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Eine Frau flieht vor einer Nachricht Roman von Grossman, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.08.2009
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
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Eine Frau flieht vor einer Nachricht

Ora erzählt: von ihrer Liebe zu zwei Männern, von Wut und Zärtlichkeit, Verzweiflung und Leidenschaft und von ihrem Sohn Ofer, der sich freiwillig für einen Militäreinsatz im Westjordanland meldet. Seine Mutter hofft, das drohende Unglück zu bannen, indem sie ihrem Jugendfreund Avram, der im Jom-Kippur-Krieg selbst Soldat war, von Ofers Vorhaben berichtet. Und unerreichbar zu sein, falls das Schreckliche geschieht ... Autor und Friedensaktivist David Grossman spiegelt die großen Fragen in den kleinen Erlebnissen des Alltags. Er zeigt, wie in Israel das Schicksal der Menschen unauflöslich mit Politik verbunden ist. Ein mitreißendes, unvergessliches Buch und ein Protest gegen den Krieg. David Grossman wurde 1954 in Jerusalem geboren und gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern der israelischen Gegenwartsliteratur. 2008 erhielt er den Geschwister-Scholl-Preis, 2010 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2017 den internationalen Man-Booker-Preis für seinen Roman Kommt ein Pferd in die Bar. Bei Hanser erschienen zuletzt Diesen Krieg kann keiner gewinnen (2003), Das Gedächtnis der Haut (2004), Die Kraft zur Korrektur (2008), Eine Frau flieht vor einer Nachricht (Roman, 2009), Die Umarmung (2012), Aus der Zeit fallen (2013), Kommt ein Pferd in die Bar (Roman, 2016), Die Sonnenprinzessin (2016) und Eine Taube erschießen (Reden und Essays, 2018).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 736
    Erscheinungsdatum: 17.08.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446234581
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Originaltitel: ISCHA BORACHAT ME-BESSORA
    Größe: 1200 kBytes
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Eine Frau flieht vor einer Nachricht

Hey, du da, Ruhe!

Wer ist das?

Sei endlich still! Du hast schon alle aufgeweckt!

Aber ich hab sie gehalten

Wen?

Auf dem Stein, da haben wir zusammengesessen

Auf was für einem Stein? Jetzt lass uns schlafen

Plötzlich ist sie mir runtergefallen

Du schreist, du singst

Aber ich hab geschlafen

Geschrien hast du!

Sie hat meine Hand losgelassen und ist gefallen

Hör auf, jetzt schlaf schon

Mach mal Licht

Bist du verrückt?

Ach so, hab ich vergessen

Die bringen uns um, wenn wir Licht machen

Wart mal

Was?

Ich hab gesungen?

Gesungen und geschrien, alles zusammen, sei jetzt still

Was hab ich gesungen?

Was du gesungen hast?!

Als ich geschlafen hab, was hab ich da gesungen?

Woher soll ich das wissen? Geschrien hast du! Und da fragst du noch, was du gesungen hast?

Aber du hast doch gesagt, ich hätte gesungen

Es war ein Lied ohne ... keine Ahnung , Mensch

Und du weißt nicht, welches Lied?

Sag mal, bist du durchgeknallt? Ich leb kaum noch

Und wer bist du?

Zimmer drei

Auch auf Isolation?

Ja, ich muss zurück

Geh nicht ... Bist du schon weg? Warte, hallo ... Er ist gegangen ... Aber was hab ich da gesungen?

In der nächsten Nacht weckte er sie wieder, schimpfte wieder, dass sie lauthals sang und das ganze Krankenhaus aufweckte, und sie flehte ihn an, er solle ihr doch sagen, ob es dasselbe Lied gewesen war wie letzte Nacht. Das müsse sie unbedingt wissen. Wegen des Traums, den sie geträumt hatte und den sie damals fast jede Nacht träumte. Alles darin war weiß, die Straßen, die Häuser und die Bäume, die Katzen und die Hunde und der über den Abgrund ragende Fels. Auch Ada, ihre rothaarige Freundin, war ganz weiß, ohne einen Tropfen Blut im Gesicht und im Körper. Doch auch diesmal konnte er nicht sagen, was sie gesungen hatte. Er zitterte am ganzen Leib, und ihm gegenüber zitterte sie in ihrem Bett. Wie zwei Kastagnetten sind wir, sagte er, und sie brach, selbst ganz überrascht, in ein frisches Gelächter aus. Das kitzelte ihn. Seine ganze Kraft hatte er auf der Reise von seinem Zimmer zu ihrem Zimmer verbraucht, fünfunddreißig Schritte, ein Schritt, Pause, noch einer, Pause, hatte sich an der Wand, an Türrahmen, an leeren Essenswagen festgehalten. Jetzt sackte er in der Tür zu ihrem Zimmer auf den klebrigen Linoleumboden zusammen. Eine ganze Weile mussten sie beide verschnaufen. Er wollte sie noch einmal zum Lachen bringen, konnte aber nicht mehr reden. Danach war er wohl eingeschlafen.

Sag mal

Was? Wer ist das?

Ich bin's

Ach, du

Sag mal, bin ich allein im Zimmer?

Wie soll ich das wissen?

Man sieht echt nichts. Hallo, ist hier noch jemand?

Das hier, das bin ich

Nein, ist sonst noch jemand hier?

Hier, ich steh jetzt

Was war das?

Ich bin hingefallen

Zitterst du so?

Ja, ich zitter

Wie viel hast du?

Abends hab ich vierzig gehabt

Ich vierzig drei

Ich muss zurück ins Zimmer

Sag mal

Was?

Wann stirbt man?

Bei zweiundvierzig

Das ist nah

Nein, nein, du hast noch Zeit

Das ist wahnsinnig nah

Morgen früh fühlst du dich besser

Geh nicht, ich hab Angst

Hörst du das?

Was?

Diese Stille plötzlich

Hat es vorher nicht gekracht?

Kanonen

Ich schlaf die ganze Zeit, und dann ist es plötzlich schon wieder Nacht

Sogar wenn ich lieg, fühlt es sich an, als ob ich fall

Immer wenn ich die Augen aufmach, ist es Nacht

Wegen der Verdunklung

Ich glaub, die werden siegen

Wer?

Die Araber

Quatsch

Sie haben schon Tel Aviv erobert

Woher hast du ... Wer hat di

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