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Ein Sohn der Sonne von London, Jack (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
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Ein Sohn der Sonne

"Ein Sohn der Sonne" ist ein 1912 erschienener Roman des US-amerikanischen Schriftsteller und Journalisten Jack London. Der englische Originaltitel lautet "A Son of the Sun".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 196
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744853798
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 290 kBytes
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Ein Sohn der Sonne

Ein Sohn der Sonne

I.

Die Willi-Waw lag in der Durchfahrt zwischen Küstenriff und Auenriff, wo das leise Murmeln der trägen Brandung erklang; aber die Wasserfläche, die keine hundert Schritt weit bis zu dem weißen Strande aus feingemahlenem Korallensand reichte, war glatt wie ein Spiegel. In der engen Durchfahrt lag das Schiff an einer Stelle verankert, die ihm kaum erlaubte zu schwojen, und seine Ankerkette lag auf einer Strecke von hundert Fuß in Windungen auf dem aus lebenden Korallen bestehenden Grunde. Wie eine riesige Schlange wand sich die rostige Kette über den Boden des Ozeans, ging mehrmals über ihre eigenen Glieder hinweg, um schließlich in einem nutzlosen Anker zu enden. Große, dunkle, gesprenkelte Schellfische spielten vorsichtig Verstecken zwischen den Korallenzweigen. Andre Fische von grotesken Formen und Farben zeigten kecke Gleichgültigkeit, selbst wenn ein großer Fischhai langsam vorbeiglitt und die Schellfische in wilder Flucht in ihre Schlupfwinkel jagte.

Vorn an Deck waren ein Dutzend Schwarze eifrig beschäftigt, die Teakholzreling abzuschrubben. Sie benahmen sich dabei so ungeschickt wie Affen. Tatsächlich erinnerten sie stark an Affen von irgendeiner riesigen prähistorischen Art. In ihren Augen lag die jammervolle Kläglichkeit des Affen, ihre Gesichter waren sogar noch unsymmetrischer, und mit ihren unbehaarten Körpern wirkten sie noch nackter als Affen, denn sie waren gänzlich unbekleidet. Dafür waren sie aber geputzt, wie kein Affe es je gewesen. In den durchlöcherten Ohren trugen sie kurze Tonpfeifen, Schildpattringe, riesige Holzpflöcke, rostige Nägel und alte Patronenhülsen. Die kleinsten Löcher, die ein Ohr aufwies, hatten das Kaliber einer Winchester-Büchse, einige der größeren einen Durchmesser von einem Zoll, und jedes einzelne Ohr war durchschnittlich mit drei bis sechs Löchern versehen. Durch ihre Nasen waren lange Nägel und Pfriemen aus polierten Knochen oder Muschelschalen gesteckt. Einem hing ein weißer Türknauf auf der Brust, einem andern der Henkel einer Porzellantasse und einem dritten das kupferne Zahnrad einer Weckuhr. Sie schwatzten mit sonderbaren Fistelstimmen, und alle zusammen leisteten nicht mehr als ein einziger weißer Matrose.

Achtern, unter einem Zeltdach, saßen zwei Weiße. Sie trugen jeder ein Sechs-Penny-Hemd und einen schmalen Lendenschurz. Um den Leib hatten sie einen Riemen mit einem Revolver und einem Tabaksbeutel geschnallt. Der Schweiß stand ihnen in Myriaden von Kügelchen auf der Haut. Hier und dort flossen die Kügelchen zu winzigen Strömen zusammen, die auf das erhitzte Deck tropften und fast sofort verdampften. Dem mageren, dunkeläugigen Mann wurden vom Abwischen der Stirn die Finger naß, und er schleuderte die Tropfen mit einem Fluch von sich. Er ließ den Blick matt und hoffnungslos über das Außenriff bis zu den Kronen der Palmen am Strande gleiten.

"Acht Uhr", klagte er, "und dabei wird es erst mittags richtig warm. Ich bitte Gott um ein bißchen Wind. Sollen wir denn nie von hier wegkommen?"

Der andere, ein schlanker, fünfundzwanzigjähriger Deutscher mit der breiten Stirn eines Gelehrten und dem weichenden Kinn eines Degenerierten, gab sich nicht die Mühe, zu antworten. Er war damit beschäftigt, Chininpulver in ein Stück Zigarettenpapier zu schütten. Als er etwa 50 Gramm genommen hatte, rollte er das Papier zu einem Kügelchen zusammen, schob es in den Mund und verschluckte es ohne Wasser.

"Wenn ich nur etwas Whisky hätte", keuchte der erste Mann nach einer Pause von einer Viertelstunde.

Es verging etwa dieselbe Zeit, bis der Deutsche ohne besonderen Anlaß äußerte: "Ich verbrenne vor Fieber. Sobald wir nach Sydney kommen, werde ich Sie verlassen, Griffiths. Ich habe genug von den Tropen. Ich hätte klüger sein und mich nicht heuern lassen sollen."

"Ein guter Seemann sind Sie gerade nicht", erwiderte Griffiths, dem es selbst zu warm war, als daß er si

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