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Ein Ziegelstein für Dörte von Strübing, Volker (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2010
  • Verlag: Voland & Quist
eBook (ePUB)
5,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Ein Ziegelstein für Dörte

Volker Strübing liest und singt. Auf Lesebühnen, Poetry Slams, Literaturfestivals sowie in Kabaretts und Comedy Clubs. Seine Texte sind rasant, skurril und lustig auch wenn sie Tragödien erzählen. Mit schwarzem Humor und einem genauen Blick für das Abseitige berichtet er von Reisenden und Nachbarn, Helden und Antihelden, von frisch Verliebten und liebenswerten Paranoikern. Sein Alter Ego kämpft mit Herpes und böswilligen Doppelgängern, wird in einer Parallelwelt von der nie aufgelösten Stasi gejagt und fällt buchstäblich aus allen Wolken aber immer wieder auf die Füße. Volker Strübing, 1971 in Sondershausen geboren, ist in Sachsen-Anhalt und Berlin-Marzahn aufgewachsen. Er ist ausgebildeter Facharbeiter für Datenverarbeitung. Über viele Jahre war er Mitglied der Lesebühnen LSD - Liebe statt Drogen sowie der Chaussee der Enthusiasten. Er gewann 2005 bei den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften den Einzelwettbewerb und 2006 gemeinsam mit Micha Ebeling den Team-Wettbewerb. Sein Roman 'Das Paradies am Rande der Stadt' ist im yedermann Verlag erschienen. Mit 'Ein Ziegelstein für Dörte' erschien bei Voland & Quist eine Auswahl seiner Kurzgeschichten. Zusammen mit Kirsten Fuchs schrieb er das Buch zur 3sat-Doku 'Nicht der Süden'. Im Jahr 2010 erschien mit 'Mr. & Missis.Sippi' ein weiterer Reisebericht der ebenfalls im Fernsehen zu sehen war.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 157
    Erscheinungsdatum: 01.07.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783938424612
    Verlag: Voland & Quist
    Serie: Singles Bd.10
    Größe: 186 kBytes
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Ein Ziegelstein für Dörte

Berlin–Amsterdam.
Ein Roadmovie

Ich war mal wieder verliebt. Wir sahen uns fast jeden Tag auf Arbeit, hinterher bei Konzerten, in Kinos und Bars und Parks, es gab tausend Möglichkeiten, ihr meine Liebe endlich zu gestehen, aber ich suchte nach der perfekten Situation. Nach vielen Wochen ergab sie sich endlich. Sandra wollte mit einer Freundin für ein verlängertes Wochenende nach Amsterdam fahren. Am Tag ihrer Abreise saß ich den ganzen Abend zuhause, trank traurig ein Bier nach dem anderen und dann, gegen 22 Uhr und einigermaßen angetütert, fasste ich einen Entschluss: Ich würde auch nach Amsterdam fahren. Sofort. Ich würde trampen. In Amsterdam würde ich sie schon finden, da war ich sicher, und meine abenteuerliche Reise würde sich als Liebesbeweis nicht hinter den größten Heldentaten liebeskranker Trottel aller Zeitalter verstecken müssen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, da mein bester Freund an diesem Wochenende seinen Geburtstag feiern wollte und ich versprochen hatte, bei den Vorbereitungen zu helfen. Aber Liebe ging vor. Ich schaute in meinem großen Europa-Atlas nach, wo Amsterdam eigentlich lag – aha, genau links von Berlin, ich hätte eher so schräg links oben geschätzt – packte ein paar Sachen zusammen und machte mich auf den Weg.

Ich war nie zuvor getrampt. Es war abzusehen, dass ich nach einer Viertelstunde vergeblichen Wartens aufgeben und wieder zurückfahren würde. Da ich mich so gut kannte, griff ich zu einer List. Ich nahm den letzten Zug vom Ostbahnhof nach Magdeburg, das, wie ich im Atlas gesehen hatte, genau auf der Linie Berlin–Amsterdam lag. Einmal dort angekommen, konnte ich nicht mehr umkehren.

Gegen ein Uhr nachts stand ich schließlich an einer dunklen Autobahnauffahrt in der Nähe des Magdeburger Bahnhofes.

Eine halbe Ewigkeit passierte nichts, außer dass es zu regnen begann. Endlich, nach einer dreiviertel Stunde, hielt ein Auto.

"Ich fahr aber nur nach Kleindingsbumsdorf" – ich weiß nicht mehr wie das Nest genau hieß – "Bis dahin kannste mitkomm'!", sagte ein vielleicht 18jähriger Typ mit Bomberjacke und Basecap. Ich stieg ein. Mein Fahrer kam, wie sich herausstellte, aus einer Magdeburger Technodisco. Keine Ahnung was er alles geworfen hatte – auf alle Fälle war er völlig paranoid.

"Okay ... wir müssen bloß aufpassen wegen den Zivilbullen ... Scheiße Alter, wenn die mich erwischen ... ach du Kacke, haste den gesehen? 'n roter BMW mit 'ner blonden Fahrerin, das stinkt doch förmlich nach Zivilbullen! Hier nimm das!"

Er drückte mir ein Tütchen mit Pillen in die Hand.

"Wenn die uns anhält, dann schmeißte das aus'm Fenster ... scheißescheißescheiße ... oder nee, gib her, wenn die uns anhält, dann schluck' ich die, Alter, wär' schade drum und außerdem ... wer weiß, ob ich dir vertrauen kann! Biste vielleicht selber Zivilbulle, komm Alter, versuch nicht, mich zu verarschen, ich seh's dir doch an, du Arsch! Und ich Idiot hol mir auch noch selber die Bullen in die Karre – uh! Hinter uns! 'n blauer Golf. Blaue Gölfe sind alle vom BKA, echt jetze, kein Scheiß Alter, hat mir'n Kumpel erzählt!"

Wer wie er auf der Flucht vor den Behörden war, hatte keine Verwendung für ein Bremspedal. Ich rutschte immer tiefer in meinem Sitz zusammen. Mehrmals bat ich ihn, anzuhalten und mich aussteigen zu lassen, aber er hatte wieder Vertrauen zu mir gefasst und besc

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