können? Es liegt wohl daran, dass Ma mich so lange stillte, bis ich stehend, ihre Brust in meinen Händen haltend, aus ihr trinken konnte. Sie sagte: "Du weißt es am besten, wann du mich nicht mehr brauchst." Im Grunde wollte sie mich nicht hergeben. So erging es mir wie Romulus und Remus, die fast mannbar waren, bevor ihre göttliche Mutter Rhea Silvia ihnen die Brust entzog. Auch sie labten sich stehend zwischen ihren Spielen an der Quelle der Mutter. So ausgestattet sollte ihnen ein wirkungsvolles Leben bevorstehen. Warum sollte es mir anders ergehen?

Ich bin ein Opfer der Frauen. Immer wieder werde ich von wohlmeinenden Menschen damit konfrontiert: "Schau dich an, du Muttersöhnchen!" Dass ich mich wichtig machen würde und ein Angeber sei und ein Zappelphilipp, dass ich stottern würde und kein Ziel vor Augen hätte. "Gib zu, dass du schwul bist!" Was ich mir im Laufe meines Lebens nicht alles anhören musste!

Diese Leute machen ihre Meinung daran fest, was vielleicht einmal war, und an dieser Meinung halten sie dann ewig fest. Ich stottere schon seit einer Ewigkeit nicht mehr. Gut, ich war unruhig, habe den Unterricht gestört. Na und? Und schwul bin ich erst recht nicht. Leider, denn für eine Zeit lang hätte mich das vielleicht sogar gerettet. Aus welch unglückseliger Episode meines Lebens die Menschen auch immer irgendwelche Gerüchte aufgeschnappt haben, es waren Neider darunter, die meine frühen Erfolge nicht verkraften konnten. Auch wegen der Mädchen, die mich oft mehr nervten als Spaß machten. Ich war ein Kinderstar, ein umjubelter Sänger, ein toller Sportler. Na ja, vielleicht nicht ganz so toll.

Heute bin ich ein glücklicher Ehemann und ein hoffnungsvoller Vater, der im Begriff ist, einen hoch angesehenen Beruf zu ergreifen. Warum soll gerade ich, der ich doch Tag für Tag nur Liebe, Geborgenheit, Verständnis und Zuwendung erfahren durfte, ein Opfer der Frauen sein? Meine Mütter! Um sie geht es, um meine drei Mütter, die sich in Liebe für mich aufopferten. Bis heute empf

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