text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ein Lied von Liebe und Verrat Roman von Brown, James William (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.07.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ein Lied von Liebe und Verrat

Griechenland 1945. Der Krieg ist vorbei, die junge Aliki und ihre Freunde Takis und Stelios haben überlebt. Aber ihre Heimat und ihre Familien haben sie verloren. Geblieben ist ihnen ein Schattentheater, das sie allabendlich zum Leben erwecken, mal in Athen, mal auf Kreta. Mitten im Chaos der Nachkriegszeit zaubern sie damit ein Lächeln auf die Gesichter ihrer Zuschauer. Das gemeinsame Schicksal schweißt die drei Jugendlichen zusammen, doch Misstrauen und Eifersucht drohen ihre Freundschaft zu zerstören ... James William Brown, geboren in Illinois, war Wallace-Stegner-Stipendiat in Stanford und hat zahlreiche Geschichten, Artikel und Rezensionen veröffentlicht. In New York, Boston und Athen hat er als Verlagsleiter gearbeitet. Nach zehn Jahren in Griechenland lebt er heute mit seiner Frau in der Nähe von Boston. Ein Lied von Liebe und Verrat ist sein erster Roman, der auf Deutsch erscheint.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 446
    Erscheinungsdatum: 31.07.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572670
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: My Last Lament
Weiterlesen weniger lesen

Ein Lied von Liebe und Verrat

KASSETTE 1, SEITE 2

E ntschuldigung wegen der Unterbrechung. Ich muss daran denken, auf das kleine Rädchen zu achten, wenn es aufhört, sich zu drehen. Und während ich die Kassette umgedreht habe, kamen die Nachbarn ein weiteres Mal vorbei wegen Zephyra. Sie hätte nach mir gefragt, sagten sie. Und eigenartige Geräusche gemacht. Der Arzt sowie der Priester, Vater Yerasimos, wären da gewesen und wieder gegangen; es gab nichts mehr, was sie für Zephyra tun konnten. Als ich dort ankam, saß Zephyra aufrecht im Bett, doch ihr Gesicht war ganz verkniffen und schmal. Schwierig, darin das Mädchen zu sehen, das ich so lange gekannt hatte. Als ich sie fragte, wie sie sich fühlte, fing sie an, dieses eigenartige Geräusch zu machen, "Määähhh, määähhh." Ich wusste nicht, was es bedeutete, und sagte ihr, wer ich war. Ihr Gesichtsausdruck änderte sich langsam, als sie mich zu erkennen schien. Ihre Augen füllten sich, und sie nahm meine Hände in die ihren, während sie versuchte, Worte zu formen.

"Nicht ... meine Schuld", sagte sie mühsam, und dann sagte sie es noch einmal. Bevor ich sie fragen konnte, was nicht ihre Schuld war, fiel sie wieder auf dieses eigenartige Geräusch zurück. "Määähhh ..." , wie ein Schaf oder eine Ziege. So ging es mehrere Minuten lang weiter, und ich konnte sehen, wie sie sich bemühte, es unter Kontrolle zu bringen. Wer versteht schon, welche Lebenserinnerungen vor dem inneren Auge der Sterbenden vorbeiziehen?

Sie ließ meine Hände los und schien ein wenig zu treiben, doch dann fokussierte sich ihr Blick wieder, und sie machte erneut dieses Geräusch, "Määähhh, määähhh ..." Mir wurde bewusst, dass sie mit ihrem verkniffenen Gesicht und ihrer langen Nase beinahe aussah wie eine Ziege. Ich hätte diesen Gedanken vielleicht nicht gehabt, wenn sie nicht immer wieder dieses Geräusch ausgestoßen hätte, lauter und lauter. "Määääähhhhhh, määääähhhhhh, määääähhhhhh." Und dann, es ist schwer zu glauben, fing sie tatsächlich an zu blöken wie ein Lamm, wenn es von seiner Herde getrennt wird. Dabei scharrte sie mit den Händen auf ihrem Bettzeug.

Es war nicht das erste Mal, dass ich derartige Dinge gesehen hatte. Wenn man so eng mit Tieren zusammenlebt, wie es viele von uns hier tun, dann scheinen sich die Kreaturen irgendwie einen Weg in unsere Seelen zu bahnen. Warum sonst hätte der alte Yannis, möge die Erde leicht auf ihm ruhen, seinem Esel die Schuld geben sollen, wann immer der Regen seine Flachssaat weggespült hatte? Er geriet in helle Wut und schlug wie besessen auf das Tier ein, und eines Tages schlug er es tatsächlich tot. Ein paar Jahre später, als Yannis' letztes Stündlein gekommen war, setzte er sich im Bett auf und iahte genau wie die sterbende Kreatur. Die Taten eines Menschen fallen manchmal auf einen zurück, bevor man stirbt, und sie lassen die Seele nicht entkommen. Aber was bedeuteten die Geräusche in Zephyras Fall?

"Beruhige dich, Zephyra", sagte ich zu ihr und versuchte, ihr die Hand zu tätscheln, doch sie scharrte weiter über ihr Bettzeug. Ich sagte den Frauen, die sich draußen vor ihrem Haus versammelt hatten, sie sollten nach Aphrodite schicken, der alten Wahrsagerin aus dem Nachbardorf. Sie sollte herkommen und ihre glimmenden Kräuter und Symbole über Zephyra schwenken. Auch wenn kaum noch jemand an diese Dinge glaubte, musste irgendetwas versucht werden, um Zephyra aus diesem Elend zu befreien, damit sie in Frieden sterben konnte.

"Ihre Seele kommt nicht frei", sagte ich zu den Frauen. "Irgendetwas hält sie zurück."

Später sah ich, wie sie Aphrodite an meinem Haus vorbei zum Haus von Zephyra führten. Sie war also aus dem Nachbardorf hergekommen, und wie jedes Mal wunderte ich mich, warum Wahrsagerinnen stets so elend aussehen müssen. Aphrodite - welch ein Name für sie! - sieht immer aus, als hätte sie sich in zwei oder d

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen