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Ein Traum vom Glück Die Ruhrpott-Saga. Roman von Völler, Eva (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.03.2020
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Ein Traum vom Glück

Essen 1951: Nach der Flucht aus der Kriegshölle Berlin hat die junge Katharina Unterschlupf bei der Familie ihres verschollenen Mannes gefunden. Aber das Zusammenleben mit der barschen, zupackenden Schwiegermutter auf engem Raum fällt der lebenshungrigen Frau schwer. Sie will ein besseres Leben für sich und ihre beiden Töchter. Mit trotziger Entschlossenheit versucht sie, ihrem ärmlichen Umfeld zu entfliehen. Doch dann begegnet sie dem traumatisierten Kriegsheimkehrer Johannes ... Geboren und aufgewachsen am Rande des Kohlenpotts, hat Eva Völler sich schon als Kind gern Geschichten ausgedacht. Trotzdem verdiente sie zunächst als Juristin ihre Brötchen, bevor sie ihr Hobby zum Beruf machte. Mit Ein Traum vom Glück über das Ruhrgebiet und seine Bewohner hat sie sich einen Herzenswunsch erfüllt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 460
    Erscheinungsdatum: 27.03.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732586349
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1794 kBytes
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Ein Traum vom Glück

Kapitel 2

Nach der Arbeit wartete Johannes, bis Katharina und die beiden Mädchen wieder ins Haus gegangen und nach oben verschwunden waren.

Dann erst versuchte er, sich im Flur die Stiefel auszuziehen. Doch sosehr er auch daran zog und zerrte - er bekam sie nicht von den Füßen.

"Lasse an und komm erst ma rein", sagte Mine zu ihrem Enkel. Sie ging voraus in die Küche und befahl ihm, sich dort an den Tisch zu setzen.

Johannes legte den Kittel ab. Den Mantel hatte er bereits vor dem Kohleschaufeln ausgezogen und an der Garderobe im Flur aufgehängt. Die Sachen, die er darunter trug, waren abgetragen, wirkten aber nicht zerlumpt - ein grob gestrickter Pullover, dazu eine an den Knien geflickte Hose aus dickem Stoff. Unter dem Stuhl, auf dem er saß, hatte er seinen Rucksack deponiert. Viel schien nicht darin zu sein, er lag schlaff zusammengefallen auf dem Fußboden.

Mine hängte den verdreckten Kittel an einen Türhaken und wandte sich dann wortlos dem Herd zu. Sie brachte das Feuer in Gang und stellte die große gusseiserne Pfanne auf die Kochplatte, dann schnitt sie mit geübten Bewegungen geräucherten Speck klein und ließ ihn aus. Während er in der Pfanne vor sich hin schmurgelte, schälte sie ein halbes Dutzend große Kartoffeln und hobelte sie in dünne Scheiben, die zum Speck in die Pfanne kamen. Auf dieselbe Weise verfuhr sie mit zwei dicken Zwiebeln. Sie wendete alles sorgfältig, gab Salz dazu und ließ es anschließend unter gelegentlichem Umrühren auf kleiner Flamme braten. Im großen Topf daneben erhitzte sie Wasser. Die ganze Zeit drehte sie sich nicht zu ihrem Enkel um und sprach kein einziges Wort. Er selbst schwieg ebenfalls.

Irgendwann fragte sie schließlich: "Hasse Läuse?"

"Momentan nicht", antwortete er. "In meinen Sachen auch nicht. Wir haben vor dem Rücktransport noch saubere Kleidung bekommen."

Die Küchentür öffnete sich knarrend, und Bärbel kam hereingehüpft. "Ich hab's gerochen", sagte die Kleine mit einem Kichern. "Bräterkes! Krieg ich auch welche, Oma?"

Mine deutete mit dem Kinn zum Tisch. Bärbel setzte sich und begann sofort ohne jede Scheu eine Unterhaltung mit Johannes.

"Wie lange warst du in Russland gefangen?"

"Fast sechs Jahre."

"Mein Vater war auch Soldat. Er ist vermisst. Kennst du ihn?"

"Er ist mein Onkel. Ich bin ihm vor langer Zeit einmal begegnet, als ich hier zu Besuch war."

"Hast du ihn auch in Russland getroffen?"

Mine hielt jäh die Luft an, doch die Antwort fiel wie erwartet aus.

"Leider nicht."

"Warum warst du in Gefangenschaft?"

"Weil ich bei der Wehrmacht war."

"Das war mein Vater auch. Vielleicht ist er auch in Gefangenschaft gekommen."

"Ja, vielleicht. Es gibt immer noch sehr viele Kriegsgefangene in Russland."

"Warum durftest du nach Hause und die anderen nicht?"

"Das weiß ich nicht. Man hat es uns nicht gesagt. Mir nicht, und den Übrigen auch nicht."

An dieser Stelle geriet das Gespräch ins Stocken.

"Deck den Tisch", sagte Mine zu Bärbel, während sie die Schalen aus den zerbrochenen Eiern pickte. Sie kippte die zerlaufene Masse über die Bratkartoffeln und rührte ein paarmal um, dann legte sie einen Untersetzer auf den Tisch und stellte die heiße, dampfende Pfanne darauf. Bärbel hatte drei Teller vom Wandbord genommen und auf dem Tisch verteilt, auf derselben alten Wachstuchdecke, die bereits bei Johannes' letztem Besuch dort gelegen hatte. Mine entsann sich, wie der stille, verlegene Junge, der damals ungefähr so alt gewesen war wie Bärbel jetzt, mit dem Fingernagel ein paar Rillen hineingedrückt hatte. Auch die hatten sich über die Jahre erhalten. Anscheinend erinnerte er sich ebenfalls daran, denn er fuhr mit den Fingerspitzen darüber, als würde er einer verlorenen Fährte nachspüren.

Mine entging nicht, wie sehr seine Hände zitterten. Wie stark sein Körper sich angespannt hatte, wie seine Na

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