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Ein dunkler Moment Roman von Edel, Rabea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.04.2011
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
eBook (ePUB)
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Ein dunkler Moment

Von der geheimen Faszination des Bösen

Auf unheimliche Weise ist die Amerikanerin Amanda in zwei elf Jahre auseinander liegende Morde verwickelt. Angelehnt an zwei reale Fälle geht Rabea Edel dieser Verbindung nach und löst Schritt für Schritt das Geflecht von scheinbaren Zufällen und verborgenen Zusammenhängen. In bestechend klaren Bildern erzählt sie die spannende Geschichte eines Mordes und seiner späten Konsequenzen und wirft dabei ein Licht auf die Momente, in denen das Dunkle, Unfassbare aus einem Menschen hervorbricht - und sei es nur für einen kurzen, verhängnisvollen Augenblick.

Rabea Edel, geb. 1982, studierte Italianistik/Literaturwissenschaften in Berlin und Siena. Sie lebt als freie Autorin in Berlin. Für ihr Schreiben erhielt sie verschiedene Preise und Stipendien, u.a. war sie Preisträgerin des 12. Open Mike (2004) und Stipendiatin der Jürgen-Ponto-Stiftung (2005). Ihr Romandebüt 'Das Wasser, in dem wir schlafen' wurde von der Kritik begeistert aufgenommen und vielfach ausgezeichnet u.a. nach Vorschlag von Hertha Müller mit dem Kunstpreis Literatur Berlin-Brandenburg (2006), sowie dem Nicolas-Born-Förderpreis (2007). 2009 war Rabea Edel Stipendiatin der Bundesregierung/Deutschen Akademie Rom in der Casa Baldi.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 05.04.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641045241
    Verlag: Luchterhand Literaturverlag
    Größe: 475kBytes
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Ein dunkler Moment

Mittwoch, 5. September 2001. (S. 100-101)

Ilawoh. 12:30.

Die Schattenrisse der zwei Palmen im Vorgarten bewegten sich im Wind hin und her. Gordon breitete die Zeitung auf dem Tisch aus, stellte die Tüte von Tacobell ab, holte mit der einen Hand Burritos, verschiedene Soßenpäckchen und French Fries heraus, griff mit der anderen Hand nach der Fernbedienung und klickte sich durch das Programm, bis er Monicas "Single hearts will be happy"-Show gefunden hatte. Die Rufnummer blinkte am unteren Bildschirmrand.

Gordon zog die Jacke aus, überlegte kurz das Pistolenhalfter abzulegen, aber da erschien bereits das Bild des Mädchens, das er jede Woche um diese Zeit an seinem freien Tag im Fernsehen sah. Er ließ sich auf das Sofa fallen, tauschte die Fernbedienung gegen das Telefon, verwählte sich, tippte ein zweites Mal. "Hallo?", sagte er und erschrak, als seine eigene Stimme ihm aus dem Fernseher antwortete. "Hallo?" Monica hielt lächelnd einen Finger an den Knopf in ihrem Ohr. "Mit wem spreche ich?"

"Gordon", sagte Gordon. "Hallo Gordon, wie geht es dir? Würdest du bitte den Fernseher leiser stellen, damit wir dich besser verstehen können? Das wäre ganz toll." Der Officer nickte, das Symbol eines durchgestrichenen Lautsprechers erschien über Monicas Gesicht und verblasste in Zeitlupe. "Gordon, wie geht es dir, was machst du gerade?" "Danke, mir geht es gut und wie geht es dir?" "Danke, mir geht es gut und wie geht es dir?", echote Monica. "Ich bin ein wenig nervös."

"Du bist im Fernsehen, auch wenn wir dich nicht sehen können, ist das nicht lustig, ist das dein erstes Mal, Gordon, was machst du von Beruf und wie war dein Tag, erzähl doch ein wenig von dir?" Monica schien nicht zu atmen zwischen den einzelnen Sätzen. Wenn doch, dann hatte sie vielleicht unsichtbare Kiemen an ihrem langen Hals. Gordon räusperte sich, das waren zu viele Fragen auf einmal. "Nein", sagte er, "das ist nicht mein erstes Mal."

"Ach, wie aufregend." "Ich bin Officer", sagte Gordon. "Ach, wie aufregend, da bist du bestimmt schon mal im Fernsehen gewesen." Monica lachte schrill und zeigte ihre makellosen Zähne. "Ich würde Sie gerne kennenlernen. " "Mich?" Monica blinkerte mit den aufgeklebten Wimpern. Ihre kalifornische Sonnenbräune schien mit jeder Minute nachzudunkeln, wahrscheinlich benutzten sie anstelle von Scheinwerfern Tanninglampen im Studio, das Licht hatte, wenn man genau hinsah, einen Blaustich, den Gordon nur aus dem Solarium kannte.

"Nein. Also ja. Natürlich auch", Gordon stockte. "Aaahh, ich mache doch nur Spaß. Dann erzähl uns mal, warum du Annabell kennenlernen möchtest, sie ist live dabei und hört alles mit, du hast genau eine Minute, danach wird sie auf die rote oder grüne Lampe drücken, und du erfährst sofort, ob du eine Chance bei ihr hast oder nicht, also los." Gordon hielt den Telefonhörer fest und schloss die Augen. Sie hieß Amanda, nicht Annabell, Monica hatte sich versprochen.

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