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Ein Sohn des Volkes (Historischer Roman) Aus den Wirren der Französischen Revolution von Schücking, Levin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.01.2016
  • Verlag: e-artnow
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Ein Sohn des Volkes (Historischer Roman)

Dieses eBook: 'Ein Sohn des Volkes (Historischer Roman)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Aus dem Buch: 'Wir haben Karl in dem Augenblick verlassen, als er mit der Nachricht vom Tode Kaiser Joseph's aus Wien eilte. Mit dem Kaiser war in unserm Helden die Hoffnung gestorben, daß vom Principe der alten Welt aus, durch die gottgegebene Macht der Kronen die Menschheit der staatlichen und sittlichen Verjüngung zugeführt werden könne, welche sie bedurfte. Aber nicht in seiner Brust allein lebte diese Überzeugung; sie hatte die denkenden Köpfe der ganzen Zeit erfaßt und in Frankreich war sie zu der nothwendigen Schlußfolgerung vorgeschritten: es hat also das Volk selber jene Verjüngung vorzunehmen. Das Volk in Frankreich war in voller Thätigkeit.' Levin Schücking (1814-1883) war ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Im besonderen ist es Schücking sehr oft gelungen, den Übergang von der alten zur neuen Zeit im Revolutions- und Napoleonischen Zeitalter mit eigentümlicher Stimmungsgewalt darzustellen. Landschaftlicher Hintergrund vieler seiner Erzählwerke sind Westfalen und das Rheinland, was ihm die Bezeichnung eines 'westfälischen Walter Scott' eintrug.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 740
    Erscheinungsdatum: 11.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026849650
    Verlag: e-artnow
    Größe: 770 kBytes
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Ein Sohn des Volkes (Historischer Roman)

Zweites Kapitel.

Inhaltsverzeichnis
Am folgenden Morgen finden wir unsere Familie um den Frühstückstisch versammelt, der in einem großen Zimmer des Erdgeschosses von Haus Schwalborn stand. Die Fenster, welche nach dem Garten hinausgingen, waren von den Wipfeln der nächsten Obstbäume vor den Strahlen der Sonne geschützt, und der Raum hatte dadurch etwas Schattiges und Düsteres bekommen. Dunkles Holzgetäfel erhöhte diesen Eindruck. An den Wänden umher hingen die Bilder der Vorfahren, Physiognomien ohne große Bedeutung, anständige Gesichter ehrenwerther Leute, in deren Zügen weder große Leidenschaften noch große Schicksale sich aussprachen. Nur Ein Bild machte eine Ausnahme dies stellte eine Klosterfrau dar, deren blasses, sanftes Gesicht mit einem Ausdruck von Melancholie aus der Stirnbinde und den Linonfalten hervorsah, daß es Einem das innerste Herz rührte. Neben ihrem Bilde hing sonderbarer Weise ein anderes, augenscheinlich von gleicher Hand gemalt und in gleichen Rahmen gefaßt, das einen stattlichen, derben, keckblickenden Bauer darstellte. Wie dieses Plebejergesicht in der Ahnengalerie des freiherrlichen Hauses Schwalborn Aufnahme gefunden, ist ein Räthsel, dessen Lösung wir erst von der Zukunft erwarten können.

Die Gesellschaft war auffallend still heute, beinahe gedrückt. Gnaden Mama hatte sich am Abend zuvor mit dem Verwalter gezankt, und demzufolge war ihre gefältelte Nachthaube noch diesen Morgen weit tiefer über das linke Ohr gezogen als über das rechte, - in Umstand, der allen Hausbewohnern einen unerfreulichen Eindruck machte, denn er deutete auf stürmische Witterung. Der Freiherr von Schwalborn grübelte über die roth angestrichene Stelle des Reichspostreiters nach, welche der Hauptmann am Abend zuvor ihm mitgetheilt hatte; und diese Stelle enthielt genug, um einen ruhigen Mann von gesunden Grundsätzen ärgerlich zu machen. Ja, ja, es gingen Dinge in der Welt vor, welche Guntram von Schwalborn durchaus nicht gefielen; der Hexentanz der "Vernunft" in Frankreich wirbelte in immer weitern Kreisen umher und kam somit näher und näher. Am stillsten war der Domherr; dem war immer, als hätte er ein schlechtes Gewissen, wenn die gestrenge Dame verdrießlich war, und er vermied es, seine Schwägerin anzusehen. Aber desto aufmerksamer war er für ihre Bedürfnisse; er schob ihr bald die Butterdose aus Meißner Porzellan zu, bald hielt er ihr mit graziösem Lächeln die silberne Zuckerschale hin, - kleine Dienste, an welche Karl heute seltsamer Weise gar nicht dachte; mit Karl mußte überhaupt etwas vorgegangen sein; er hatte am Abend zuvor Cölestinen nach Hause begleitet - war zwischen Beiden etwas vorgefallen? Marianne, die allein um seinen Ritterdienst wußte, sah ihn forschend an. Er war blaß, war zerstreut und ließ endlich gar den Deckel der Milchkanne auf seine Tasse fallen, daß der Henkel derselben abbrach und die dicken Kaffeetropfen auf Mariannens lilaseidenes Fichu spritzten.

Du bist heute sehr ungeschickt, Karl! sagte seine Mutter unwillig.

Es ist nur der Henkel, Gnaden Mama.

Eine Tasse ohne Henkel ist, was ein Mensch ohne Zopf, lieber Karl. Marianne, wirf die Tasse in den Schloßgraben.

Marianne ging, um zu gehorchen, und Karl entfernte sich, ohne sein Frühstück zu beenden.

Trotzkopf! sagte Frau von Schwalborn entrüstet. Da geht er. Was hat der Junge? Guntram, du solltest solch ein Betragen nicht dulden.

Was meinst du, liebe Agnes?

Ich meine, daß die Jugend von heute immer mehr ausartet. Hast du den Lambert Kersting neulich im Sonntagsstaat in der Pfarrkirche gesehen? Geputzt wie ein Zierbengel aus der Stadt. Weiße Weste, silbergrauen Frack, zwei Uhren, ganz wie der ärgste Muscadin.

Das ist ein toller Bursch! sagte der Domherr; er hat sich den schwarzen Hengst, den der alte Kersting großgezogen, zum Reitpferde dressirt, daß es eine Lust ist, die beiden Wildfänge zu sehen; man weiß nicht, wer toller, der Schwarze

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