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Ein einfaches Leben Roman von Lee, Min Jin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.09.2018
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)

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Ein einfaches Leben

"Eine überwältigende Geschichte über Widerstandsfähigkeit und Mitgefühl." Barack Obama Sunja und ihre Söhne leben als koreanische Einwanderer in Japan wie Menschen zweiter Klasse. Während Sunja versucht, sich abzufinden, fordern Noa und Mozasu ihr Schicksal heraus. Der eine schafft es an die besten Universitäten des Landes, den anderen zieht es in die Spielhallen der kriminellen Unterwelt der Yakuza. Ein opulentes Familienepos über Loyalität und die Suche nach der eigenen Identität Min Jin Lee wurde 1968 in Seoul/Südkorea geboren und immigrierte, als sie acht Jahre alt war, mit ihrer Familie in die USA. Sie hat in Yale studiert und vor der Veröffentlichung ihres ersten Romans als Anwältin gearbeitet. ?Ein einfaches Leben? stand auf der Shortlist des National Book Award und auf allen Bestsellerlisten der USA. Min Jin Lee lebt in New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 21.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423434928
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Originaltitel: Pachinko
    Größe: 1265 kBytes
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Ein einfaches Leben

1

Yeongdo, Busan, Korea

D ie Geschichte hat uns im Stich gelassen, aber was macht das schon.

Um die Jahrhundertwende beschlossen ein älterer Fischer und seine Frau, Mieter aufzunehmen, um etwas hinzuzuverdienen. Die beiden waren in dem Fischerdorf Yeongdo auf der gleichnamigen fünf Meilen breiten Halbinsel vor der Hafenstadt Busan geboren und aufgewachsen. In ihrer langen Ehe gebar die Frau drei Söhne, von denen nur Hoonie, der älteste und schwächste, überlebte. Hoonie kam mit einer Gaumenspalte und einem verkrüppelten Fuß zur Welt, doch er hatte breite Schultern, einen kräftigen Körperbau und eine leuchtende Gesichtshaut. Auch als junger Mann blieb ihm das sanfte, nachdenkliche Wesen erhalten, das er als Kind gehabt hatte. Wenn Hoonie seinen entstellten Mund mit der Hand bedeckte, was er gewohnheitsmäßig tat, wenn er Fremde traf, ähnelte er seinem freundlich aussehenden Vater, denn sie beide hatten große, strahlende Augen. Er hatte pechschwarze Augenbrauen und eine dauerhaft gebräunte Haut von der Arbeit im Freien. Wie seine Eltern war auch Hoonie kein geschickter Redner, und manch einer kam irrtümlich zu dem Schluss, dass es ihm, weil er nicht flüssig sprach, an Verstand mangelte, doch das war nicht der Fall.

Im Jahr 1910 , als Hoonie siebenundzwanzig Jahre alt war, wurde Korea von Japan annektiert. Der Fischer und seine Frau, sparsame und zählebige Bauern, ließen sich nicht ablenken von inkompetenten Adeligen und korrupten Herrschern, die ihr Land an Diebe verloren hatten. Als die Miete für ihr Haus wieder einmal erhöht wurde, gaben sie ihr Schlafzimmer auf und schliefen in dem Vorraum, der von der Küche abging, um noch mehr Logiergäste aufnehmen zu können.

Das Holzhaus, in dem sie seit über drei Jahrzehnten zur Miete wohnten, war mit einer Fläche von knapp fünfzig Quadratmetern nicht groß. Papierene Schiebetüren teilten das Innere in drei bequeme Zimmer, und der Fischer selbst hatte das undichte Glasdach durch rötliche Tonziegel ersetzt, was seinem Vermieter, der prunkvoll in einer Villa in Busan lebte, zupass kam. Mit der Zeit wurde die Küche in einen Anbau im Gemüsegarten verlegt, damit die großen Kochtöpfe und die faltbaren Esstische, die an der gemauerten Außenwand an Haken hingen, Platz hatten.

Sein Vater bestand darauf, dass Hoonie bei dem Dorflehrer in beiden Sprachen, Koreanisch und Japanisch, genügend lesen und schreiben lernte, damit er das Hauptbuch des Logierbetriebs führen konnte, gut im Kopfrechnen war und auf dem Markt nicht betrogen wurde. Nachdem er das gelernt hatte, nahmen seine Eltern ihn aus der Schule. Als Jugendlicher arbeitete Hoonie beinahe ebenso gut wie ein erwachsener Mann mit zwei gesunden Beinen; er war geschickt mit den Händen und konnte schwere Lasten tragen, aber schnell gehen oder gar laufen konnte er nicht. Hoonie und sein Vater waren im Dorf dafür bekannt, dass sie niemals Wein tranken. Der Fischer und seine Frau zogen ihren einzigen Sohn, den Dorfkrüppel, zu einem klugen und fleißigen Mann heran, denn sie wussten nicht, wer sich seiner annehmen würde, wenn sie einmal tot waren.

Wenn es möglich war, dass zwei Eheleute ein und dasselbe Herz teilten, dann war Hoonie dieses stetig schlagende Organ. Ihre anderen Söhne hatten sie verloren - der Jüngste starb an Masern, und der Mittlere, ein Tunichtgut, wurde in einem unsinnigen Unfall von einem Bullen aufgespießt. Außer, dass Hoonie zur Schule und zum Markt ging, behielt das alte Ehepaar ihn nah bei sich, und als Hoonie ein junger Mann war, musste er zu Hause bleiben und sich um seine Eltern kümmern. Ihrem Sohn etwas abzuschlagen, wäre ihnen unerträglich gewesen, doch sie liebten ihn zu sehr, als dass sie ihn verwöhnten. Die Bauern wussten, dass ein verzärtelter Sohn in einer Familie mehr Schaden anrichten konnte als ein toter, und achteten darauf, ihm nicht zu sehr nachzugeben.

Andere Familien im Land waren nicht mit

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