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Effi liest Eine Romantische Komödie von Moretti, Anna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.07.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Effi liest

Berlin, 1894. Alles beginnt mit einem Buch, das die achtzehnjährige Elena Sophie von Burow, genannt Effi, zufällig entdeckt. Der Inhalt ist so skandalös, dass Effi aus ihrem vornehmen Pensionat fliegt, noch bevor sie die erste Seite gelesen hat. Sofort reist ihre Tante an, denn es ist wohl höchste Zeit, Effi in die Gesellschaft einzuführen und einen Ehekandidaten zu finden. Effi hingegen sucht Antworten auf ihre Fragen. Ob der junge und sehr sympathische Arzt Maximilian von Waldau Effi weiterhelfen kann? Eine romantische Komödie aus der prüdesten Epoche der deutschen Geschichte. Ein wunderbares Lesevergnügen für alle Fans von Jane Austen und 'Der Trotzkopf'. Anna Moretti lebt in Süddeutschland, wo sie als Journalistin arbeitet. Schon in ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich intensiv mit dem Leben von Frauen um die Jahrhundertwende. Wenn sie einen Wunsch frei hätte, würde sie gern eine Weile in dieser Zeit leben. Aber nicht als Frau, dafür ist ihr die damalige Kleidung viel zu unbequem. Lieber als Katze, die alles beobachten kann.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 31.07.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732571994
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 3618 kBytes
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Effi liest

KAPITEL 1

"Die Anstalt besteht seit 1869 und gewährt den Zöglingen ein Familienleben, in welchem sie eine ihren Lebensverhältnissen entsprechende Erziehung empfangen. Gelegenheit zur Ausbildung in Wissenschaften und fremden Sprachen, Musik, Malen, Handarbeiten und Turnen. Sorgfältigste körperliche Pflege, besondere Berücksichtigung guter Umgangsformen."

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Das Buch lag am Flussufer unter einem Stein. Nur eine braune Ecke seines Ledereinbands ragte hervor. Unauffällig legte ich den Kopf schräg und blinzelte gegen die Sonne. War das wirklich ein Buch? Oder doch nur ein kantiges Stück Holz, das unter den kniehohen Felsbrocken gerutscht war?

Wir standen in einer kleinen, sandigen Bucht an der Elbe, umgeben von Schilf, und lauschten dem endlosen Vortrag unserer Lehrerin, die uns auf diesem Schulausflug die Besonderheiten der Flusslandschaft nahebringen wollte. Ich hatte den klobigen Stein am Rande des Schilfs sehnsüchtig angestarrt, weil ich mich nur allzu gern daraufgesetzt hätte, aber so was tat eine Dame ja leider nicht. Dabei war mir die Spalte zwischen Sandboden und Stein aufgefallen, und dann die braune Kante, die daraus hervorragte.

Aus den Augenwinkeln musterte ich meine Mitschülerinnen. Hatten sie auch etwas gesehen? Doch alle waren voll und ganz damit beschäftigt, sich in der heißen Julisonne mit ihren Fächern Luft zuzuwedeln und ein aufmerksames Gesicht zu machen, während sie vermutlich heimlich an etwas anderes dachten.

Langsam näherte ich mich dem Stein, tastete mit dem Fuß nach dem braunen Gegenstand und schob ihn ein winziges Stück zur Seite. Tatsächlich. Ein Buch. In Leder gebunden, mit Goldbuchstaben auf dem Einband. Irgendjemand hatte es hier versteckt. Aber wer? Warum? Und was stand darin? Das musste ich wissen. Ohne viel nachzudenken, stellte ich mich mit einem schnellen Schritt vor meinen Fund und verdeckte ihn mit meinem langen weißen Rock.

Gerade noch rechtzeitig.

"Was ist los, Effi?", wisperte Betty mir zu.

Effi, so wurde ich in der Schule genannt, obwohl mein Name Elena Sophie lautete. Die Abkürzungen Elli und Leni waren nämlich schon von Elvira und Helene besetzt.

Leider wurde durch Bettys Flüstern unsere Lehrerin, Fräulein Grimaud, auf mich aufmerksam, deren Geieraugen selten etwas entging. "Ist Ihnen nicht wohl, Fräulein von Burow?", fragte sie streng.

"Oh. Also. Doch", stotterte ich.

"Fräulein von Burow!" Fräulein Grimauds Stimme klang scharf wie gesplittertes Glas. "Sprechen Sie bitte in ganzen Sätzen! Wie oft habe ich Ihnen das schon gesagt!"

"Verzeihung, Fräulein Grimaud!" Ich rückte noch etwas näher an den Stein, um das Buch zu verbergen. "Ich war einen Moment achtlos und bin gestolpert."

Ausgerechnet jetzt wichen meine Klassenkameradinnen unter dem strengen Blick unserer ältlichen Lehrerin zurück und bildeten eine Gasse, sodass Fräulein Grimaud mich mit ihren eisgrauen Augen von oben bis unten mustern konnte. Zum Glück bemerkte sie nichts von dem Buch. Mahnend hob sie ihren langen, knochigen Zeigefinger.

"Das ist peinlich! Überaus peinlich!" Sie richtete ihren Blick gen Himmel, als erhoffte sie von dort Hilfe für ihre schwere Aufgabe als Erzieherin. "Eine junge Dame von Stand stolpert nicht, sie schwebt."

Ein Seufzen ging durch die Gruppe der Mädchen.

"Nicht wieder ein Vortrag!", flüsterte Betty hinter ihrem Fächer. "Es ist so heiß!"

Sie trug ebenso wie ich ein weißes Kleid, das zwar sommerlich aussah, aber aus so viel Stoff bestand, dass er auch für drei Kleider gereicht hätte. Und die Hüte auf unseren aufgebauschten Flechtfrisuren wärmten bei der schräg stehenden Nachmittagssonne mehr, als dass sie uns Schutz boten.

"Zu spät!" Johanna verdrehte fast unmerklich die Augen. "Wenn ihr Finger erst oben ist, lässt sie sich nicht mehr bremsen."

Und wirkl

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