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Ein halbes Jahr zum Glück von Timmer, Julie Lawson (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.04.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Ein halbes Jahr zum Glück

Die frisch geschiedene Markie Bryant zieht mit ihrem Sohn Jesse in einen heruntergekommenen Vorort. Hier will sie sich vor der Welt verkriechen, aber sie hat die
Rechnung ohne ihre neue Nachbarin gemacht: Die resolute Mrs Saint erklärt es zu
ihrer Mission, Markie aus ihrem Schneckenhaus zu holen.
Diese wehrt sich mit Händen und Füßen gegen Mrs Saints Einmischungen. Doch
schließlich muss sie zugeben, dass die Maßnahmen ihrer Nachbarin tatsächlich helfen.
Und dann kommt der Tag, an dem Mrs Saint auf einmal Markies Hilfe braucht ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 463
    Erscheinungsdatum: 27.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732556120
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Mrs. Saint and the Defectives
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Ein halbes Jahr zum Glück

Eins

Erst als Markie mit eigenen Augen sah, wie die Hände ihres Ehemannes die Brüste einer anderen Frau umfassten, wurde ihr klar, dass sie ihre Probleme nicht mehr länger unter den Teppich kehren konnte. Wobei das nicht ganz stimmte. Auch wenn sie sich schämte, es zuzugeben, sah es in Wirklichkeit so aus: Hätte Markie sie - seine Hände und diese Brüste, die nicht ihre eigenen waren - in ihrem Schlafzimmer oder in einem schäbigen Hotelzimmer gesehen, in das sie gerade geplatzt war, dann hätte sie womöglich immer noch nicht offen zugegeben, dass etwas nicht stimmte. Es hatte schon früher andere Frauen gegeben, doch nachdem lediglich Markie, Kyle und seine jeweilige Geliebte davon gewusst hatten, war es nicht schwer gewesen, es geheim zu halten. Und es war Markie leichtgefallen, es zu verdrängen.

Lippenstiftspuren auf Hemdkragen, der Duft eines fremden Parfums - warum sollte sie sich über solche Dinge Gedanken machen, wenn sie sie so leicht beiseiteschieben und stattdessen mit ihrer Scharade der glücklichen Ehefrau weitermachen konnte? Um genau zu sein, war ihr Leben ja einfach beneidenswert . Kyle konnte zwar kein Versprechen halten, verlor einen Job nach dem anderen, gab mehr aus, als er verdiente und lieh sich mehr, als er zugab. Doch er war gut aussehend, fit und sexy. Und Markie wusste, dass es auf den Dinnerpartys der Privatschule von Saint Mark's und auch an den allseits beliebten Abenden im Casino, an denen alle Väter Smoking trugen, keine einzige Mutter gab, die diesen Mann nicht gerne mit nach Hause genommen hätte.

Doch Verdrängen war mittlerweile keine Option mehr, denn Markie hatte sie - seine Hände und diese Brüste, die nicht ihre eigenen waren - auf dem Display eines Telefons gesehen. Und dieses Telefon hatte sich in den Händen einer Mutter aus dem Mütterkomitee der Schule befunden. Auf dem Display eines Telefons, über das sich gerade fünf andere, in figurformendes Elasthan gequetschte, botoxgespritzte Mütter beugten. Sie saßen flüsternd in einer Nische des protzigen Restaurants nahe der Schule, deuteten auf das Telefon, ermahnten sich gegenseitig, leiser zu sein, und lächelten zwar nicht gerade hocherfreut, aber doch irgendwie voller Genugtuung. Und so wusste Markie, als sie nach Hause stürmte, brüllend die Einfahrt hochhetzte, ins Haus stürzte und ihren Mann endlich zur Rede stellte, dass sich die Nachricht in diesem Moment gerade an der ganzen Schule und an ihrem Arbeitsplatz (was im Grunde dasselbe war) verbreitete. Von den Müttern des Mütterkomitees bis zum Personal und schließlich zu den Schülern. Zu denen auch der gemeinsame Sohn Jesse gehörte, der in diesem Jahr die achte Klasse besuchte.

Danach würde es sicher nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch die anderen Tatsachen ans Tageslicht kamen, die Markie so lange ignoriert hatte: Kyles zahlreiche Liebschaften, das Überziehen von Kreditkarten, von denen Markie nicht einmal etwas gewusst hatte, und das Leerräumen ihres Bankkontos, ihres Sparkontos sowie der Fonds, die für Jesses Privatschule und die spätere Collegeausbildung gedacht waren.

Und selbst wenn diese Details sich nicht auf dem Campus der Schule, in der Nachbarschaft und in der ganzen Stadt herumsprachen - Markie würde sich hüten, alles auszuplaudern, und Kyle würde sicher nicht sämtliche Fehltritte zugeben -, wäre spätestens wenn Jesse im nächsten Herbst nicht mehr in der Schule erschien allen klar, dass auch in finanzieller Hinsicht irgendetwas vorgefallen sein musste. Und dass dieses Etwas , was auch immer es war, genauso schrecklich war wie die Tatsache, dass sich das Foto von Kyles Händen und den Brüsten der anderen Frau mit der Zeit auf den Telefonen sämtlicher Bekannten wiederfinden würde. Markie würde all diesen Menschen niemals mehr gegenübertreten können.

Kyle zog noch am selben Abend aus. Es war kurz nach Ostern. Jesse hatte noch einige Wochen, bis das Schuljahr endete. Dank seines Vaters hatten sie

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