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Ein Gefühl von Hoffnung Roman von Völler, Eva (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2020
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Ein Gefühl von Hoffnung

Das Ruhrgebiet Ende der 1950er Jahre: Das drohende Zechensterben treibt die Bergleute auf die Barrikaden. Johannes, der sich nach seinem schweren Unfall als Gewerkschafter engagiert, kämpft für die Interessen der Belegschaften. In diesen Zeiten des Umbruchs suchen die junge Buchhändlerin Inge und ihre rebellische Schwester Bärbel ihren Platz im Leben, jede auf ihre Art. Doch immer mehr Konflikte belasten den Familienfrieden, als eine unmögliche Liebe entsteht ...

Geboren und aufgewachsen am Rande des Kohlenpotts, hat Eva Völler sich schon als Kind gern Geschichten ausgedacht. Trotzdem verdiente sie zunächst als Juristin ihre Brötchen, bevor sie ihr Hobby zum Beruf machte. Mit den beiden Romanen über das Ruhrgebiet und seine Bewohner - Ein Traum vom Glück und Ein Gefühl von Hoffnung - hat sie sich einen Herzenswunsch erfüllt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 447
    Erscheinungsdatum: 28.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732594375
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1661 kBytes
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Ein Gefühl von Hoffnung

Kapitel 1

»Hoch soll er leben, hoch soll er leben, dreimal hoch!« Die Familie sang das Lied im Chor, während das Geburtstagskind auf einem Stuhl stand und die Ehrung verlegen über sich ergehen ließ. Dem siebenjährigen Jakob war es sichtlich unangenehm, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Nicht nur seine Wangen waren rot angelaufen, sondern auch die leicht abstehenden Ohren schimmerten rötlich, zusätzlich angestrahlt von den Kerzen des Weihnachtsbaums, der hinter ihm stand. Die Festtage waren zwar bereits vorbei, aber der Baum würde wie jedes Jahr bis zum Dreikönigstag stehen bleiben.

Auch auf der Geburtstagstorte des Jungen brannten Kerzen, und nachdem der letzte Ton des Lieds verklungen war, hob Johannes den Kleinen vom Stuhl, damit er sie auspusten konnte.

»Komm schon, alle auf einmal«, sagte er aufmunternd, und dabei spiegelte sich seine tiefe Zuneigung zu dem Kind in seinen Zügen wider.

Jakob holte tief Luft, und unter dem jubelnden Beifall der Familie blies er mit einem kräftigen Pusten alle Kerzen aus.

»Vergiss nicht, dir was zu wünschen!«, rief seine Schwester Bärbel, und Jakob kniff fest die Augen zu, sichtbares Zeichen für die Dringlichkeit seines Wunschs. Seine älteste Schwester Inge, die am Vortag ebenfalls ihren Geburtstag begangen hatte, kämpfte mit den Tränen. Sie wusste genau, was er sich erträumte - er wollte nicht länger zur Schule gehen. Das hatte er auch schon auf den Wunschzettel fürs Christkind geschrieben.

Im Leben eines jeden Menschen gibt es Wünsche, die so elementar sind, dass man alles nur Erdenkliche tun würde, um sie wahrzumachen. So wie sie selbst in jener Nacht vor sieben Jahren, als ihre Mutter bei Jakobs Geburt gestorben war. Inge hätte in ihrer Verzweiflung jeden Pakt mit dem Teufel geschlossen, wenn er es ungeschehen gemacht hätte.

Doch solche Wünsche erfüllten sich bekanntlich nie, und auch ihr kleiner Bruder würde lernen müssen, mit den Zwängen des Lebens klarzukommen. Der Schule entging man nicht. Jedenfalls nicht, wenn man sieben Jahre alt und in der ersten Klasse war.

»Willst du nicht deine Geschenke auspacken?« Johannes zeigte auf den Stapel bunt verpackter Gaben, die Inge liebevoll auf einem Beistelltischchen dekoriert hatte.

Das ließ sich Jakob nicht zweimal sagen. Unter den fröhlichen Kommentaren von allen Seiten zog er vorsichtig das Papier von den Päckchen und begutachtete seine Geschenke. Mehrere Spielzeugautos und ein Bastelset für ein Flaschenschiff von Johannes und Hanna, ein Säckchen Murmeln und eine Tafel Schokolade von Bärbel, ein Geldumschlag von Mine und Karl. Und ein selbst gestrickter Pulli und ein Buch von Inge. Gut erzogen wandte er sich an die Runde und bedankte sich höflich.

Reihum drückten und herzten alle Familienmitglieder den Kleinen, obwohl er schon im Laufe des Tages diverse Umarmungen, Küsse und Streicheleien erduldet hatte. Wieder ließ er die familiäre Zuwendung geduldig, aber mit sichtlichem Unbehagen über sich ergehen. Je länger es andauerte, desto gequälter wurde sein Lächeln, und schließlich bereitete Inge dem Ganzen ein Ende, indem sie Jakob an ihre Seite zog und erklärte, nun sei es Zeit für den Geburtstagskaffee. Sie wies Jakob an, alle Geschenke in sein Zimmer zu bringen, und Bärbel musste das Papier von den Verpackungen glatt streichen und zusammenlegen, damit es noch einmal verwendet werden konnte.

Inge hatte den Wohnzimmertisch ausgezogen und hochgekurbelt, sodass sie alle daran Platz fanden. Johannes und Hanna saßen nebeneinander, gegenüber von Mine und Karl. Am Kopfende saß Bärbel, und Inge hatte ihren Platz auf der anderen Seite des Tisches, neben Jakob. Es war eng, aber gemütlich, und zu Inges Erleichterung herrschte eine aufgeräumte, beinahe heitere Stimmung. Sie selbst bemühte sich, ebenfalls dazu beizutragen, indem sie kleine Scherze einstreute oder über die Bemerkungen der anderen lachte. Etwa, als Hanna in launiger Manier erzählte

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