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Drei nach Norden Roman von Beckerhoff, Florian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2015
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Drei nach Norden

Schwedischer wird s nicht Mitten in der Nacht brechen Greta, Cassady und der Halbe Belgier nach Schweden auf. Ihr einziges Gepäckstück: eine geheimnisvolle Kiste, adressiert an zwei alte Menschen, bei denen Greta die glücklichste Zeit ihres Lebens verbracht hat. Was ganz harmlos beginnt, entwickelt sich schnell zu einem rasanten Roadtrip: Plötzlich geht es um die Sicherheit des schwedischen Königs, Elvis Presley schwingt die Hüfte, und ein einbeiniger Rennfahrer sorgt für Aufregung. Und dazu fließt viel Bier im nordischen Sommer. Eine grandios komische Roadnovel über drei charmante Helden und den Mut, das Leben in die Hand zu nehmen.

Florian Beckerhoff, geboren in Zürich, aufgewachsen in Bonn, promovierte in Literaturwissenschaften und schlug sich als Sprachlehrer, Museumswärter und Werbetexter durch. Nach einigen erfolglosen Versuchen, sich nach Schweden oder Louisiana abzusetzen, lebt er heute als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Berlin. Im Aufbau Taschenbuch ist sein Roman 'Ein Sofa voller Frauen' lieferbar. 'Drei nach Norden' erscheint im Frühjahr 2015 bei Rütten & Loening.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 01.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841208767
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Größe: 4402kBytes
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Drei nach Norden

ERSTER TAG

Das Stampfen der Maschinen verwob sich mit dem Rauschen der Klimaanlage zu einem herrlich kuscheligen Klangteppich. Nur ein Spieler im Automatencasino störte die Gemütlichkeit: Immer wieder fütterte er den einarmigen Banditen, der so in Endlosschleife den Anfang eines Weihnachtslieds dudelte. Der Halbe Belgier wollte aufstehen und ihn zum Schweigen bringen, doch er blieb unruhig sitzen. Neben ihm schliefen Greta und Cassady: Kopf an Kopf, Schulter an Schulter und Hand in Hand saßen sie in den Sesseln. Auch er wollte schlafen, musste aber schon wieder diese Dudelei ertragen. So konnte es nicht weitergehen. Er rutschte noch einige Male auf seinem Sessel hin und her, dann vergewisserte er sich, dass ihr Reisegepäck ordentlich unter den Sitzen verstaut war, und stand auf.

Der Mann am Automaten trug Lederweste, Kinnbart und die Haare unter einem Stirnband schulterlang; der Hals war bis kurz unterhalb des Kehlkopfs tätowiert. Ihm schien das Spiel gut zu gefallen. Der Halbe Belgier wandte sich ab, um die Waschräume zu suchen.

Im Sortiment des Automaten zwischen Herren- und Damentoilette fanden sich neben Damenbinden und Kondomen schon wieder Nassrasierer, als hätte der Kampf gegen den Bart für viele Menschen auf Reisen eine besondere Bedeutung. Selbst er hatte vorhin daran gedacht! Seine letzte Glattrasur lag Jahre zurück, in einem anderen Leben. Unter gar keinen Umständen würde er gesichtsnackt durch die Welt spazieren, genauso wenig wie sein schnurrbärtiger Freund.

Am Waschbecken angekommen, beschränkte er die Morgentoilette darauf, seine Wangen mit dem brackig riechenden Wasser zu benetzen. Dann inspizierte er den Zustand seines T-Shirts und grübelte: War ein normaler Tagesbeginn alleine am Küchentisch zu Hause mit Aussicht auf den kurzen Höhepunkt einer morgendlichen Dusche dieser aktuellen Situation nicht vorzuziehen? Da wüsste er genau, was ihn erwarten würde: das beglückende Gefühl, dass alles möglich ist, solange nur das kalte Wasser aus der Leitung schießt; Träume von Abenteuern, Visionen von Frauen an seiner Seite, die hier und jetzt keinen Platz hatten in der so ungewohnten Umgebung. Jedes Handeln, überlegte er, schloss womöglich allzu viele andere Optionen aus, und genau deshalb lebte es sich so gut in Berlin, wo man mit wenig Aufwand viel Zeit zum Nichtstun fand. Warum aber hatte er sich dann Hals über Kopf auf diese Reise eingelassen?

Zurück von den Toiletten, trat er ans Ende des Passagierdecks und blickte nach draußen. Die Glasfront war komplett verschlossen, dabei so ordentlich geputzt, dass man sie kaum bemerkte: Der Kühlturm am Rostocker Hafen verschwand in der Ferne und wurde zugleich im langsam zunehmenden Tageslicht sichtbar. So wie die Wasserstraße zwischen den Seitenstreifen der Gischt ins Meer hinein führte, um weiter hinten wieder zu verblassen. Er war selbst überrascht, wie gut ihm das gefiel: Es ging voran; etwas Neues entstand, anderes blieb zurück. Kurz vergaß er sogar seine oft panische Angst vor dem Wasser, so sicher wirkte diese Fähre. Zufrieden wandte er sich ab von den Fenstern und ging Richtung Bug zu seinen Mitreisenden. Die Kiste war an ihrem Platz. Er setzte sich in seinen Sessel und schlief ein. Das Automatengedudel hörte er nicht mehr.

Kaum hatte der Halbe Belgier die Augen geschlossen, begann die Madame leise zu singen.

Seemann, lass das Träumen

denk nicht an zu Haus

Seemann, Wind und Wellen

rufen dich hinaus ...

Das hatten sie ihr beigebracht, als sie noch gar kein Deutsch verstand: die beiden Alten im Norden am Meer. Seit Auftauchen der Kiste musste sie immer wieder an Kerstin und Lars-Gunnar denken. An damals. Als Kind. Am Sund. Wo sie die Sommer verbrachten. Zwei so genügsame Menschen, die sich gemeinsam an ihre Jahre auf See erinnerten und die Zeit verstreichen ließen. Auf ihrem Sofa. Ohne Angst davor, was auch immer zu verpassen. Lange hatte sie die beiden n

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