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Ein Mann wie Holm Holm ist 37 und wohnt auf dem Sofa seiner Tante von Keidtel, Matthias (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.03.2014
  • Verlag: dotbooks
eBook (ePUB)
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Ein Mann wie Holm

Holm wusste überhaupt sehr wenig über das Freizeitverhalten seiner Altersgenossen. Seit dem Ende seiner Schulzeit hatte er kaum noch mit ihnen zu tun gehabt. Was taten diese Menschen nach Einbruch der Dunkelheit? Holm ist Ende 30, lebt bei seiner Tante, die eine Vorliebe für Eierlikör hat, und war noch nie mit einer Frau zusammen. Vielleicht ist das nicht normal, aber ein Mann wie Holm braucht auch keine Abenteuer. Schließlich ist es aufregend genug, auf der Suche nach Toilettenpapier die Abteilung für Intimpflege eines Supermarktes zu durchforsten. Aber dann lernt Holm eine Frau kennen - und das ist schon für normale Menschen ein Ereignis, das zu Komplikationen führen kann. Ist es Liebe? Und wenn ja, woran erkennt man das? "Der ewige Muttersohn, die Generation Praktikum, die Unfähigkeit, Sexualität zu leben - eine gelungene Humoreske!" arte Jetzt als eBook: 'Ein Mann wie Holm' von Matthias Keidtel. dotbooks - der eBook-Verlag. Matthias Keidtel wurde 1967 in Itzehoe in Schleswig-Holstein geboren und wuchs im Iran und in Japan auf. Er studierte Germanistik und Geschichte an der Freien Universität Berlin. Nach ersten Veröffentlichungen machte Matthias Keidtel das Schreiben 1998 zum Hauptberuf. Mit seiner Familie lebt er heute in Berlin-Kreuzberg. Bei dotbooks erschienen bereits Matthias Keidtels Romane 'Ein Mann wie Holm" und 'Das Leben geht weiter".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 03.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955205263
    Verlag: dotbooks
    Größe: 633 kBytes
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Ein Mann wie Holm

1.

Holm mochte, wenn es bewölkt war, dann konnte man ihn aus dem All nicht beobachten. Er war nämlich davon überzeugt, dass die Satelliten, die um die Erde kreisten, jeden Menschen auf seine Daseinsberechtigung überprüften. Die Wolken waren wie eine riesige Bettdecke, unter der er sich vor den Anforderungen des Lebens versteckt hielt.

Eines Tages, der Himmel war klar und die Aussichten versprachen angenehme Temperaturen, bemerkte Holm, dass er sich auf der Welt noch immer nicht völlig eingelebt hatte. Bei einem Spaziergang erkannte er, dass die Fäkalien sämtlicher Häuser der Stadt durch Rohre sackten und dann in unterirdischen Kanälen Kläranlagen zugeführt wurden, ohne dass ihm jemals Beförderungsprobleme zu Ohren gekommen wären. Denn die Stadt war groß. Sie war sogar noch größer geworden seit der Vereinigung ihrer Hälften. Trotzdem hatte man nie gehört, dass der Unrat irgendwo stecken blieb, selbst wenn alle vier Millionen Einwohner gleichzeitig auf die Toilette gingen. In einem Alter von fast vierzig Jahren musste Holm feststellen, dass die Stadt ein äußerst sensibles System ineinander greifender Funktionen war, und wenn auch nur eine Funktion, ein Rohr oder Abwasserkanal, ausfiel, würden auch die restlichen Einwohner erkennen, dass sie auf einer riesigen Kloake wohnten. Diese Erkenntnis machte das Leben nicht leichter. Die Vorstellung, sein Tagewerk auf einer stinkenden Brühe zu verrichten, unterhöhlte jeden Versuch, es sich auf der Erde gemütlich zu machen. Was zählten schon edle Zigarren, alte Rotweine oder rahmengenähte Schuhe, wenn unter Holm Damenbinden, Erbrochenes und Verdautes vorbeifloß. Man musste schon ziemlich abgebrüht sein, um nicht daran zu denken, während man an seinem `73er Château Margaux nippte. Du brauchst eine Frau, sagte Gesine Mugsch, seine Arbeitskollegin, anderntags im Geschäft, nachdem ihr Holm von seinen Sonntagsgedanken erzählt hatte. Und Gesine Mugsch, die eigentlich Muschg hieß, was Holm aber nie gelang fehlerfrei auszusprechen, Gesine Mugsch musste es schließlich wissen, denn sie war nach eigener Aussage seit mehr als zwanzig Jahren glücklich verheiratet. Wenn das die Abwasserproblematik verständlicher macht, antwortete Holm, bin ich bereit mir eine Frau zu suchen.

Holm war siebenunddreißig Jahre alt und wunderte sich über fast alles. Vielleicht lag es daran, dass er langsamer dachte als die anderen. Manchmal dachte er so langsam, dass sich die Gedanken wie in Zeitlupe durch seinen Kopf bewegten, selbst wenn er wollte, hätte er diesen Prozess nicht beschleunigen können. Holms größtes Problem war, dass er die Erscheinungen des Lebens nicht gleichzeitig, sondern nacheinander wahrnahm, so dass ihm der Überblick fehlte, der zum Verständnis der Zusammenhänge notwendig war. Deshalb reiste Holm auch nicht gerne, weil alles in rasender Geschwindigkeit aufeinander folgte und keinen Moment zur Ruhe kam. Von der Welt kannte er nur Kärnten, das reichte. Ihm genügte es, dass jeden Tag die Sonne aufging und er immer noch am Leben war. Auch das schien nämlich nicht selbstverständlich. So wunderte er sich einmal vor dem Einschlafen, dass sein Herz unbeirrt weiterschlug, während das Bewusstsein den Geist einfach aufgab und Nachtruhe hielt. War es denkbar, fragte sich Holm besorgt, dass auch sein Herz einmal Nachtruhe hielt, um sich von der Arbeit zu erholen? Ein furchtbarer Irrtum wäre geschehen, meinten die Ärzte später nach der Obduktion, Holms Herz hätte versehentlich um Jahrzehnte zu früh aufgehört zu schlagen. Niemand könne sich diesen Irrtum erklären, man stehe vor einem medizinischen Rätsel. Mehrere schlaflose Nächte verbrachte Holm mit der Angst, dass ein Feh

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