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Du hättest es wissen können Roman von Korelitz, Jean Hanff (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.01.2016
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Du hättest es wissen können

Grace Reinhardt Sachs lebt auf der Manhattaner Eastside in dem Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Sie ist eine erfolgreiche Paartherapeutin, ihr Mann ein berühmter Kinderarzt, und ihr Sohn besucht eine renommierte Privatschule. Graces Beziehungsratgeber DU HÄTTEST ES WISSEN KÖNNEN steht kurz vor der Veröffentlichung, und das Interesse ist groß. Als die Mutter eines Mitschülers ermordet wird und Graces Mann nicht zu erreichen ist, beginnt Grace zu ahnen, dass es vielleicht auch Dinge gibt, die sie hätte wissen können. Jean Hanff Korelitz erzählt von einer modernen Frau - klug, emotional, erfolgreich, die glaubt, alles im Griff zu haben. Erst eine große Krise hält sie davon ab, die Fassade weiterzupolieren, hinter der sie fast verschwunden war - endlich fängt sie wieder an zu leben.

Jean Hanff Korelitz lebt in New York City und ist in den USA eine erfolgreiche Autorin. Die Verfilmung ihres Romans Admission kam im März 2013 in die Kinos, mit Tina Fey in der Hauptrolle. Du hättest es wissen können ist ihr viertes Buch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 15.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843711982
    Verlag: Ullstein
    Größe: 1031 kBytes
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Du hättest es wissen können

Kapitel 1

Du weißt es einfach

Es war ganz normal, dass die Leute weinten, wenn sie zum ersten Mal zu ihr kamen, und diese junge Frau sah nicht so aus, als wäre sie eine Ausnahme. Erhobenen Hauptes trat sie mit ihrer Aktentasche ein und gab ganz den kühlen Profi, als sie Grace die Hand schüttelte. Dann setzte sie sich auf die hellbeige Couch und schlug ihre behosten Beine übereinander. Um sich dann, ziemlich unvermittelt, offenbar darüber klarzuwerden, wo sie sich befand.

"O Mann", sagte die junge Frau, deren Name - Grace hatte es erst vor wenigen Minuten überprüft - Rebecca Wynne war. "Ich bin seit dem College in keiner Therapiepraxis mehr gewesen."

Grace nahm ihren üblichen Platz ein, schlug ihre deutlich kürzeren Beine übereinander und beugte sich vor. Was hätte sie sonst auch tun sollen.

"Das ist so bizarr! Sobald du reinkommst, möchtest du auch schon losheulen."

"Nun, es ist doch nur ein Raum", erwiderte Grace fröhlich. "Mit langweiligen Möbeln."

"Genau." Rebecca sah sich um, als bedurfte dies der Bestätigung. Der Raum - Graces Sprechzimmer - war mit viel Bedacht ausgestattet worden, so dass er diversen Ansprüchen gleichzeitig genügte: Er war komfortabel, aber nicht übertrieben einladend, warm ohne persönliche Note. Es gab einen Couchtisch mit Glasplatte, darauf einzig einen Lederbehälter für die Taschentücher und einen alten Kiefernschreibtisch im Landhausstil in der Ecke. Auf diesem Schreibtisch verwahrte sie ihre Stifte in einem reizlosen Keramikbecher, den ihr Sohn Henry in der ersten Klasse angefertigt hatte (ein Gegenstand, der ihren Klienten im Lauf der Jahre erstaunlich viele Kommentare entlockt und zahlreiche blockierte Erinnerungen freigesetzt hatte), und eine weiße Keramiklampe mit einem Juteschirm sorgte für diskrete Beleuchtung. Das einzige Fenster des Raums ging auf den Hinterhof, wo es nie etwas zu sehen gab.

Heute hatte sie ausnahmsweise Blumen mitgebracht: dunkelrosa Rosen, auf den Rat von Sarabeth hörend, die - da der Große Tag immer näher rückte - sich zunehmend bemüßigt fühlte, detaillierte Vorgaben zu machen. Es reichte nicht, dass Grace für diesen Anlass Blumen kaufte, es mussten Rosen sein, und die Rosen mussten rosa sein - dunkelrosa.

Dunkelrosa Rosen. Warum ? hatte Grace sich gefragt. Sarabeth rechnete doch wohl nicht mit einem Farbfoto, oder? War es nicht schon unglaublich genug, dass die Zeitschrift "Vogue" sie eines Schwarzweißfotos für würdig erachtete? Trotzdem hatte sie den Rat befolgt und hatte sie in die einzige Vase gestellt, die sie besaß. Nun standen sie auf einem der Beistelltische und liefen Gefahr, von Rebeccas schwerem Wollmantel umgeworfen zu werden.

"Was das Weinen betrifft, haben Sie vollkommen recht", sagte Grace. "Normalerweise setzt es den Leuten schon genug zu, hier überhaupt herzukommen. Oder im Falle meiner Praxis den Partner dazu zu bewegen, hierherzukommen. Ich erlebe es oft, dass die Leute loslassen, wenn sie zum ersten Mal durch diese Tür treten. Es ist absolut in Ordnung."

"Nun, ein andermal vielleicht", sagte die junge Frau. Grace schätzte sie auf um die dreißig, sie sah hübsch aus, wenn auch ein bisschen streng, und die Kleidung, die sie trug, war so raffiniert geschnitten, dass sie ihren tatsächlichen Körperbau mit den üppigen Formen und der großen Oberweite kaschierte und sie stattdessen jungenhaft schlank aussehen ließ. Ihre weiße Baumwollbluse und die braune Stoffhose wahrten perfekt den Schein und waren mit Sicherheit von jemandem entworfen worden, der genau wusste, was er tat - wenn man für die "Vogue" arbeitete, kannte man natürlich solche Leute.

Rebecca kramte in ihrer Aktentasche, die sie neben ihren in Stiefeln steckenden Füßen abgestellt hatte, und förderte dann einen alten Kassettenrekorder zutage, den sie auf den Tisch mit der Glasplatte stellte. "Es stört Sie doch nicht?", fragte sie. "Ich weiß, der ist schon fast museum

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