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Ein AugenBlick Mein geliebter Mutsch von Blumenthal, Gabriela (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Ein AugenBlick

Melissa, ein quirliges Mädchen, sucht Antworten auf ihre Fragen in der "Nebenwelt". Mirabella begleitet sie durch dieses, von Licht und Farben erfüllte Mysterium. Der Mutsch, ein riesiger Baum dient dazu, den Schleier dorthin zu lichten. Mit gerade mal elf Jahren erleidet Melissa einen schweren Schicksalsschlag. Aus Wut und Verzweiflung verbannt sie die "Nebenwelt" ins Vergessen. Erst viele Jahre später, als erwachsene Frau und Mutter, wird sie durch ihre Tochter Belinda, wieder daran erinnert. Parallel holt sie die längst verarbeitete Tragödie gnadenlos wieder ein. Gabriela Blumenthal lebt auf einem Bauernhof in Val Lumnezia, hat 3 Kinder, eine Praxis für Kinesiologie und unterrichtet Yoga. Eigentlich wäre sie schon genügend ausgelastet, und trotzdem lässt sie das Schreiben nicht mehr los. Mit "Ein AugenBlick", erscheint zum ersten Mal ein Roman von ihr. Intuitiv, spannend und humorvoll beschreibt sie die darin vorkommenden Figuren und Handlungen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 244
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783749445837
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 347 kBytes
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Ein AugenBlick

D er Wecker klingelt. Schlaftrunken strecke ich meine Hand Richtung Störenfried und zwinge ihn zur Ruhe. Die Sonne blendet mich durch den kleinen Spalt zwischen den Vorhängen. Nur schwer kann ich meine Augen öffnen und versuche es erst einmal mit Recken und Strecken. Mit der linken Hand taste ich nach Jeff, meinem Ehemann, der Griff geht ins Leere.

Ein vertrauter Duft, der aus der Küche kommt, verrät mir, dass es mal wieder Sonntag ist. Da werde ich immer von meinem Göttergatten, mit Kaffee, Eier und Zopf verwöhnt. Geduldig und mit Vorfreude warte ich auch heute auf sein Kommen.

"Guten Morgen Missi, Zeit, den Tag zu begrüßen."

"Guten Morgen Liebling", begrüße auch ich ihn mit einem dankbaren Lächeln. Es ist so schön, solch eine Aufmerksamkeit zu erhalten. Genüsslich geben wir uns dem Frühstück hin, nachdem Jeff die Vorhänge aufgezogen und die Sonne ganz ins Zimmer gelassen hat.

Doch ist die Zweisamkeit nur von kurzer Dauer. Mit Geschrei und Gejaule rennen Tim und Belinda, die auch liebevoll Bella von uns genannt wird, in unser Zimmer, direkt auf unser Bett und überrennen uns mit Gelächter und Gepiepse. Es blieb uns gerade noch genug Zeit, um das Frühstück zur Seite zu schieben.

"Na wartet, Rasselbande, jetzt kitzle ich euch!"

Jeff packt die zwei und kitzelt sie, bis sie um Gnade flehen. So beginnt bei uns meistens der Sonntag. Wir alle genießen diese wunderbaren Momente des Familienglückes. Jeff packt die Kleinen, unter jedem Arm einen, und bringt sie in ihr Zimmer, wo sie sich ankleiden. Danach nehmen sie das Frühstück, alleine mit ihrem Papa, in der Küche ein. Das ist die Zeit, die ich völlig für mich habe. Während Jeff nach dem Frühstück mit Tim und Belinda eine Fahrradtour zu den Großeltern ins Nachbardorf unternimmt, genieße ich die wenigen Stunden der Ruhe.

Ich lasse mir ein heisses Schaumbad ein, und mache es mir darin gemütlich. Ich bin so glücklich, solch eine Familie zu haben.

Erinnerungen an meine Kindheit kommen hoch, und mit Wehmut erscheinen wieder die Bilder vor mir, die ich eigentlich vergessen wollte.

Mit fast elf Jahren wurde mein Leben völlig aus der Bahn geworfen.

Es geschah an einem verregneten Morgen. Mutter hatte mich zur Schule gebracht, da wir verschlafen hatten, und der Bus bereits weg war. Nun war auch Mum zu spät dran und musste sich beeilen, um rechtzeitig an ein Meeting zu kommen.

Es war Herbst und auf der nassen Fahrbahn lagen Blätter von den, sich langsam in den Winterschlaf begebenden Bäumen. Die Straße war glitschig und durch die wahrscheinlich viel zu hohe Geschwindigkeit, mit der sie fuhr, geriet sie ins Schleudern und raste geradewegs auf einen Baum zu. Sie hatte keine Chance, sie verstarb noch an der Unfallstelle.

Was dann geschah, war für mich einfach nur wie in einem schlechten Film. Vater kam mit der Situation überhaupt nicht zurecht und war mir in keinem Fall eine Stütze. Er hatte Mum so geliebt und konnte oder wollte nicht ohne sie leben. Was mit mir geschah, das blendete er vollkommen aus. Er nahm mich noch nicht einmal mehr wahr.

Es vergingen Wochen, in denen er mehr und mehr dem Alkohol verfiel. Nach und nach kapselte er sich von der Außenwelt ab, und ich war immer mehr auf mich alleine gestellt. Er gab mir Geld, um einzukaufen, und irgendwie konnte ich am Abend immer was auf den Tisch zaubern. Ich schämte mich und pflegte auch keinen Kontakt mehr zu meinen Mitschülern. Großeltern hatte ich keine, und so musste ich mich arrangieren. Das einzig Positive war, dass ich wenigstens in der Mensa etwas zum Mittagessen bekam.

Bis jemand das Jugendamt auf unsere missliche Lage aufmerksam machte, war ein halbes Jahr vergangen. Meiner Klassenlehrerin entging nicht, dass ich stets die gleichen Kleider trug und meist ungepflegt zur Schule kam. Nicht, dass sie sich nicht um mich gekümmert hätte, sie fragte mich mehrmals, ob alles in Ordnung sei, was ich immer bejahte. D

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