text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Eine fast perfekte Affäre Roman von Subercaseaux, Elizabeth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.10.2014
  • Verlag: Fahrenheit
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Eine fast perfekte Affäre

Sie haben eine "fast perfekte Affäre": Sechs Jahre lang gelingt es Amalia Griffin, Ehefrau eines reichen Geschäftsmanns, und dem höchst angesehenen Richter Juan Manuel Rementería, ihre Liebesbeziehung geheim zu halten. Bis ein neuer Mann in Amalias Leben tritt. Bis sie Rementería gesteht, dass sie sich von ihm trennen will. Und bis sie kurz darauf in den frühen Morgenstunden beim Golfspiel erschossen wird. Eine Tat, die nicht nur Rementería unter Verdacht stellt, sondern auch Amalias beste Freundin und einen unfreiwilligen Zeugen in Mitleidenschaft zieht. Auf unheilvolle Weise hat jeder der drei sich schuldig gemacht- und das Doppelleben, das sie allesamt führen, ist bedroht. Denn der Schrecken des Todes fördert die Geheimnisse des Lebens unweigerlich zutage...

Elizabeth Subercaseaux, 1945 in Chile geboren, ist die Ururenkelin von Robert Schumann. Als Journalistin arbeitete sie in Chile 17 Jahre im Untergrund, heute ist sie dort eine gefeierte Bestsellerautorin. Mit ihren von der Presse hochgelobten Romanen "Eine Woche im Oktober" und "Eine fast perfekte Affäre" begeisterte sie auch die deutschsprachigen Leser.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 13.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492981699
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 1741 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Eine fast perfekte Affäre

Um acht Uhr abends kehrte er heim und betrat sein Haus wie ein Dieb, der fürchtet, jemanden zu wecken. Dabei gab es dort niemanden, den er hätte wecken können. Die Katze war tot, und die Kanarienvögel schliefen draußen im Hof unterm Feigenbaum. Als er die Tür hinter sich schloss, durchströmte ihn eine Welle der Erleichterung, und er blieb eine Weile stehen, mit dem Rücken an die Wand gelehnt. Einen winzigen Moment lang gab es die Tragödie nicht, doch dann war alles wieder da. Amalias starre Augen. Und das goldglänzende Blut. Nie hätte er gedacht, dass Blut so glänzen kann. Er schloss die Lider und verharrte einige Sekunden reglos, auf das Flattern seines Herzens lauschend. Was hätte er dafür gegeben, morgens krank aufgewacht und im Bett geblieben zu sein. Aber so war es nicht gewesen. Er war an diesem Tag im Morgengrauen aufgestanden, war um halb acht zum Golfclub gefahren und hatte die unscharfe Linie zwischen der Welt derer, die töten, und der Welt der anderen überschritten.

Wie ein Roboter hängte er seinen Mantel in den Schrank. Dann ging er ins Bad und wusch sich die Hände. Als er in den Spiegel schaute, warf ihm der Silberbelag ein müdes Gesicht zurück. Müdigkeit sah er und sonst nichts. Er ging ins Schlafzimmer und legte sich auf das alte Messingbett. Eine Weile starrte er an die Decke. Er wollte schlafen, den Journalisten und alles, was geschehen war, vergessen, aber sein von Bildern überquellender Geist gab ihm keine Ruhe. Wie oft hatte er mit Amalia in diesem Bett gelegen, ein Buch gelesen oder der Stille des Nachmittags gelauscht, oder sie hatten über die Abenteuer ihres Onkels Floro und dessen Leidenschaft für griechische Mythologie geredet. In der Brokatdecke hingen noch Spuren ihres Parfums.

So durchlebte er in den folgenden beiden Stunden noch einmal die morgendlichen Ereignisse, von dem Moment, als er um sechs Uhr früh aufgestanden war, bis zu jenem im Gericht, als der Journalist sein Büro betreten hatte.

Es war ein klarer Morgen. Hinter den grünen Hügeln erhob sich das Felsmassiv der Kordillere wie eine steinerne Taube, und unten tauchte Santiago auf, gehüllt in ein vom Regen reingewaschenes Licht, strahlend und in friedlicher Stille. Um kurz vor acht parkte er in der Calle Luz, lief einige Meter zurück und kroch durch ein Loch im Zaun, das er und Amalia zu einer Zeit entdeckt hatten, die er lieber vergessen wollte. Der Golfplatz war noch feucht vom morgendlichen Tau. Der Ort wirkte düster, noch immer dunkel, noch hatte sich die Nacht nicht ganz aus den Zweigen gelöst. Es roch nach Gras und feuchter Erde. Amalia musste in der Nähe von Loch achtzehn sein. Sie würde staunen, wenn er plötzlich vor ihr stand, denn sie hatten sich den ganzen Monat nicht gesehen. Zwar hatten sie fast täglich telefoniert, aber Amalia hatte sich geweigert, ihn zu treffen.

"Bitte, Amalia, fünf Minuten", hatte er sie angefleht, "nur fünf Minuten, sagen Sie nicht, Sie haben keine fünf Minuten Zeit für mich."

Und sie:

"Es hat keinen Sinn, dass wir uns sehen, Juan Manuel, nicht jetzt, es würde alles nur noch schlimmer machen." Sie hatte mit ihm geredet, als sei sich zu verabschieden eine bloße Belanglosigkeit, eine fieberlose Erkältung, ein Mückenstich am Bein. "Nimm es nicht so schwer. Das Letzte, was ich will, ist, dir wehzutun, versuch bitte, das zu verstehen ... so etwas kommt eben vor."

Natürlich kam so etwas vor! Es kamen noch ganz andere Dinge vor. Er hatte diese Stimme gehasst, diese abgedroschenen Phrasen. "Es geht um uns beide, Amalia!", hatte er sie bei jenem letzten Mal im Restaurant angeschrien. "Ich bin doch nicht irgendjemand, mit dem Sie sich irgendwann mal auf einen Kaffee getroffen haben. Schauen Sie mich an!", hatte er befohlen, und sie hatte ihn verunsichert und ängstlich angesehen. Damals hatte er eines Nachts geträumt, er würde sie duzen - in den sechs Jahren, die sie zusammen gewesen waren, hatte er nie Du zu ihr gesagt. "Ich bitte dich! Tu

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen