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Ein Sofa voller Frauen Roman von Beckerhoff, Florian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.03.2014
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Ein Sofa voller Frauen

Frauen der Welt, kommt auf diese Couch! Mittdreißiger Dickie kommt nicht ran an die Frauen. Seit er vor 18 Jahren mit seiner ersten flüchtigen Bekanntschaft gleich ein Kind gezeugt hat, geht nichts mehr. Bis seine Kumpel eingreifen und ihn heimlich beim Couchsurfing anmelden. Plötzlich kann sich Dickie vor lauter weiblichem Besuch gar nicht mehr retten. Und dann steht auch noch sein Sohn vor der Tür, um ihn kennenzulernen. Dickies erster Gedanke: Flucht! Doch dann wird ihm klar, dass es Zeit ist zu handeln: Denn seine erste Besucherin will ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf... 'Wer - Fleisch ist mein Gemüse - mochte, dem wird bei - Ein Sofa voller Frauen - das Wasser im Mund zusammenlaufen.' Bjarne Mädel (Der Tatortreiniger).

Florian Beckerhoff, geboren in Zürich, aufgewachsen in Bonn, promovierte in Literaturwissenschaften und schlug sich als Sprachlehrer, Museumswärter und Werbetexter durch. Nach einigen erfolglosen Versuchen, sich nach Schweden oder Louisiana abzusetzen, lebt er heute als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Berlin. Im Aufbau Taschenbuch ist sein Roman 'Ein Sofa voller Frauen', bei Rütten & Loening 'Drei nach Norden'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 06.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841207623
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Größe: 1315 kBytes
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Ein Sofa voller Frauen

VORSPIEL

Natürlich wusste ich, was synästhetisch bedeutet. Man schmeckte Blau, roch eine Durtonleiter oder hörte den Geschmack einer Wurst. Letzteres machte mir allerdings wirklich zu schaffen.

Der Auftraggeber wollte es noch knackschmatziger haben. So, dass die Endverbraucher am Radio auch mit vollem Tank und leerer Blase wie von selbst bei der nächsten Raststätte abfahren würden, um die unbändige Lust auf eine dieser eingeschweißten Würste zu befriedigen. Ich versprach bis Anfang nächster Woche Ergebnisse und legte das Telefon weg.

Kurz hielt ich inne, dann kletterte ich in meine schalltote Aufnahmebox, schloss die Tür hinter mir und riss die nächste Verpackung auf. Mit der Routine eines Akkordarbeiters entließ ich die in Kunstdarm gepresste Fleischmasse aus ihrem aromaversiegelten Gefängnis und führte sie zwischen meine Lippen. Ich spannte die Kiefermuskeln an, bis meine Zähne die Pelle platzen ließen und ins Wurstfleisch glitten. - SCHMATZ! -

Schnell spuckte ich das Wurstende in den Papierkorb. Dann hörte ich mir die Aufnahme an. - SCHMATZ! - Ich zögerte. Machte das wirklich Bock auf Bocki ®, die geilste Bockwurst aller Zeiten? Ich klickte noch einmal zurück. - SCHMATZ! - Es klang noch immer zu wurstig. Ich brauchte mehr Biss, mehr Knack, nur funktionierte Möhre genauso wenig wie Kohlrabi und Paprika. Selbst wenn ich von all den aufgenommenen Gemüseklängen nur leicht dazumischte, wurde es zu rohkostig. Die Mitbewerber setzten auf das reine Knacken des Naturdarms, oft mit Hall stark verfremdet, als kaufe jemand Wurst, der eigentlich Möhren wollte. Ich brauchte beides: die gesunde Frische des Gemüses und die Lust am Fleisch. KNACK und SCHMATZ! Und die Zeit rannte davon.

Die Uhr auf dem Monitor raunte mir zu, dass ich mich von der Bockwurst losreißen musste, wenn ich nicht viel zu spät zum Kegeln kommen wollte. Aber noch konnte ich nicht. Ich spürte, dass ich kurz davor war. Es durfte nicht roh sein, aber auch nicht gekocht. Nicht Fleisch, nicht Fisch, nicht Gemüse. Da gab es etwas, doch ich kam nicht drauf. - SCHMATZ! - Noch einmal. - SCHMATZ! - Ja, da war etwas, ein Gefühl im Hinterkopf. - SCHMATZ!

"Denk nach, Dickie, denk nach! Du bist ganz kurz davor!", murmelte ich und spürte die erlösende Idee schon in mir, fühlte die vorfreudig ausgeschütteten Endorphine meinen Körper durchströmen, sah meine Hände vor lauter Glück zittern, als all das plötzlich verschwand, das Paradies seine gerade noch weit offen stehenden Pforten wieder verschloss. DAS DURFTE NICHT WAHR SEIN! Wer klopfte da an meiner Wohnungstür? Warum stellte man bitte seine Klingel ab?!

Wissend, wie unsinnig alles Klagen war, schickte ich den Rechner in den Halbschlaf und ging durch den Flur, um Ingo hereinzulassen, der mich zum Kegeln abholte. Ich schluckte den Ärger runter und tätschelte mit flacher Hand die Freundesschulter. Kein Wort von dem so plötzlich unterbrochenen Fluss meiner so kostbaren Kreativität, davon, dass er mich um die Frucht von Stunden harter Arbeit brachte. Nichts. Kegeln war heilig, so lästig der Club-Termin gelegentlich auch war. An diesem Novembertag wäre ich besser zu Hause geblieben. Kaum waren die ersten Kegel gefallen, ging es wieder einmal darum, dass ich dringend weibliche Gesellschaft brauche.

"Ich sag's dir, Dickie, das ist der Hammer", rief Fissel und wischte sich den Bierschaum aus dem Bart. "Du siehst die Welt und kommst umsonst bei irgendeiner Alten unter!"

"Ich will nix von der Welt und von irgendeiner Alten sowieso nicht", me

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