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Drei Tage drei Nächte von Antelmann, Corinna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.02.2018
  • Verlag: Septime
eBook (ePUB)
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Drei Tage drei Nächte

Eine verletzende Bemerkung des Liebhabers, ein Missverständnis mit dem Ehemann, Unstimmigkeiten mit dem Verleger - es sind zunächst läppisch scheinende Vorfälle, die der Autorin Lisa unerwartet die Beengtheit ihres Daseins aufzeigen. Doch ihren Gefühlen weicht sie aus und macht, was sie seit jeher macht, wenn sie irritiert ist. Sie zieht sich in ihren Kopf zurück. Der Kopf ist für sie Schutzraum und Gefängnis zugleich. Im Rattern des Gedankenrades fühlt Lisa sich sicher. Emsig spinnt sie sich ein immer aberwitzigeres Netz von Gedankenfäden, die um Schriftstellerei und Bibliotheken, um Frausein und Mutterschaft, um Sexualität und romantische Liebe, um Glauben, Psyche und Fremdheit kreisen. Gleichzeitig spürt sie die Not, die sie in dem Gespinst gefangen hält, und erkennt darin die grundsätzliche Begrenztheit des Menschen. Nach drei Tagen und drei Nächten, die Lisa in ihrem Kopf festhängt, erlebt sie unerwartet einen Moment der Offenbarung, der sie von ihrer fundamentalen Einsamkeit erlöst. Corinna Antelmann wurde 1969 in Bremen geboren und lebt heute mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Linz. Nach ihrem Studium (Film, Literatur, Musik) arbeitete sie in der Theaterwerkstatt Hannover und der Trickompany Hamburg, inzwischen ist sie als freie Autorin und Dozentin für Storytelling tätig. Corinna Antelmann erhielt u. a. den 'Frau-Ava-Literaturpreis' (2013) und das 'Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium' (2015), ihr Jugendbuch Der Rabe ist Acht wurde mit dem 'White Raven' ausgezeichnet. Bei Septime veröffentlicht Corinna Antelmann ihre Romane.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 19.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783903061620
    Verlag: Septime
    Größe: 498 kBytes
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Drei Tage drei Nächte

II. Samstag

Als ich aufwache, ist die Nacht noch nicht endgültig vorüber, und umnachtet bleibe ich liegen, bis der Wecker mich aus meiner Dunkelheit reißt, wofür ich ihm dankbar sein könnte; stattdessen geht er mir auf den Wecker, oder auf den Zeiger, denn er läutet den Zwang ein, mich der Welt stellen zu müssen, die mir trotz Morgenlicht weiterhin finster erscheint und fremd statt licht und froh. Warum nur komme ich mit mir so gut aus und mit anderen eher weniger? Alles in einem und in einem alles, heißt es, aber ich und du, das sind zwei verschiedene Dinge und damit meine ich das Du der Welt mit ihren feindlich gesinnten, wettbewerbsliebenden Menschen, die wetteifernd miteinander ins Gericht gehen, und zu einer solchen Wettbewerbsveranstaltung habe ich mich in einem Anfall von Karrierewahn und Profitsüchtigkeit gemeldet, an dem allein diese miserable, kapitalistische Zeit schuld sein muss. Heute ist es so weit, ich werde dorthin gehen müssen und es platzt mir der Schädel vor lauter Angst, ja, Angst, als ginge ich zur eigenen Kreuzigung, meinen Text als Bürde. Ich werde dieses Kreuz durch die stillen, morgendlichen Straßen schleppen, fallen und wieder aufstehen und mich den Hyänen zum Fraß vorwerfen, und während ich ebendies tue, nehme ich mir vor, im Falle von Kritik nicht gekränkt zu sein, weil eine Kränkung immer auch heißt, noch ein Stück tiefer in sich hineinzurutschen statt aus sich hinaus, und das widerspräche dem Wunsch, endlich aus dem Schädel-Gefängnis hinauszutreten, in dem ich viel zu lange schon hocke, so wie wir alle schon viel zu lange darin hocken. Ja, es ist an der Zeit, der Welt zu begegnen, auf dass sie mir nicht länger so finster erscheinen möge, und mit der Welt den anderen Menschen, und die Begegnung mit Welt und Menschen heißt eben zwangsläufig gleichzeitig, sich möglicher Kritik zu stellen, ansonsten bliebe zum Beispiel dieser Text, wenn nicht im Schädel, so doch in der Schublade, was auf eine Art auf das Gleiche hinausläuft. Daher ist es unwidersprochen ungemein wichtig, Kritik aufzunehmen, wertvoll, ein Geschenk, wie alle sagen, und jeder Kritik gegenüber offen zu bleiben, auch um das Bedürfnis nach Öffnung in einem allgemeineren Sinne nicht von Zeit und Situation abhängig zu machen, sondern als den allgemeinen und steten Zustand zu sehen, der Beziehungen überhaupt erst möglich macht, zu jeder Zeit, in jeder Situation.

So möglich wie die Beziehung zu Gerhard.

Vor allem wir schreibenden Frauen betonen die Wichtigkeit von Kritik gern und oft, um den schreibenden Männern in den Fällen, in denen wir uns irrtümlich zu einer Rechtfertigung bemüßigt sehen, zu zeigen, dass auch wir unseren Beruf professionell angehen, und um zu demonstrieren, wie aufgeschlossen wir sind und dass wir uns im Allgemeinen zudem für aufgeschlossen halten und vor allem als aufgeschlossen gelten wollen.

Blabla.

Die Literaten wiederum stimmen unseren Absichten in puncto Aufgeschlossenheit zu, nur sie selbst möchten sich der Kritik nicht allzu gern aussetzen, was ihnen ohnehin weniger häufig widerfährt als uns, weil sie sich Kritik nicht bieten lassen, Professionalität hin oder her, während mein Text, den ich dem Wettbewerb und somit der Kritik ausliefern werde, bereits darauf wartet, zerfleischt zu werden. Er handelt davon, wie eine Enkeltochter mit der Vergangenheit ihrer Großmutter konfrontiert wird, in dem Moment, als sie nach deren Tod in das von der Großmutter geerbte Haus zieht. In der gewissermaßen fiktionalen Geschichte beginnen die Wände mit ihr zu sprechen, um ihr bisher vorenthaltene, die Familiengeschichte betreffende Erklärungen zu liefern, und es stellt sich heraus, dass die schlesische Großmutter im Zuge des Zweiten Weltkrieges fliehen musste, wahrscheinlich auch Gewalt erfuhr; jedenfalls ist in diesen Mauern plötzlich ein Schmerz spürbar und die Enkeltochter erleidet ihn ungewollt mit, dann versucht sie, sich abzugrenzen, und isst A

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