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Ein zufriedener Mann. Erzählungen Erzählungen von Beck, Zoë (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.07.2014
  • Verlag: CulturBooks Verlag
eBook (ePUB)
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Ein zufriedener Mann. Erzählungen

Über das Buch Zoë Beck beschreibt Menschen in Ausnahmesituationen: Da ist Gil Peters, die Angstpatientin, die mit der Außenwelt ausschließlich über das Internet kommuniziert und sich damit ganz gut arrangiert hat - bis ihre Therapeutin in Urlaub fährt und die Lage eskaliert. Da ist eine Gruppe Jugendlicher, die langsam das Erwachsenwerden entdeckt, als die Mutter einer Mitschülerin tot aufgefunden wird. Da ist der Journalist, den eine unerwiderte Liebe zum Stalker macht, bis sein Leben vollkommen entgleist. Da ist die namenlose Endzwanzigerin, die vor zwei Jahren im Krankenhaus aufwachte, ohne Erinnerung an ihr bisheriges Leben und seitdem schlaflos durch die Obdachlosenszene Hamburgs geistert - bis sie schließlich eine Frau entdeckt, die ihr bekannt vorkommt und sie langsam ihre eigene, unglaubliche Geschichte entdeckt ... Das alles ist scharf beobachtet, psychologisch dicht erzählt und spannend: Die zehn Geschichten ihres ersten Erzählungsbandes entwickeln einen Sog, dem sich der Leser nicht entziehen kann. Mit einem genauen Blick für Lebenssituationen und psychologische Abläufe betrachtet Zoë Beck Menschen, die in Situationen geraten, die sie nicht mehr kontrollieren können. Neben ihren Thrillern ist Zoë Becks eine souveräne Meisterin der Kurzgeschichte. Sie verdichtet eine Reihe unterschiedlicher zwischenmenschlicher Konstellationen zu kleinen Prosajuwelen. Ihre Figuren leben im Hier und Heute, ihre Konflikte sind an die Realitäten unserer Zeit gebunden. Ihre jeweilige Einzigartigkeit wird in Becks kühler, klarer, unsentimentaler und präziser Sprache sichtbar. Über die Autorin Zoë Beck, geboren 1975, studierte englische, amerikanische und deutsche Literatur in Gießen, Bonn und Durham. Anschließend arbeitete sie bei Theater, Film und Fernsehen. Heute ist sie tätig als Autorin, TV-Synchronredakteurin, Kolumnistin und Übersetzerin und Mitarbeiterin des Online-Feuilletons CULTurMAG. Zoë Beck betreibt mit Jan Karsten den eVerlag CulturBooks - elektrische Bücher.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 130
    Erscheinungsdatum: 31.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944818368
    Verlag: CulturBooks Verlag
    Größe: 355kBytes
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Ein zufriedener Mann. Erzählungen

Freundin

Maria lernte die Tochter der Familie Landauer erst kennen, als sie schon drei Monate dort in Anstellung war. Sie hatte sich zu der Zeit immer noch nicht recht an ihre neue Umgebung gewöhnt. Nicht die Arbeit machte ihr zu schaffen. Auf dem Hof ihrer Eltern hatte sie auch viel arbeiten müssen. Es war die Stadt. In München gab es zu viel Lärm und Dreck, riesige Häuserklötze, die aussahen, als wären sie zusammengeschoben worden, um Platz für noch mehr Häuser zu machen. In den Straßen drängten sich zu viele Menschen, und sie gingen ohne einen Blick, ohne einen Gruß aneinander vorbei, während Automobile stinkend über die Straßen ratterten. Nicht einmal nachts war die Stadt still.

Als Maria bei den Landauers angefangen hatte, war die Tochter noch im Haus gewesen. Allerdings sah Maria sie damals nicht. Sie hörte sie nur in jener Nacht, als sie schrie und stöhnte und polterte. Maria war aus dem Bett gesprungen, um aus der Kammer zu laufen und nachzusehen, doch eines der anderen Dienstmädchen hielt sie zurück. Das Fräulein Franziska sei sehr krank und habe gerade einen ihrer Anfälle.

"Wahrscheinlich bringt man sie morgen gleich in der Früh wieder fort", sagte das Mädchen. So kam es auch. Maria war insgeheim froh darüber, dass sie fort war. Die Schreie hatten ihr Angst gemacht.

Nun war Franziska Landauer wieder zurück. Es gefiel Maria nicht, als man sie anwies, dem Fräulein das Frühstück ans Bett zu bringen. Wie gelähmt vor Angst stand sie vor ihr, hielt das Tablett fest umklammert und starrte die junge Frau an. Franziska lehnte im Nachthemd am Fenster, bürstete sich die langen Haare und starrte zurück. Sie sah ganz anders aus, als Maria erwartet hatte: kupferblond mit grünen Augen und weißer Haut, dazu sehr schlank und groß. Sie ähnelte weder ihrem Vater noch ihrer Mutter, auch nicht ihren sehr viel jüngeren Geschwistern. Frau Landauer war nämlich die zweite Frau Landauer, wie Maria erfuhr; die erste war nach Franziskas Geburt verstorben. Maria ließ das Tablett vor Schreck fast fallen, als Franziska zu ihr sagte: "Ich hab dich noch nie gesehen. Wie lange bist du schon hier?"

Unfähig, ein Wort herauszubringen, stellte Maria das Tablett auf dem Nachttisch ab und beeilte sich, aus dem Zimmer zu kommen.

Von nun an musste sie Franziska jeden Morgen das Frühstück bringen, und jedes Mal richtete die junge Frau das Wort an sie, stellte ihr Fragen, wollte ihren Namen wissen, woher sie käme, wie ihr München gefiele, ob sie schon mehr gesehen hätte als den Josephsplatz, an dem die Landauers wohnten, ob sie schon einmal unten in der Apotheke des Vaters gewesen sei. Hatte sie viele Geschwister, und wie lebte es sich auf dem Land?

Anfangs wagte Maria kaum zu antworten. Franziska stellte weiter ihre Fragen. Erzählte. Plauderte über Nachbarn, über Leute, die sie vom Fenster aus über die Straße gehen sah, über Dinge, die sie in der Zeitung gelesen hatte. Maria taute langsam auf, und schließlich freute sie sich auf die kleinen, irgendwie freundschaftlichen Gespräche. Franziska sagte einmal zu ihr: "Du solltest dich malen lassen. Du hast so ein gutes Gesicht." Maria hatte noch nie ein Kompliment bekommen.

Den anderen Mädchen erzählte sie von diesen Gesprächen nichts. Maria wollte dieses Geheimnis hüten.

Den Sommer über lernte sie Franziska immer besser kennen. Die junge Frau war meist ruhig, ernsthaft, aber gut gestimmt. An manchen Tagen strahlte sie, wollte die Welt umarmen, liebte das Leben. Über diese Tage freute sich Maria am meisten. Die heimliche Freundin so glücklich zu sehen, tat ihr in der Seele wohl. Mit dem Herbst aber mehrten

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