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Eine Frage der Gerechtigkeit Liberté - Egalité - Animalité von Kirst, Christiane (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.04.2017
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Eine Frage der Gerechtigkeit

Es ist, als ob wir Kinder töten. Das ist die erschreckende Erkenntnis, die die kognitive Ethologie in Verbindung mit den Neuro-Wissenschaften offenbart. In einer mühseligen Puzzle-Arbeit hat Professor Franz Friedrich Degen deshalb die jüngsten Entdeckungen der Wissenschaft zusammengetragen, die das bisherige Verständnis vom Tier als einen der größten Irrtümer der Menschheit entlarven. Um die letzten noch fehlenden Nachweise einzuholen, reist er in die USA. Doch dann wird er in LA von einem Bus überrollt. Der von Selbstzweifeln geplagte Ex-Journalist Diego Valdez glaubt nicht an einen Unfall. Motiviert durch die Primaten-Forscherin Marian Briggs beschließt er kurzerhand, Degens Arbeit zu vollenden. Das aber muss der Heimatschutz unbedingt verhindern. Zum brisanten Thema sagte Gerd Scobel in "scobel" auf 3Sat im September 2013: "Die Sonderstellung des Menschen im Tierreich wird immer vehementer in Frage gestellt, denn Genetik und Neuro-Wissenschaften haben längst gezeigt, dass der Mensch den Tieren ähnlicher ist, als der immer glaubte. Darf der Mensch dann aber die Tiere weiterhin zum Objekt machen? Wenn nicht, so müsste er seine Dominanz über das Tier aufgeben. Er müsste sich selbst neu verorten in einer Gleichberechtigung, für die er noch nicht bereit zu sein scheint. Wir leben auf diesem Planeten in einer Gemeinschaft mit Tieren. Die Regeln des Zusammenlebens wurden von uns durch pure Willkür festgelegt. Ein derartiges Verhalten aber passt nicht zu einem Wesen, das sich selbst als moralisch handelnd und vernünftig betrachtet." 2014 erschienen unter dem Titel: "Die wir Tiere nennen" wurde die Geschichte aufgrund der zunehmenden Fülle an Erkenntnissen maßgeblich erweitert und überarbeitet. Wenngleich die Handlung dieser Geschichte Fiktion ist, so sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die sensorischen und kognitiven Fähigkeiten der höheren Tiere jedoch keine Fiktion. Sie entsprechen weitestgehend dem Wissenstand von 2016. Geboren in Bremerhaven, studierte ich Geografie und Geologie in Bonn. Ich arbeitete zunächst im staatlichen Naturschutz, dann freiberuflich als Stadt- und Landschaftsplanerin, landschaftsökologische Gutachterin, TV-Autorin, Übersetzerin und Malerin. Tiere, ob wild oder zahm, ob in Theorie oder Praxis, waren meine ständigen Begleiter. Ich habe einen fast erwachsenen Sohn, lebte auf Neuseeland und in Belgien und wohne jetzt in Aachen. Natürlich vegan und stets mit dem Rad unterwegs.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 476
    Erscheinungsdatum: 12.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739297934
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1197kBytes
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Eine Frage der Gerechtigkeit

1 3. April 2011 Aachen, Deutschland

Franz Friedrich Degen ließ das Skript sinken und wischte die Tränen fort. Die meisten Vorträge probte er einmal vor dem Spiegel, danach konnte er sich auf die längst eingespielten Mechanismen verlassen. Doch dieses Mal fehlte ihm einfach die nötige Distanz zu dem, was er zu sagen hatte. Als wäre er sich erst jetzt der ganzen Tragweite bewusst geworden. Doch er musste einen kühlen Kopf bewahren und sachlich bleiben, ansonsten würden sie ihn noch für sentimental halten. Sentimental und senil. Das aber wäre fatal, schließlich wollte er mit dem Vortrag die entscheidende Wende einleiten. Denn sobald er die letzten Bestätigungen der amerikanischen Experten eingeholt hätte, würde er das vollständige Werk der Öffentlichkeit präsentieren. Dann müssen sie umdenken. Doch jedes Mal, wenn er sich das sagte, musste er an Gröbners alberne Bemerkung denken.

"Wenn Sie das veröffentlichen, Professor, wird man Sie kreuzigen."

"Wie Sie sich vielleicht erinnern werden, hatte man Darwin auch nicht gekreuzigt", hatte er ihm geantwortet.

"Bedenken Sie dennoch, dass es die Verhaltensforschung nur deshalb zu einer seriösen Wissenschaft gebracht hat, weil sie die Vermenschlichung der Tiere bislang strikt abgelehnt hatte."

"Weshalb sie ja auch irgendwann stecken blieb. Das Absurde an der Sache ist doch, dass die meisten Wissenschaftler nur ein Modell der Intelligenz und Kommunikation anerkennen: das Eigene. Nur weil die Tiere nicht so sprechen oder denken wie wir, besäßen sie ihrer Meinung nach auch keinen Verstand. Ha, in dem sie von den Tieren erwarten, dass sie die menschlichen Kriterien von Rationalität und Sprache erfüllen, ist diese Sorte Wissenschaftler aber genau den anthropomorphen Irrtümern erlegen, die sie verurteilen.

Nein, Gröbner, das Problem ist, dass wir anscheinend noch immer nicht in der Lage sind, genügend Intelligenz aufzubringen, um auch andere Arten des Denkens und der Kommunikation zu deuten." 1 .

Die Erinnerung an das Gespräch mit dem jungen Biologen verblasste. Gröbner war ein ewiger Pessimist. Er aber war sich sicher: Es war höchste Zeit für einen Paradigmenwechsel, für eine längst überfällige Revolution.

Sein Spiegelbild starrte ihn noch immer an. Er sah einen unauffälligen Mann mit einem rundlichen Kopf, dessen aschblonder Haarkranz sich unauffällig grau verfärbte. Doch seine Haut war noch immer rosig, zudem sehr glatt für einen Mann von zweiundsiebzig Jahren und auch seine graublauen Augen waren noch lange nicht müde.

Obwohl sein Vorhaben ihn vorwärts drängte, verspürte er dennoch eine leichte Wehmut, als er jetzt ein letztes Mal durch die lichtdurchfluteten Räume mit ihren hohen Stuck verzierten Decken, dem knarzenden Parkettfußboden mit den farbenfrohen Orientbrücken, ging. Hier lebte er seit sechsunddreißig Jahren, hier hatte er achtundfünfzig seiner zweiundsiebzig Bücher geschrieben - alles Sachbücher, wenn auch hier und da mit etwas Poesie. Er liebte diese Wohnung mit ihren sichtbaren und unsichtbaren Zeichen der Erinnerung. Sie war sein Spiegel, seine Inspiration und in den letzten Jahren auch vermehrt sein Schutzraum geworden. Schutz vor der Dummheit und Rohheit der Menschen da draußen, die er, je größer sein Wissen wurde, kaum noch ertragen konnte.

Als er jetzt sein Arbeitszimmer betrat, durchbrach heller Sonnenschein die Wolkendecke. Der Frühling war hier immer besonders schön, eine Explosion des Lebens. Und je älter er wurde, umso bewusster wurde es ihm. Zu gern würde er ihn jetzt auf ausgedehnten Spaziergängen genießen, doch seine lange geplante Reise duldete keinen Aufschub. Keinen Tag. Er konnte nicht genießen, solange sie litten und er es vielleicht in der Hand hätte, sie schon bald aus ihrer Not zu befreien.

Sein Blick streifte die Bücherregale. Tausende von Büchern vom Boden bis unter die Decke. Wo keine Bücher die Wände bedeckten, taten es

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