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Eine geheime Geschichte von Rath, Claudia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.05.2015
  • Verlag: Verlag Krug & Schadenberg
eBook (ePUB)
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Eine geheime Geschichte

Rebekka, Schriftstellerin mit bescheidenem Erfolg, aber viel Witz und (Selbst-)Ironie, schwebt auf Wolke sieben. Endlich einmal ist sie wieder verliebt. In Wilhelmine, genannt Wivi. Und wie es scheint, wird Rebekkas Liebe erwidert. Die Tage sind aufregend, die Nächte erfüllt von berauschender Leidenschaft. Nach einiger Zeit jedoch hat Rebekka immer öfter das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Wivi wird immer unberechenbarer, immer unbeherrschter. Allein sie bestimmt, wo es langgeht. Rebekka hat sich zu fügen. Was sie auch tut. Denn sie liebt Wivi, und Wivi liebt sie. Doch langsam, aber sicher wird Rebekkas Welt immer enger und bedrohlicher - sie kapselt sich ab, denn niemand darf wissen, was sich zwischen ihr und Wivi wirklich abspielt ... Psychologisch überzeugend und erzählerisch brillant greift Claudia Rath in diesem Roman ein bisher weitgehend tabuisiertes Thema auf: Gewalt in einer lesbischen Beziehung. Dabei entfaltet die Geschichte eine Dynamik, der sich die Leserin kaum entziehen kann.

Claudia Rath arbeitet seit 1997 als Schriftstellerin und veröffentlichte 2000 den ersten von insgesamt 6 Fantasy-Bänden der Midland-Saga im Wiener Milena Verlag. 2003 erschien der psychologische Beziehungsroman 'Eine geheime Geschichte', in dem das Thema Gewalt in lesbischen Beziehungen aufgegriffen wird, und im Frühjahr 2007 'Spur zum Fjord' - eine Geschichte um selbsternannte Gurus und das Geschäft mit menschlichen Sehnsüchten. Claudia Rath schreibt zudem Erzählungen wie in 'Fein & gemein - Rachegeschichten' sowie kabarettistische Texte. Sie lebt in einem gemischten Hunde- und Katzenrudel in einem kleinen Fehnhaus in Ostfriesland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 12.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944576572
    Verlag: Verlag Krug & Schadenberg
    Größe: 1777 kBytes
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Eine geheime Geschichte

Kapitel 2

Am nächsten Morgen sieht die Welt schon wieder anders aus. Nachts sind alle Katzen grau, hat meine Mutter immer gesagt. Völlig richtig.

"Heute wird ein schöner Tag, heute wird ein schöner Tag", flüstere ich beschwörend auf dem Weg ins Haus. Ulrike ist schon wach, was frau von den Hunden leider nicht behaupten kann. Sie dösen auf ihren Decken in der Küchenecke und nehmen überhaupt keine Notiz von mir, was mich bedenklich stimmt. Selbst die besten Freunde der Menschen also, Kreaturen mit höchster Sensibilität, die natürlichen Gefährten aller Ausgestoßenen, sie beachten mich nicht. Bei allen Göttinnen, ich bin den sozialen Tod gestorben. Ulrike ist bestens gelaunt und holt sich gerade neuen Kaffee. Sie scheint etwas Schönes erlebt zu haben. Zwei der Katzen nehmen vor mir Reißaus. Mein Anblick hat sie offensichtlich verschreckt. Heute wird ein schlechter Tag.

"Wasch ich geschtern gantsch vergeschen habe, noch hintschutschufügen", meint Ulrike mit vollem Mund. "In deinem Buch musch unbedingt irgendetwasch stehen über frischgebackene Mütter", sie betont das Wort Mütter, als wolle sie gleich ihr Brötchen über den Küchentisch spucken, "Mütter mit kleinen schreienden Schäuglingen, Frauen, die aufgrund ihrer Niederkunft für die nächschten fünf Jahre insch schoschiale Nichtsch abgleiten, weil kein Mensch schich mehr ungestört mit ihnen unterhalten kann, abgesehen von Dutschidutschi und Lobeschhymnen auf den Tschögling."

Ich nehme mir eine Tasse aus dem Schrank.

"Warum schreibst du nicht dieses Buch?"

"Ich?" Brötchenkrümel spritzen auf den Boden. Das macht die Hunde munter.

"Ich kann doch gar nicht schreiben!"

"Wie kommst du denn ausgerechnet auf diese Mütteridee?"

Der Besuch bei einer Freundin, einer ur-ur-uralten Heterafreundin. Gerade vor einigen Wochen entbunden. Das Kind hatte sich geweigert einzuschlafen. Nach anderthalb Stunden vergeblicher Gesprächsbemühungen war Ulrike dann aufgebrochen, um lieber den Streit mit Fanny beizulegen, was sie weniger anstrengend fand, als Dutzidutzi zu sagen und die alte Bekannte davon überzeugen zu wollen, dass das alles doch gar nicht so schlimm sei. Offensichtlich war der Abend mit Fanny dann noch ganz nett geworden. Sie hatte nur über Ulrikes Knoblauchfahne gemeckert.

Das entlockt mir wenigstens ein erstes sachtes Lächeln an diesem strahlend schönen und ungewöhnlich warmen Oktobermorgen. Vielleicht wird er ja doch noch schön, der Tag, denn Wivi und ich, so erinnere ich mich undeutlich, haben uns verabredet. Das heißt, selbstverständlich nur, wenn nichts dazwischenkommt. Noch ist nicht sicher geklärt, wer ihre zweiundachtzigjährige Tante aus Bad Sodenkapp abholt, wo sie zur Behandlung ihrer Krampfadern für sechs Wochen zur Kur war.

Ach, es wäre wunderbar, Wivi zu sehen, zu umarmen, mit ihr ins Bett zu gehen. Noch viel schöner, als an der diesjährigen schwul-lesbischen Schnitzeljagd teilzunehmen, die just an diesem Nachmittag und Abend stattfinden soll.

"Gehst du zur Schnitzeljagd?", frage ich Ulrike.

"Nö, keine Lust. Heute Abend kommt Ben Hur im Fernsehen, und ich steh auf Charlton Heston, auch wenn es total unfeministisch ist. Fanny und ich wollen uns auf dem Sofa einkuscheln, mit Chips und Flips und Rotwein und Bier und hach ... es wird supergemütlich. Ich liebe Technicolor."

"Nette Idee." Ich selbst liebe ebenfalls Technicolor, und ich kann mich gut erinnern, wie es früher mit Ulrike war, so behütet, gemütlich und jenseits aller Lebensunsicherheiten in alten Technicolorstreifen zu verschwinden. Mit Wivi habe ich in fünf Monaten noch nicht ein Mal vor dem Fernseher gesessen. Sie findet, Fernsehen tötet die Kommunikation. Mit mir sieht keine mehr fern. Und Ulrike macht das jetzt mit Fanny. Jeder Mensch ist eben ersetzbar.

"Und du?", will Ulrike wissen.

"Ach, ich weiß noch nicht." Alles in mir ist plötzlich ganz

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