text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ein Sommer und ein ganzes Leben Roman von Valentin, Kristina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2018
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ein Sommer und ein ganzes Leben

Katharina denkt an ihre Kinder, sie denkt an ihre Kunden, und viel zu selten denkt sie an sich selbst. Bis sie ihren neuen Nachbarn David kennenlernt, der sie charmant und schlagfertig zum Lachen bringt. David sitzt im Rollstuhl und schweigt über seine Vergangenheit genauso hartnäckig wie Katharina über ihren großen Schmerz. Immer wieder begegnen sich die beiden im Garten unter der alten Kastanie. Und für Katharina beginnt der überraschendste Sommer ihres Lebens ... Kristina Valentin lebt und arbeitete in Norddeutschland. Sie schreibt in jeder freien Minute, weil sie sich ständig neue Geschichten ausdenkt. Humorvoll und warmherzig erzählt sie von den Tücken des Alltags, der uns gelegentlich unerwartet aus dem Ruder läuft, von der Liebe und von Männern, die dazu neigen, das Leben ihrer selbstbewussten Heldinnen auf den Kopf zu stellen. Außerdem liebt sie Kaffee, ihren Garten und den leicht verrückten Terrier, mit dem sie sich das Büro teilt. Sie veröffentlicht auch unter den Namen Kristina Steffan und Kristina Günak.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 12.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641196837
    Verlag: Diana Verlag
    Größe: 2791 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ein Sommer und ein ganzes Leben

1

D ieser Mai hat es in sich. Es ist unfassbar heiß. Matt bleibe ich im Flur unserer kleinen Wohnung stehen und atme tief durch. Es fühlt sich ein wenig an, als würde ich versuchen, durch glühend heiße Watte zu atmen.

"Wam", murmelt meine Tochter Hanna in meine Halsbeuge, und ich lasse sie auf den alten Linoleumboden herunter. Mein Großer ist schon losgezogen, um alle Fenster aufzureißen. Lukas ist neun, und mich beschleicht immer häufiger die Vermutung, dass er der Einzige mit einer praktischen Veranlagung in unserer kleinen Familie ist. Das hat er von seinem Vater.

"Was gibt es zu essen?" Seine dunklen Haare sind vollkommen verschwitzt, und eine Welle der Zuneigung erfasst mich.

"Pizza", sage ich kurz entschlossen und bringe damit meine Kinder schlagartig an den Rand eines Glückstaumels. Lukas klatscht in die Hände, und Hanna schüttelt ihre Locken.

Wir lieben Pizza. Alle. Und dann leider auch noch diese mit chemischen Zusätzen vollgestopfte Tiefkühlpizza. Deswegen bemühe ich mich regelmäßig um eine ausgewogene, nährstoffreiche und biologisch wertvolle Ernährung, damit ich Tage wie diese vor meinem mütterlichen Gewissen verantworten kann. Aber dieser Tag schreit einfach nach Pizza, schließlich habe ich stundenlang zwei reichlich widerspenstigen Menschen beim Streiten zugeschaut. Ich bin Mediatorin, und mit Streitschlichten verdiene ich meinen Lebensunterhalt, aber heute war alles zu lang, zu vollgepackt, und ich bin zu erschöpft, um mehr als fünf Minuten in der Küche zu stehen.

Trotz dieser Zeitersparnis dauert es dann doch fast zwei Stunden, bis meine Kinder endlich im Bett liegen. Hanna will nicht duschen, Lukas will aus der Dusche nicht mehr raus und sieht sich trotz der Außentemperaturen außerstande, kälter als mindestens Körpertemperatur zu duschen. Das trägt nicht zur Verbesserung des Raumklimas bei. Ich überstehe die Duschorgie mit leicht vibrierenden Nerven und dicken Schweißtropfen, die mir den Rücken hinunterlaufen. In der Wohnung sind es mittlerweile gefühlte 56 Grad.

Gegen neun betrete ich endlich meinen Balkon, sinke auf den roten Holzstuhl nieder und gönne mir einen Schluck eisgekühlten Roséwein. Ich möchte vor Wonne aufstöhnen, sehe aber davon ab, weil nur zwei Meter neben mir Signora Rosa gerade dabei ist, ihre Wäsche platzsparend übereinander auf ihren Minibalkon zu hängen.

Sie freut sich, mich zu sehen, und strahlt über das ganze Gesicht. Signora Rosa kommt aus Rom und spricht nur sehr wenig Deutsch. Sie ist meine Nachbarin, seit ihr Mann vor vier Monaten ein italienisches Restaurant gleich bei uns um die Ecke eröffnet hat. In ihrer Heimat war sie Krankenschwester, und sie hat Lukas schon zweimal ein aufgeschlagenes Knie verarztet. Ich bin nämlich nur so lange hart im Nehmen, bis Blut ins Spiel kommt. Beim Anblick einer blutenden Wunde, die sich an einem Körperteil meiner Kinder befindet, drohe ich ernsthaft in Ohnmacht zu fallen. Aber Signora Rosa kann das. Generell ist sie ausgesprochen nett zu allen Menschen im Haus und kümmert sich allein um ihre vier Kinder. Ihr Mann arbeitet schließlich den ganzen Tag im Restaurant.

Ihre Wohnung ist exakt so groß wie meine - 65 Quadratmeter -, womit sie nicht nur ihre Wäsche in Etagen trocknen, sondern die ganze Familie auch in mehreren Etagen schlafen muss. Plötzlich verspüre ich tiefe Dankbarkeit, weil wir nur zu dritt in der kleinen Wohnung wohnen, und bemühe mich auch gleich um einen dankbaren Gesichtsausdruck - wer weiß, vielleicht guckt ja just in diesem Moment eine höhere Instanz auf mich herunter, und das würde dann sicherlich mein Karma verbessern. Zu Signora Rosa sage ich: "Feierabend!"

"Feierabend" war eines der ersten Wörter, die ich ihr beigebracht habe.

Signora Rosa nickt mir fröhlich zu. Dann lacht sie, winkt und entschwindet. Sicherlich nicht, um Feierabend zu machen, sondern vermutlich, um in ihrer Miniaturküche schnell noch

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen