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Eine Freundschaft in Atlanta von Musser, Elizabeth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2014
  • Verlag: Verlag der Francke-Buchhandlung
eBook (ePUB)
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Eine Freundschaft in Atlanta

Atlanta 1933 Anne Perrin Singleton und Mary Dobbs Dillard haben so gut wie nichts gemeinsam. Perri ist die Tochter eines vermögenden Bankers, begeistert sich für Fotografie und Partys und genießt es, zur feinen Gesellschaft von Atlanta zu gehören. Dobbs ist die Tochter eines Predigers, in armen Verhältnissen aufgewachsen, lehnt sich gegen jegliche Form von Ungerechtigkeit auf undstammt aus Chicago. Doch die Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen führen die beiden jungen Frauen zusammen. Plötzlich ist nichts mehr, wie es einmal war. In einer Zeit voller Turbulenzen müssen Perri und Dobbs um ihre Zukunft kämpfen - und werden einander zum einzigen Halt. Aber kann eine so ungleiche Freundschaft Bestand haben?

Elizabeth Musser wuchs in Atlanta auf. Seit dem Abschluss ihres Studiums englischer und französischer Literatur an der Vanderbilt Universität in Tennessee ist sie als Missionarin tätig. Heute lebt sie mit ihrem Mann Paul in der Nähe von Lyon in Frankreich. Die beiden haben zwei Söhne.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 01.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783868279016
    Verlag: Verlag der Francke-Buchhandlung
    Übersetzt von: Übersetzung: Müller, Julian
    Originaltitel: The sweetest Thing
    Größe: 918kBytes
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Eine Freundschaft in Atlanta

Kapitel 1

Perri

I ch lernte Dobbs an dem Tag kennen, an dem meine Welt zusammenbrach. Es war das Jahr 1933. Für die meisten von uns im guten alten Amerika war die Welt schon vor Jahren zusammengebrochen. Aber ich hatte die letzten vier Jahre nahezu unversehrt überstanden. Ich war davon überzeugt, dass mir die Weltwirtschaftskrise in meinem kleinen Paradies nichts anhaben konnte.

Aber dann kam meine Welt mit quietschenden Bremsen zum Stehen, zeitgleich mit Herbert Hoover – am letzten Tag seiner Präsidentschaft. Die Banken brachen zusammen und rissen um mich alles mit sich.

Eigentlich fing der Tag gut an. Eine positive Spannung lag an diesem Samstag in der Luft. Ich hatte lange geschlafen, war aber trotzdem noch müde von der Feier der Studentenverbindung an der Georgia Tech. Mama weckte mich wie gewünscht um zehn, und nachdem ich Frühstückseier und Maisgrütze hinuntergeschlungen hatte, setzte ich mich zum Rest der Familie ins Wohnzimmer, wo auf der Anrichte unser Radio stand.

Die Kommentatoren beschrieben voller Begeisterung die Szenerie in Washington, D. C. "Menschenmassen drängen sich auf dem gut vier Hektar großen Areal, stehen auf den Bürgersteigen und Rasenflächen und warten auf den zukünftigen Präsidenten ..."

Mama, Daddy, meine jüngeren Geschwister Barbara und Irvin und ich rutschten so nah wie möglich ans Radio. Jimmy und Del-lareen, unsere schwarzen Diener, waren mit ihren fünf Kindern auch da. Mama hatte sie eingeladen, damit sie hören konnten, wie Mr Roosevelt seinen Amtseid ablegte. Normalerweise arbeiteten sie nur die Woche über bei uns.

Es war, als hielte Amerika die Luft an und wartete darauf, dass dieser neue Präsident uns von uns selbst erlösen würde. Ich war vor Anspannung ganz nervös und Mama hatte ihr Sonntagslächeln aufgesetzt, aber Daddy machte keinen Hehl aus seiner düsteren Stimmung. Daddy war Banker und an jenem Morgen des 4. März 1933 hatte selbst die letzte Bank in den Vereinigten Staaten ihre Türen geschlossen. Das ganze Land fürchtete sich – na ja, war gelähmt vor Angst, traf es vielleicht besser.

Während wir auf die Antrittsrede warteten, ging Mama zu Daddy und gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Holden, glaub mir, Mr Roosevelt kriegt das Land wieder auf Kurs."

"Zu spät, Dot", war alles, was er sagte.

Typisch , dachte ich und ärgerte mich, weil er drauf und dran war, diesen historischen Moment zu ruinieren. Auch wenn er Grund hatte, pessimistisch zu sein. Als Vorstandsmitglied der Georgia Trust Bank hatte er angesichts der Wirtschaftslage wenig Hoffnung auf ein Wunder.

"Er wickelt die Leute mit seinen schönen Worten um den Finger, dieser Roosevelt", sagte Daddy. "Aber was er konkret machen will, hat er noch nicht ein einziges Mal gesagt. Seine Reden bestehen aus blumiger Rhetorik mit einem Schuss Humor. Aber was wirklich dahintersteckt, weiß kein Mensch."

Mama tätschelte Daddys Hand und zuckte verständnisvoll mit den Schultern. Im Hintergrund hörten wir Musik und dann und wann leitete der Ansager kurze Werbepausen ein, in denen für Coca-Cola, Sears, Roebuck and Company oder Haverty's Furniture geworben wurde. Schließlich kam die Rede des neuen Präsidenten. Dellareen ermahnte zwei ihrer Jungs, die auf dem Boden saßen und sich zankten. Ich saß auf dem Wohnzimmertisch, die Füße auf Irvins Schoß, und niemand scheuchte mich runter.

Ich glaube, wir beteten alle um ein Wunder. Ganz Amerika brauchte eins – vom Banker bis zur Haushaltshilfe. Republikaner, Demokraten, Alte und Junge. Ich war ziemlich froh, dass Herbert Hoover nicht

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