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Ein ganzes Leben lang von Ernst, Hans (eBook)

  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Ein ganzes Leben lang

Regina, die bildhübsche Tochter des Tierarztes von Heimatsried, liebt Peter, der nur der Sohn eines armen Korbflechters ist. Ihre Eltern sind fassungslos darüber, machen der jungen Frau schwere Vorhaltungen und brechen schließlich sogar mit ihr. Doch Regina kämpft unerschrocken für ihr Lebensglück und setzt sich über Engstirnigkeit und falsches Standesbewusstsein hinweg. Und am Ende zeigt sich, dass der Erfolg dem jungen Paar Recht gibt. Hans Ernst wurde 1904 in München geboren. Während des Ersten Weltkrieges kam er zum ersten Mal aufs Land - auf einen Bauernhof in Niederbayern. Dort lernte er das kennen und lieben, was später der Inhalt seiner Romane wurde: die bäuerliche Welt. Nach vielen Jahren, die er als Bauernknecht verbrachte, führte ihn sein Weg zu einer Bauernbühne. In dieser Zeit begann er seine ersten Romane zu schreiben, denen noch zahlreiche folgten, insgesamt 112.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475547409
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 1593 kBytes
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Ein ganzes Leben lang

1

Es ist halb vier Uhr früh. Im Lindenbaum des Pfarrgartens in Heimatsried pfeift eine Amsel. Vom Turm der Kirche dröhnen die zwei Schläge so laut, dass die Amsel erschrocken innehält. Noch schläft der Marktflecken.

Nur beim Bäcker Hammerer brennt Licht in der Backstube und der Rauch steigt kerzengerade aus der Esse in die Morgendämmerung auf. Langsam verblassen die Sterne im aufkommenden Wind. Um diese Zeit erblickt Regina Helmbrecht mit einem ersten hellen Schrei das Licht der Welt.

In der weißen, in einer wunderlichen Mischung von gotischem und barockem Stil gebauten Villa des Tierarztes Heinrich Helmbrecht hat die ganze Nacht das Licht gebrannt.

Jetzt packt Dr. Hinterholzer die Instrumente zusammen und gibt der Hebamme noch Anweisungen. Die Geburt war schwer und mitunter hat es während der letzten Stunde so ausgesehen, als ob dieses Kind gar nicht lebend zur Welt kommen sollte. Aber dann hat Gott ein Einsehen gehabt mit der gequälten Frau und dem Ungeborenen. Wer weiß, vielleicht hat er noch etwas Besonderes vor mit diesem Kind.

Jetzt verlässt der Arzt das Haus. Bei der Gartenlaube, wo der Weg zur Straße hinausführt, steht Dr. Helmbrecht, die Augen müde und sorgenvoll.

Er hat es nicht mehr ausgehalten im Haus, in dem die Stunden dieser Nacht kein Ende nehmen wollten. Sooft er die Hebamme hatte abfangen können, hatte er sie mit den drei Worten "Was ist los?" überfallen. Und da sie nicht geneigt schien, ihm auf sein klares und eindeutiges Fragen ebenso klare Antworten zu geben, vielmehr nur mit den Schultern zuckte, zwang er sich, den Mund nicht mehr aufzutun. Er hatte schließlich doch ein Recht zu fragen, und es war kein Grund gegeben, seine Sorge zu verstecken, wenn der Tod um das Haus schlich, um die Mutter oder das Kind oder alle beide zu holen.

Nein, es ist und bleibt erbärmlich, dass ein Mann in solchen Stunden zu einem Nichts gestempelt wird. Er stehe nur im Weg herum, hatte die Köchin ihm frank und frei erklärt, als er in der Küche auf und ab gegangen war.

"Ich stehe im Weg? Dann kann ich ja gehen. Aber komme mir hernach niemand damit, ich sei davongelaufen, als es gefährlich wurde."

Aber er geht nicht weit. Nur in den Stall, in dem die beiden Ponyhengste, Max und Moritz, mit leisem Wiehern die Köpfe drehen, in der Meinung, es sei schon Futterzeit.

Von dort geht er in den Garten, vergräbt sein Gesicht für ein paar Minuten in den blühenden Fliederbüschen und schaut dann wieder zu den Sternen hinauf.

Endlich kommt Dr. Hinterholzer. Sofort rennt er auf ihn zu und sieht ihn voll banger Spannung an.

"Was ... was ist denn eigentlich los?"

"Ein Mädchen ist es. Eine schwere Geburt. Wirklich, solche Geburten habe ich nicht viele gehabt. Aber nun ist es ja glücklich vorüber. Ich gratuliere, Helmbrecht. Ein gesundes Mädchen, fast acht Pfund. Na ja, jetzt haben Sie ein Pärchen."

Helmbrecht atmet glücklich und befreit auf, dann schiebt er seinen Arm unter den des Arztes.

"Trinken wir ein Gläschen."

"Nein, danke", sagt der Arzt, "jetzt nicht. Aber etwas anderes: Im Ernst, Helmbrecht, noch eine Geburt hält Ihre Frau nicht durch. Wohl oder übel müssen Sie sich damit abfinden, dass es bei diesen Zweien bleiben muss."

Heinrich Helmbrecht starrt den anderen mit einem Blick an, in dem sich mehr Verlegenheit als Enttäuschung spiegelt. Dann wirft er den Kopf in den Nacken: "Ist gut, Doktor, ich danke Ihnen."

Er geht rasch ins Haus und schleicht auf Zehenspitzen hinauf in das obere Stockwerk, dabei nimmt er sogar die Hand vom Stiegengeländer, weil es so durchdringend knarrt. Ihm ist ganz feierlich ums Herz.

In grenzenloser Erschöpfung liegt seine Frau in den Kissen. Dunkles Haar umrahmt die marmorweiße Stirn. Die Stunden dieser Nacht haben die Schönheit ihres Gesichtes ein wenig verwischt. Jetzt aber schläft sie tief. Das Zimmer ist erfüllt vom Geruch starker Medikamente. Über dem Bett lächelt

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