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Eine Sehnsucht nach morgen Roman von Völler, Eva (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.03.2021
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Eine Sehnsucht nach morgen

Ruhrpott, 1968: Flowerpower, Studentenbewegung, Arbeitskampf. Als Bärbel nach dem Medizinstudium in ihre Heimatstadt Essen zurückkehrt, spiegelt sich die Zerrissenheit der Gesellschaft auch in ihrer eigenen Familie wider: Die Schwester und ihr Schwager kämpfen mit privaten und beruflichen Schwierigkeiten, für die es keine Lösung zu geben scheint, und ihr Bruder setzt mit politischen Aktionen seine Zukunft aufs Spiel. Doch vor dem größten Problem steht Bärbel selbst, als sie den Mann wiedersieht, den sie früher für die Liebe ihres Lebens hielt ...

Geboren und aufgewachsen am Rande des Kohlenpotts, hat Eva Völler sich schon als Kind gern Geschichten ausgedacht. Trotzdem verdiente sie zunächst als Juristin ihre Brötchen, bevor sie ihr Hobby zum Beruf machte. Mit der RUHRPOTT-SAGA hat sie sich einen Herzenswunsch erfüllt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 463
    Erscheinungsdatum: 26.03.2021
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783751707404
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 2136 kBytes
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Eine Sehnsucht nach morgen

Kapitel 1

Schneematsch spritzte hoch und durchnässte Bärbels Mantel vom Kragen bis zum Saum. Mit einem empörten Aufschrei sprang sie zurück und blickte dem davonbrausenden Wagen nach. Einen Moment lang hatte sie geglaubt, er würde anhalten, doch dann hatte der Fahrer Gas gegeben und war weitergefahren. Möglicherweise auf Veranlassung der neben ihm sitzenden Frau, von der Bärbel einen kurzen, aber erkennbar giftigen Blick aufgefangen hatte. Als hätte sie es sich ausgesucht, am Silvesterabend hier am Straßenrand herumzustehen, durchgefroren und mit einem abgebrochenen Stiefelabsatz in der Hand.

Beim nächsten Fahrzeug, das die Abfahrt nach Essen ansteuerte, hatte sie mehr Glück. Der Wagen hielt neben ihr an, und die Beifahrertür wurde aufgestoßen.

Der Fahrer hatte sich vorgebeugt und blickte sie erwartungsvoll an. »Wie viel?«, fragte er, während er sie auf eindeutige Weise musterte.

Bärbel schlug kommentarlos die Autotür zu und wandte sich wütend ab. Der abgewiesene Fahrer schien nicht weniger entrüstet zu sein als sie. Er fuhr mit durchdrehenden Reifen davon, und Bärbel wurde von einer weiteren Ladung Schneematsch getroffen. Sie fluchte.

Anschließend musste sie geschlagene zehn Minuten warten, bis wieder ein Wagen anhielt. Diesmal war es ein ziemlich verbeulter Kleinlaster, aber er wurde sofort langsamer, als Bärbel den Daumen raushielt. Mit quietschenden Bremsen kam er auf der Standspur zum Stehen. Auf der Ladefläche geriet einiges von dem Altmetall, das dort aufgestapelt war, in Bewegung. Scheppernd rutschten diverse alte und verbogene Eisenteile hin und her, und durch die Ladeklappe rieselte etwas Rost in den frisch gefallenen Schnee.

Anscheinend ein Klüngelskerl, wie man die Schrottsammler hier im Ruhrgebiet nannte. Bärbel erinnerte sich, wie begeistert sie früher als Kind losgestürmt war, sobald draußen das unverwechselbare Dudeln ertönte und der Pritschenwagen vorbeigetuckert kam. Es war immer ein faszinierendes Ereignis gewesen, wenn in der Nachbarschaft das Gerümpel abgeholt wurde, lauter Kram, der so alt und unbrauchbar war, dass sogar die ärmeren Leute nichts mehr damit anfangen konnten.

Der Fahrer des Pritschenwagens reckte sich über den Beifahrersitz und machte ihr die Tür auf. »Nach Essen rein?«

Bärbel nickte und betrachtete ihn verstohlen. Er war ein verhutzeltes Männlein von mindestens siebzig und sah nicht so aus, als hätte er ähnliche Absichten wie der Idiot von vorhin.

»Können Sie mich ein Stück mitnehmen?«

»Klar. Wenn et Sie nich stört, dat et ein bissken eng und dreckich hier drin is.«

»Keine Spur«, erklärte Bärbel. Sie war heilfroh, endlich aus der Kälte zu kommen. Ihre Beine fühlten sich mittlerweile wie Eiszapfen an. Die grobmaschige Netzstrumpfhose war definitiv nicht die passende Bekleidung für einen verschneiten Winterabend.

Entschlossen quetschte sie sich zusammen mit ihrem Koffer auf die Beifahrerseite. Eine Rückbank gab es nicht. Sie bugsierte das sperrige Ding zwischen sich und den Fahrer und machte sich so klein wie möglich. Trotzdem musste sie noch eine Weile herumruckeln, bis sie die Wagentür schließen konnte.

»Wie kommen Sie denn überhaupt mit sonnem großen Koffer anne B eins?«, fragte der Klüngelskerl, während er den Wagen wieder startete. Der erste Gang knarrte protestierend beim Einlegen.

»Ich war mit dem Auto unterwegs und hatte eine Panne.«

»Wo steht Ihr Wagen denn getz?«

»Ein Stück weiter dahinten, auf einem Parkplatz. Ich bin die letzten zwei Kilometer bis zur Abfahrt gelaufen.«

Der Fahrer reckte den Kopf, um einen genaueren Blick auf sie zu erhaschen. Bärbel hatte den Koffer halb auf den Schoß gezogen, und dabei war ihr Mantel hochgerutscht. Normalerweise reichte er ihr bis zu den Knöcheln. Darunter trug sie immer noch das in grellen Farben gemusterte Minikleid und die kniehohen weißen Lackstiefel sowie besagte Netzs

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