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Ein wirklich netter Typ von Starr, Jason (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Ein wirklich netter Typ

Nie war der arbeitslose New Yorker Schauspieler Tommy Russo so gut wie in seiner selbstausgedachten Rolle als vielversprechender Star kurz vor dem Durchbruch. Er führt uns in die faszinierende Welt eines pathologischen Lügners, der an sich selbst glaubt - bis zum bitteren Ende.

Jason Starr, geboren 1966, wuchs im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf und begann in seinen College-Jahren zu schreiben, zunächst Kurzgeschichten, später auch Theaterstücke, Texte für Comics und Romane. Seine Bücher sind in mehr als einem Dutzend Sprachen erschienen. Jason Starr lebt in New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257602449
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: Fake I. D.
    Größe: 1511 kBytes
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Ein wirklich netter Typ

[5] 1

Die Tore der Jai-Alai-Halle in Milford blieben noch eine Stunde geschlossen, doch ich fuhr nicht zu irgendeinem Imbiß, nur um die Zeit totzuschlagen, sondern blieb lieber in meinem Wagen sitzen und las die Racing Form.

Als ich gerade anfing, mich mit den Favoriten für die ersten beiden Rennen auf dem Aqueduct Race Track zu beschäftigen, klopfte jemand auf der Beifahrerseite ans Fenster. Ich schaute hoch und sah einen kleinen dicken Mann, der mich anlächelte. Zuerst hatte ich keine Ahnung, wer das war, dann kam er mir irgendwie bekannt vor. Er hatte dunkle Augenbrauen und einen riesigen Leberfleck auf dem Kinn. Die Augen waren blutunterlaufen, als wäre er betrunken, aber vielleicht lag es auch daran, daß er wegen des kalten Windes die Augen zusammenkniff. Er hatte eine dieser schwarzen Wollmützen auf, die so ziemlich jeden wie einen Geisteskranken aussehen lassen.

Ich ließ den Motor an und öffnete das Fenster einen Spaltbreit. Ein kalter Luftstoß wehte ins Wageninnere.

"Wie geht's denn so?" fragte der Typ.

Ich konnte ihn immer noch nicht einordnen. Er sah aus wie fünfundvierzig, vielleicht auch fünfzig - mindestens zehn Jahre älter als ich.

[6] "Ganz gut soweit", sagte ich.

"Du erinnerst dich nicht an mich, oder?"

"Das Gesicht kommt mir irgendwie bekannt vor, aber..."

"Du heißt Danny, stimmt's?"

"Tommy", sagte ich.

"Ich wußte doch, daß es irgendwas mit Ypsilon am Ende war. Kennst du mich noch? Du weißt schon: Pete. Pete aus Yonkers."

Jetzt fiel es mir wieder ein. Vor ein paar Jahren hatte ich mehrmals wöchentlich die Rennbahn in Yonkers aufgesucht und auf Traber gesetzt. Pete war dort Stammgast gewesen.

"Jetzt weiß ich's wieder", sagte ich. "Ich hab nur ein Weilchen gebraucht, um dein Gesicht unterzubringen. Wie läuft's denn so?"

"Könnte besser sein", sagte er. "Bin seit gestern abend frisch aus Vegas zurück. Hab ein bißchen was gewonnen, nicht die Welt. Hätte auf die Kaimaninseln fliegen sollen. Schon von den Wettbüchern gehört, die sie da unten haben?"

"Mit den acht Prozent Rückzahlung."

"Verdammt, schier unglaublich. Die zahlen einem auf sämtliche Einsätze acht Prozent zurück. Wer mit hohem Einsatz spielt, kann sich gar nicht erlauben, nicht auf die Kaimans zu fliegen. Na gut, is vielleicht empfehlenswert, in einige dieser Schuppen 'ne Knarre mitzunehmen, verstehste? Aber was will man denn, wenn man auf Pferde wettet: sich nobel amüsieren oder acht Prozent Rückzahlung auf alle Einsätze?"

"Ich würde die acht Prozent nehmen", sagte ich.

"Verdammt richtig", sagte Pete. "Das würde jeder echte [7] Spieler machen." Er wandte sich ab und spuckte. Weil das Fenster offenstand, wurde es kalt im Wagen.

"Schon mal in Vegas gewesen?" fragte Pete.

Ich schüttelte den Kopf.

"Machst du Witze? Man muß in Vegas gewesen sein, Alter. Aber Glücksspiel im Kasino steht auf 'm ganz anderen Blatt. Wenn man in einem Kasino spielt, dann muß es nobel zugehen. Hör auf mich, geh bloß nicht ins Bally's, falls du mal nach Vegas kommst. Wenn du unbedingt zu Bally's willst, fahr runter nach Atlantic City und spiel an diesen Mickymaus-Tischen, die sie da haben. Wenn du mal ein Wochenende in 'nem echten Luxusschuppen verbringen willst, mußt du ins Caesar's Palace. Verdammt, da behandeln sie dich echt wie einen König. Und damit meine ich den Service, nicht die Shows. Wenn du Shows sehen willst, schalt die Glotze ein. Fährst du nach A.C.?"

"Gelegentlich", sagte ich.

"Ich bin fast jedes Wochenende in A.C.", sagte Pete. "Wo hältste dich da auf?"

"Überall", sagte ich.

"Ist 'ne echte Umstellung, nach A.C. zu fahren, wenn man mal in Vegas war", sagte Pete. "Als würde man sich wieder in 'nen Chevy setzen, nachdem man einen Porsche gefahren hat." Er hustete. "Ey, was dagegen, wenn ich mich zu dir in den W

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